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Belletristik
Buch Leseprobe Zwei mal Herz ist gleich eins, Karina Förster
Karina Förster

Zwei mal Herz ist gleich eins



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Ich schließe die Wohnungstür auf und lehne mich von innen dagegen. Innerlich sacke ich zusammen. Zu Hause. Mein gemütliches Heim ist ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft, die aus einem frustrierten, depressiven Scheidungsopfer, einem Weltenbummler und mir besteht.


Als Erstes streife ich mir die schwarzen Lackpumps von meinen schmerzenden Füßen. Krachend landen sie in der Schuhecke. Wie wohltuend es ist, diese Schuhe abzustreifen und die zwei Fußsohlen auf dem kühlen Parkett zu spüren. Ich strecke und recke die Zehen, lockere beide Füße, damit sie schneller begreifen, dass sie nicht mehr in ihrem unbequemen Gefängnis eingesperrt sind. Zögernd kommt wieder Leben in meine Zehen. Die Fußbekleidung, die ich auf Arbeit trage, nervt mich.


Längst habe ich begriffen, dass mein Problem nicht nur auf meine Schuhe allein begrenzt ist. Zurzeit nervt mich vieles auf meinem Lebensweg. Die Schuhe sind Sinnbild dafür. Ich bin einmal falsch in meinem Leben abgebogen und seitdem werden meine Füße dort hinein gezwängt. Sie sind die Letzten, die etwas hierfür können.


Nervgrund eins: Mein gemütliches Zuhause ist ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft. Mit dreißig Jahren eine miserable Karriere.


Nervgrund zwei: Mein Arbeitgeber hat mich für eine Versetzung nach München vorgeschlagen, die mir mehr Kopfzerbrechen bereitet, als mein Umfeld sich ausmalt. Wenn ich nach Hause komme, platzt mir mein Schädel vor lauter Grübelei. Sicher wäre die Versetzung auf meinem beruflichen Lebenslauf grandios anzusehen. Im Geldbeutel würde etwas hängen bleiben, aber meine Familie wohnt hier. Ich bin nicht einmal angetan von der Arbeit, die ich tagein tagaus bewältige. In Kürze steht eine Entscheidung an.


Immer öfter stelle ich mir die Frage, was ich von meinem Leben erwarte. Ich lebe mein Leben falsch und das spüre ich am deutlichsten, wenn ich nach Hause komme. Niemand wartet auf mich, außer die Dusche und mein Bett … bald in einer Stadt, in der ich keine Menschenseele kenne, Meilen von meiner Familie entfernt.


Und das Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr. Wie öde!


Abgespannt schleppe ich mich in das Bad und entkleide ich mich. Ich brauche eine erfrischende Dusche. Das warme Wasser rinnt hinab und spült die unsichtbare Hülle ab, die ich mir im Laufe des Tages zugelegt habe. Hier zu Hause brauche ich sie nicht und bei dieser Gepflogenheit werde ich wieder halbwegs zu der, die ich bin. Jedes Mal denke ich, wie begrüßenswert es doch wäre, wenn ein solches Ritual unnötig sein würde. Stattdessen ist die Dusche zur Hüllenabwaschzentrale verkommen.


Ich drehe den Wasserhahn auf kalt, halte meinen pochenden Kopf unter den erfrischenden Strahl, bis die Wirkung soweit gesteigert ist, dass der Schmerz im Schädel überlagert wird. Erst dann drehe ich den Wasserhahn zu, bleibe aber unter dem Brausekopf und lehne meinen Kopf gegen den kühlen Hahn.


Aus der Dusche kommend, wickele ich mich in mein Badehandtuch ein und trete vor den Spiegel, wo mich eine junge Frau mit geröteten Augen müde ansieht. Wenn ich ohne Kopfschmerzen bin und nicht wie heute verweinte Augen habe, dann kommt meine Irisfarbe zur Geltung. Sie ist grünbraun, hat überwiegend Grünanteile, die beim Betrachter entweder Behagen oder Unbehagen auslösen. Mein braunes, leicht gelocktes Haar klebt mir am Kopf und das kalte Wasser rinnt in dünnen Fäden zum weißen Handtuch hinab, das mich umhüllt. So angetan bin ich nicht von mir und wende mich angewidert ab.


Behäbig gehend komme ich in der Küche an und fülle Wasser in den Wasserkocher.


Ich nehme mir einen Keks, den meine Mutter bei ihrem letzten Besuch für uns gebacken und in eine Dose aus Blech gelegt hat. Es sind meine Lieblingskekse und ich erinnere mich, wie ich meiner Mutter beim Backen zugeschaut habe.


 


Sie stand am Tisch, die grüne Leinenschürze um ihre untersetzte Hüfte geschlungen. Ein Lächeln umspielte ihre reizvoll geformten Lippen. Von ihr habe ich meine Augenform, die an ein großes Bonbon erinnert. Ihr Blick war offen und fröhlich, was zu ihren Mundwinkeln passte, denn die sind vom Lächeln nach oben gebogen. Ihre braunen Haare hatte sie zu einem Zopf gebunden. Er hing über ihre linke Schulter. Ich sehe ihr in hohem Maße ähnlich und weiß, wie ich einmal in ihrem Alter aussehen werde. Leicht untersetzt, glatte Haut und graue Strähnchen, die nicht nur allein für ein erfahrenes Leben stehen. Werde ich gleichermaßen so glücklich und zufrieden strahlen, wie sie?


Was sie macht, macht sie immer mit Hingabe. Jetzt, in diesen Minuten, Kekse backen und bei mir sein. Ich betrachtete sie lange, denn ich hatte erst kürzlich die Scherben meiner zweiten Beziehung zusammen gefegt.


