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Wunder brauchen Zeit


Liebesroman aus Gefühl, Humor und Erotik

von Jutta Schütz/Jens Petersen

belletristik
ISBN13-Nummer:
978386850625-9
Ausstattung:
Paperback
Preis:
14.99 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Tredition
Leseprobe

Kapitel 5

 

 

Ein paar Tage danach erhielt ich einen langen Brief von Uwe. Er musste ihn persönlich in meinen Briefkasten geworfen haben, denn der Umschlag war ohne Briefmarke. Ich steckte ihn, ohne zu öffnen in meine Tasche, da ich sehr in Eile war. Außerdem wollte ich seine Zeilen in Ruhe lesen. Ich fragte mich den ganzen Tag, was er mir wohl geschrieben hatte und wurde immer ungeduldiger. Gegen sechzehn Uhr verließ ich das Büro und fuhr nach Hause. Eilig schloss ich die Tür auf, warf meine Jacke achtlos aufs Sofa und begann zu lesen.

Er schrieb über seine Gefühle, die ihn nicht mehr losließen. Er beschrieb sie voller Leidenschaft, und ich konnte jedes einzelne Wort in meiner Seele spüren.

Nein, sein Geständnis erschreckte mich nicht, seine Gefühle waren nur so überraschend für mich. Sollte ich jetzt schockiert, erschüttert oder traurig sein?

Ich saß auf meinem blau melierten Teppichboden und konnte wegen meiner weichen Knie nicht aufstehen. Dieser tolle Mann hatte mir soeben ein Geständnis gemacht und er vertraute jetzt auf mein Mitgefühl.

Rot lackierte Fingernägel, die Wimpern lang und seidenschwarz getuscht, Make-up und rubinrote, glänzende Lippen. Dazu einen engen und nur bis zum Po reichenden Minirock, Nylonstrümpfe und hohe Pumps.

Uwe fand das an Frauen toll.

Aber am meisten an sich selbst. Die Frau in ihm wollte endlich zu leben anfangen!

Nein, ich war nicht traurig und auch nicht entsetzt, vielleicht nur etwas erschüttert. Und was ich sonst noch fühlte, hätte ich nicht mit Worten beschreiben können. Vielleicht war es so wie rückwärtsgehen, oder im Kopfstand zu versuchen, ein Glas Sekt zu trinken und dabei die Schwerkraft außer Acht zu lassen? Selbstverständlich wusste ich, dass es „solche Menschen" irgendwo gab, nur hatte ich nie einen von ihnen kennengelernt. Und ausgerechnet Uwe sollte solch ein Mensch sein?

Er schrieb über Gefühle, die weiblich oder männlich wären, und ich fragte mich, was Gefühle mit dem Geschlecht zu tun hatten? Und ich dachte mir, nicht männlich oder weiblich bilden den Unterschied, sondern echt und unecht.

Seine Schilderungen, diese Reise in sein Inneres, hatten mich auf eine Weise berührt wie die Tautropfen im Gras, wenn sich der Nebel langsam im Morgengrauen erhebt. Ich spürte, dass er jetzt wie ein Vergissmeinnicht für mich war, das ich ganz nah an meinem Herzen spüren wollte, aber trotzdem nicht pflücken durfte.

An den vorhergehenden Tagen hatte ich sehr viel an ihn denken müssen, und wenn ich an ihn gedacht hatte, dann war es stets ein berauschendes Gefühl gewesen. Daran änderte jetzt auch dieser Brief mit seinem Bekenntnis nichts mehr.

 

Kapitel 6

 

 

Der nächste Tag war mein dreißigster Geburtstag, und ich hatte Uwe zum Frühstück eingeladen.

Pünktlich um neun Uhr klingelte es an meiner Tür und ich öffnete mit glühenden Wangen. Natürlich war ich unsicher und wusste nicht, wie ich mich ihm gegenüber verhalten sollte. Die letzten Wochen hatte ich immer deutlicher gespürt, wie magisch mich dieser Mann anzog, dieser Mann, der jetzt lieber eine Frau werden wollte. Wie selbstverständlich nahm er mich zur Begrüßung in seinen Arm und küsste mich auf den Mund. Viele unbekannte Gefühle baten in diesem Augenblick vor meinem Herzen um Einlass und ich ließ sie einfach ohne weiteres Nachdenken hinein.

Als ich uns Kaffee einschenkte, brachten mich sein umwerfender Charme und sein unwiderstehliches Lächeln etwas aus dem Konzept, und er bemerkte das Zittern meiner Hände.

„Ich spüre deine Unsicherheit mir gegenüber", fing er zögernd an. „Du hast meinen Brief gelesen?"

„Ja, Uwe."

„Und du weißt jetzt nicht, was du sagen sollst?"

