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verschlungene wege


wahre geschichten von pilgern und gottsuchern

von arthur pahl

esoterik_buecher
ISBN13-Nummer:
9783867440745
Ausstattung:
kartoniert 208 Seiten
Preis:
16.90 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
sankt ulrich verlag augsburg
Kontakt zum Autor oder Verlag:
arthur@arthurspilgrims.com
Leseprobe

Meine längsten 14 Tage

Als mich vor ein paar Monaten der vierjährige Sohn einer guten alten

Freundin damit nervte, wissen zu wollen, was ich beruflich mache,

wollte ich ihm das möglichst anschaulich schildern. Das sei nicht so

einfach, fing ich an, ja, wie solle man das sagen, druckste ich herum:

Also man fahre mit ganz vielen anderen Menschen in einem schicken

Bus in Länder, wo immer die Sonne scheine, wohne kostenlos in teuren

Hotels, wo es das beste Essen gebe, und am Tage schaue man sich

schöne alte Kirchen an. Na ja, so ungefähr, fügte ich hinzu. „Kriegst

du dafür auch Geld, so wie mein Papa für seine Arbeit?" Nach einiger

Überlegung mußte ich zugeben, ja, ich bekomme dafür auch noch

Geld. Darauf rief Kevin zu seiner Mutter hinüber, „Mama, ich weiß

jetzt, was ich mal werden will."

So oder so ähnlich geht es mir häufig, wenn man mich fragt, was ich

beruflich tue. Zugegeben, ich stehe beim Arbeiten nicht mit Gummistiefeln

im Schlamm, muß mich nicht dauernd bücken oder hinknien

oder am Fließband irgendwelche dumpfen Tätigkeiten verrichten. Ich

bin in gewisser Weise privilegiert. Das ist die funkelnde Vorderseite

der Medaille. Wer aber macht sich schon die Mühe, das Goldstück

auch mal umzudrehen? Meist keiner. Aber glauben Sie mir: Wo viel

Licht ist, gibt es auch reichlich Schatten. Nachdem ich meinen Beruf

in diesem Buch mit so vielen positiven Beispielen dargestellt habe,

muß es sein, daß ich - wenn auch nur einmal - von einer Pilgerreise

erzähle, die mich fast um den Verstand gebracht hätte. Allein durch

die Kraft und die Stärke meines Glaubens, demütig zu sein, konnte ich

die „längsten 14 Tage meines Lebens" überstehen.

ES WAR IM JULI, LETZTEN SOMMER. Ich war am Vorabend

nach Lissabon gekommen und wartete am Mittag des Folgetages am

Flughafen auf eine Pilgergruppe aus Atlanta (Georgia). Wie so häufig

hatte die Maschine ordentlich Verspätung, so daß ich die 28köpfige

Reisegruppe erst gegen 16:30 Uhr in Empfang nehmen konnte. Eine

lange Reise stand uns bevor. Wir wollten gemeinsam volle 14 Tage

von Wallfahrtsort zu Wallfahrtsort pilgern und dabei so berühmte

Städte wie Fatima, Avila, Santo Domingo de Silos, Burgos, Garabandal,

Lourdes und zuletzt noch Paris aus der Nähe kennenlernen. Die

Reisegruppe bestand aus Mitgliedern einer kleinen Gemeinde, die

charismatisch geprägt war, und gewissermaßen die Pfarrgemeinderatsvorsitzende,

eine energische Frau von Mitte sechzig, Joyce Miller,

war mit von der Partie. Ihre graumelierten Haare hatte sie streng

nach hinten gekämmt und mit einem Knoten befestigt. Auf ihrer

spitzen Nase trug sie eine übergroße Brille und dazu ein klassisches

Kostüm. Sie kam mir vor wie eine Gouvernante aus der Zeit um 1900.

Der Beruf der Lehrerin, der Erzieherin, ja auch der Oberschwester

hätte ihr gut zu Gesicht gestanden. Sie war eine Autoritätsperson,

jedenfalls wollte sie unbedingt als solche wahrgenommen werden.

Vom ersten Moment an, als ich sie begrüßte, spürte ich ihre Ausstrahlung.

Als ich ihr die Hand geschüttelt hatte, war mein Eindruck

fertig: „eiskalt", dachte ich mir. Dazu paßten ihre kleinen eisblauen

Augen, die flink hin und her blitzten und denen nichts entging. Die

übrigen Mitglieder dieser Pilgergruppe machten einen gutmütigfreundlichen

und letztlich passiven Eindruck. Ihr Südstaatenakzent,

jener sympathische „southern drawl", verriet dem Kenner sofort ihre

Herkunft. Seit Jahren schon konnte ich feststellen, daß zunehmend

Frauen diese Pilgerreisen prägen und beherrschen. So auch hier.

Mehr als Zwei Drittel der Teilnehmer waren Teilnehmerinnen und

alle jenseits der Sechzig. Ihr ungewöhnlich junger Pfarrer hingegen

begleitete sie. Sein Alter war nur schwer zu schätzen: Menschen mit

einem so markanten Babyface scheinen einfach nicht zu altern. Er

war nicht nur schlank, er wirkte auch sehr sportlich, ja geradezu

muskulös. Ich begrüßte jeden der Teilnehmer wie üblich mit Handschlag

und sagte hier und da ein freundliches Willkommenswort.

Am Ende der Reihe aber bekam ich einen Schreck: Da standen drei

Rollstühle mit kranken oder gebrechlichen Mitreisenden, die von

Flughafenmitarbeitern geschoben wurden. Nachdem unser Gepäck

und die Rollstühle im Bus ihren Platz gefunden hatten, nahmen

wir wie üblich Kurs auf Santarem, um dort eine auf 16:00 Uhr reservierte

Dankesmesse zu halten. Als wir den Flughafen verließen,

Klappentext

Eine tiefgläubige Mexikanerin bekommt von ihren fünf Kindern eine Reise zu den wichtigsten Pilgerstätten Europas geschenkt. Doch ihr sehnlichster Wunsch ist es, einmal dem Papst in die Augen schauen zu können. Dennis Yosick wiegt nur noch 50 Kilo. Er ist schwer an Krebs erkrankt. Doch um vom Leben Abschied zu nehmen, läßt sich der amerikanische Manager durch nichts auf der Welt davon abhalten, ein spanisches Marienheiligtum aufzusuchen. Ein junger Mann aus dem Punker- und Drogenmilieu Frankfurts bricht plötzlich auf, um zu Fuß nach Rom zu pilgern. Seit seiner Rückkehr gilt er in der Bankenmetropole als ein Original: „der heilige Olaf".

Arthur Pahl kennt viele solcher Geschichten und versteht sie glänzend zu erzählen. Er ist selbst viel in der Welt heumgekommen: Vom Aufbruch aus dem Würzburger Elternhaus über Lehrzeiten in Gastronomie und Hotelfach, eine Zeit als Steward auf Passagierschiffen, ja selbst als Tellerwäscher, Taxifahrer und Grabsteinverkäufer in New York, erfolgreichen Jahren in Südamerika brachte es Arthur Pahl bis zum Börsenmakler in den USA. Ein selbstverordnetes Jahr in der Einsamkeit einer kanadischen Holzhütte läßt ihn Gott finden und ein neues Leben als Reiseleiter beginnen. Aus Hunderten solcher Reisen für Pilger schöpft Pahl seine unterhaltsamen und bewegenden Erzählungen.