Kurzerhand erkundigte ich mich bei ihr: ″Was mache ich falsch?″


Mitten im Kneten hält sie inne, sieht mich mit ihren bildhübschen, klaren Augen an. Ihre Iris leuchtet im Licht des Fensters und lässt sie so immens fesselnd aussehen.


″Aber Liebes! Du machst nichts falsch. Benno war falsch.″


Sie kam zu mir um den Tisch, schloss mich in ihre Arme und hielt mich.


″Ich hatte Glück.″


″Ich will auch mal Glück haben!″, heulte ich los, dabei mochte ich nicht weinen. Ich kam mir wie eine Versagerin vor, die ein ödes, trostloses Leben im Hamsterrad lebt und von ihrem Arbeitgeber nach Belieben in die Fremde versetzt wird.


″Das wirst du″, tröstete sie mich und küsste meine Wange. ″Wenn du weißt, was du willst, wirst du das eines Tages. Höre in der Zwischenzeit auf dein Herz, dann findest du, was du dir wünschst. Solange genießt du meine Kekse, hm?″


Ich begann unter Tränen zu lachen und meine Mutter freute sich, dass sie für mich die Kurve geschafft hatte. Sie hat diese liebevolle Art mich aufzumuntern, wenn ich es nötig habe. Dazu braucht sie nicht einmal etwas Tiefschürfendes zu sagen. Ihre schlichten, kurzen Sätze treffen immer in das Schwarze und beruhigen mich.


Sie tänzelte wieder zu dem Teig und knetete ihn summend weiter. Nach einer Weile waren alle Bleche belegt und ich schob das Erste summend zu meinem Lieblingslied in den vorgeheizten Backofen.


 Einer dieser Kekse zerkrümelt in meinem Mund und ich nehme mir vor, meine Mutter nachher mal anzurufen. Der Wasserkocher klickt und holt mich aus den Erinnerungen. Abwesend übergieße ich den Teebeutel.



In meinem Zimmer gehe ich zum Schreibtisch, auf dem der Laptop steht. Ich fahre ihn hoch und öffne eine Suchmaschine. Portale für Stellenangebote gibt es viele und ich gebe, wie jeden Abend, verschiedene Suchbegriffe ein. Die interessantesten Angebote speichere ich mir ab und öffne das Verzeichnis mit den abgespeicherten Anzeigen. Heute werde ich mal zur Abwechslung ernstlich bei irgendeiner Stelle anrufen. Heute soll es nicht nur beim Abspeichern von Stellenanzeigen bleiben.


Mein Handy klingelt und ich lehne mich in den Stuhl zurück. Mit meiner Teetasse in der Hand sehe ich nach, wer mich anruft.


Es ist Benno.


Nervgrund drei.


Ich trinke einen großen Schluck, denn ich habe keine Eile seinen Anruf entgegenzunehmen.


″Benno?″, melde ich mich unhöflich und kurz angebunden.


″Amelie, grüß dich!″, trällert er überfreundlich und ich stelle mir vor, wie er auf Schleim ausrutscht. Seine scheinbar erfreuliche Laune geht mir auf den Zeiger.


″Was gibt es?″, will ich in noch unfreundlicher wissen.


″Wollte fragen, wie es dir geht″, antwortet er in dieser Sekunde vorsichtig und unterwürfig. Wir waren lange genug zusammen, damit er einschätzen kann, wie ich in schlechter Stimmung spreche. Vor Wochen hätte ich mich womöglich gefreut, ihn zu hören und die Hoffnung gehabt, dass er zu mir zurückkehrt. Mitgenommen vor Liebeskummer hätte ich alles getan, um besagtes Gefühl loszuwerden. Wie blöd! Erfreulich, dass ich über diese Stufe der Selbsterniedrigung weg bin.


″Mir geht’s beschissen, ich brauche einen neuen Job und einmal guten Sex für meine Hormone″, blöke ich in das Handy. Womöglich begehrt er Letzteres selbst und denkt, ich meine ihn damit. Benno schluckt.


″Noch was?″, frage ich bissig.


″Du bist gereizt″, stellt er fest und tönt enttäuscht. Dachte er, dass ich vor Freude platze, wenn er sich plötzlich wieder täglich bei mir meldet?


″Na klar bin ich gereizt. Bei blöden Fragen reagiere ich gereizt.″


″Na ja, beim Sex könnte ich dir behilflich sein. Dann steigt deine Laune vielleicht.″


Wusste ich es doch! Ich könnte mich echt übergeben. Er ist so ein hormongesteuerter Trottel.


″Das Letzte, was ich will, ist Sex mit Einem, dem ich vor Wochen noch so schnurz war, wie eine Frau dem Pontifex. Außerdem: Wenn du so unbedingt Sex mit mir machen willst, versteh ich nicht, warum du dann zu deiner Ex zurückgelaufen bist? Ne, lass mal gut sein, Benno! Da würde meine Laune eher sinken bei!″


Eine kleine Pause entsteht. Ich will, dass er auflegt, weil er begriffen hat, dass ich mich nicht über seinen Anruf freue und ihn nicht in meinem Bett haben will.


″Hattest du Stress auf Arbeit oder ist es nur der fehlende Sex?″


Ich überlege, wie ich diesen Mann durch das Telefon gezogen bekomme. Nein, besser nicht! Er schnallt weder, was er mir für Schmerzen bereitet hat, noch, dass er mir gestohlen bleiben kann. Und dass ich nicht nach München umziehen will, brauche ich ihm erst recht nicht anzuvertrauen. Der ist so was von unsensibel!


″Der Grund meiner Gereiztheit geht dich einen Scheiß an! Mein weiteres Leben geht dich einen Scheiß an, seitdem …!″


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