Klappentext

Die Ausgangssituation für die Hauptprotagonisten „Lissy" und „Uwe" ist sehr extrem und der Leser fragt sich, ob die beiden es schaffen, zueinander zu finden - und das ist hier ziemlich schwierig.
Im Buch wird verdeutlicht, welche psychischen Probleme ein junger Mann in sich trägt, der glaubt, eine Frau sein zu wollen. Es ist ein ernsthaftes Thema, das mit viel Humor erzählt wird, ohne sich darüber lustig zu machen.
Lissy trennt sich von ihrem Ehemann Roger und zieht vorübergehend zu ihrer Freundin. Ihr einfühlsames Wesen ermutigt Uwe sich ihr anzuvertrauen und er gesteht, dass er eigentlich eine Frau sein möchte. Dadurch, dass Uwe auch noch der Arbeitskollege von Roger ist, macht die Situation noch viel schwieriger. Kurios scheint auch die Aussage seiner Kollegen - er sei ein Weiberheld. Und richtig kompliziert wird es dann, wo Lissy sich eingestehen muss, sich in Uwe verliebt zu haben.
Wo hört Freundschaft auf und wo fängt Liebe an?
Lissy will sich von Uwe zurückziehen aber ihre Sehnsucht nach ihm wird grenzenlos. Um dieser Problematik nicht nur hilflos gegenüber zu stehen, informiert sie sich über Transsexualität und begleitet ihn zu einer Selbsthilfegruppe.
Gleichzeitig lernt sie den Japanisch-Lehrer Walter kennen, der ihr einen Heiratsantrag macht.
Nicole, die seit zwei Jahren ihre Operation „zur Frau" schon hinter sich hat, gesteht Lissy, dass ihre OP ein riesengroßer Fehler war und will die Anderen davor warnen.
Wie aus heiterem Himmel sagt Uwe seinem Arbeitgeber die Wahrheit über sich. Er will endlich eine Frau werden!
Gibt es jetzt für ihn kein Zurück mehr?
Diese Kommunikation zwischen den beiden Hauptdarstellern spiegelt beinahe alle Facetten des Lebens wieder: Vorfreude, Neugierde, Wut, Zärtlichkeit, Enttäuschung, Verrat, Liebe, Erotik, Entschlossenheit, Wankelmütigkeit, Angst, Traurigkeit und Verzweiflung.

Rezension

Welche Kraft geschriebene Worte haben können, wird schon lange nicht mehr so vergegenwärtigt wie in diesem Buch.
Es sind die spannenden Augenblicke und romantische Szenen, die einen mitreißen in die Welt unserer Heldin „Lissy".

Berlin, den 22. Januar 2010
Die Autoren schreiben in der „Ich-Erzählperspektive" wo man mitfühlt und mitleidet, als wäre man Teil der Handlung und der Leser begreift, wie sich plötzlich einfach alles ändern kann und dass das Leben unberechenbar bleibt und man es nicht planen kann.

Normalerweise erspare ich mir eine Rezension, wenn schon soviele andere existieren. Hier hab ich jedoch ganz stark das Bedürfnis, meine Erfahrung mitzuteilen, allen die daran teilhaben möchten, auch weil diese Geschichte ein Erlebnis von ganz eigener Art ist, wenn man sich darauf einlassen kann.
Im Buch wird verdeutlicht, welche psychischen Probleme ein junger Mann in sich trägt, der glaubt, eine Frau sein zu wollen.
Ein ernsthaftes Thema mit soviel Humor zu erzählen, ohne sich darüber lustig zu machen, ist schon eine Kunst für sich. Die „außergewöhnliche" Story ist angenehm zu lesen, man kann sich sofort in das Gefühlsleben der Hauptdarstellerin hineinversetzen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. die Geschichte ist kein Hirngespinst sondern zu dieser Zeit bestimmt tausendmal so durchlebt.
Die Art und Weise, wie es geschrieben ist lässt sich schwer beschreiben, man muss es einfach selbst lesen! Wer bei diesem Buch nicht weinen muss hat kein Herz!
Die Autoren schreiben fantasievolle Pirouetten und beschwören Situationen herauf, die an Herz und Niere gehen.
Mich hat das Buch, vor allem am Ende, auch sehr zum Nachdenken gebracht. Nicht nur wegen der Dinge, die in dem Roman geschehen sondern vor allem auch, weil es mich sehr zum Nachdenken angeregt hat. Machen wir immer das Richtige in diesem Leben? Handeln wir immer so, wie unser Herz es uns sagt?
Das Schicksal ist nicht planbar und Herzenswünsche sollte man besser schnell verwirklichen, bevor es zu spät ist.
Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Es wirkt immer noch nach, und ich weiß, dass meine Worte es nicht ausreichend zu würdigen wissen. Aber ich habe es versucht. Und werde nicht müde werden, es weiterzuempfehlen.

Peter Singer, www.internet-intelligenz.de