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> Belletristik > Zurück nach Ägypten
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Belletristik Bücher
Buch Leseprobe Zurück nach Ägypten, Ursula und Katrin Busch
Ursula und Katrin Busch

Zurück nach Ägypten



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Für Isabell begann ein Martyrium. Bis auf nachts kontrollierte er sie ständig, verbot ihr, das gemeinsame Schlafzimmer ungefragt zu verlassen. Dass unsere Gäste ein Recht auf Frühstück und Urlaubsbetreuung hatten, ignorierte er einfach. Um größeren Ärger zu vermeiden, übernahmen Laura und Roy die Betreuung unserer Gäste. Diese revanchierten sich bei Achmed mittels Missachtung, übersahen ihn einfach. Das war zu viel, er suchte für die Situation eine Verantwortliche, für ihn kam nur eine in Frage, die Ehefrau. Er schloss sich mit ihr ins Zimmer ein, um sie nach „ägyptischer Tradition“ zu bestrafen. Natürlich ließ sie sich nicht misshandeln, schrie so laut sie konnte. In Angst um die Mutter, trat Laura die Türe ein und Roys durchtrainierte Figur ließ Achmed nur noch stammeln: „Was ist los? Was habt ihr vor? Warum stört ihr uns? Wir wollten halt mal ungestört sein. Ist das ein Verbrechen?“ Keiner glaubte ihm, bestimmt er sich nicht mal selbst. Damit war die Situation vorerst mal gerettet. Trotz allem bestand bei Achmed Handlungsbedarf. Schnell überlegt – und neue Pläne geschmiedet. Kurz entschlossen rief er mich an, klagte sein Leid. Das, was er mir am Telefon ins Ohr schleimte und log, war eine handfeste Beleidigung für meinen Intelligenzquotienten: „Mam, ich brauche deine Hilfe. Bitte, komm schnellstens nach Hurghada. Es gibt viele Gründe dafür. Isabell macht, was sie will, fl irtet mit den männlichen Urlaubern, wird von Laura auch noch unterstützt. Roy hat auf beide einen sehr schlechten Einfl uss, er ist überhaupt nicht der Richtige für deine Enkelin. Alle drei hetzen die Gäste gegen mich auf, sodass mich keiner beachtet…“ So ging es bestimmt eine halbe Stunde weiter. Ich bemühte mich, geduldig zuzuhören, obwohl ich die wahren Zusammenhänge schon längst mitgeteilt bekommen hatte. In diesem Gespräch wurde mir immer mehr klar, dass dieser Mensch schwer kopfkrank sein oder an totaler Selbstüberschätzung leiden musste. Egal, ich wurde in Hurghada gebraucht. In dieser Situation fasste ich auch den Gedanken, um Isabell und Karim zu schützen, sie systematisch auf ein geordnetes Leben in Deutschland vorzubereiten. Unterstützt in meinem Vorhaben wurde ich von Thomy, der mich auf dem Weg zum Flughafen noch abpasste, mir in unfreundlichem Ton mitteilte: „Ich kann dein Verhalten nicht nachvollziehen. Weißt du überhaupt, was in Hurghada abgeht, wenn du nicht unten bist?“ Natürlich wusste ich es, aber die Hoffnung starb bekanntlich zuletzt. In Hurghada wurde ich von allen herzlichst begrüßt, sogar von Achmed, armer Irrer, perfekter Heuchler? Schnell erkannte ich die Situation, Achmed war in Nöten. In der Villa hatte er nichts mehr zu sagen, sogar Isabell wehrte sich. Er musste ihrer Seele sehr weh getan haben. So versuchte er ständig, mir Gespräche aufzudrängen, wollte mir glaubhaft machen, dass er sich geändert habe. Für ihn sei nur noch die Familie wichtig. Ich beendete dieses Gefasel mit: „Achmed, sag doch einfach, was du wirklich willst. Brauchst du Geld. Hast wieder jemanden betrogen, und ich soll dich aus diesem Schlamassel herausziehen? Also; was ist los?“ Er gab mir keine Antwort. Ich grübelte, na klar. Ende Juli war die Hochzeit von Madiha, seiner Schwester, anberaumt. Logisch, dass dabei alle Achmeds neue Familie kennen lernen wollten. Sicher das normalste der Welt, nicht fürs Großmaul, der in seiner Verwandtschaft verbreitet hatte, seine Frau sei Deutsche, aber eine „ordentliche“ Ehefrau. So glaubten sicher alle, dass sie bald Muslimin werden würde, sich traditionell kleiden und ihrem Ehemann ehrfurchtsvoll gehorchen würde. Er musste also verhindern, dass alle die wahre Isabell kennen lernen konnten.


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