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> Belletristik > Wo die Hoffnung klingt
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Belletristik Bücher
Buch Leseprobe Wo die Hoffnung klingt, Melissa C. Feurer
Melissa C. Feurer

Wo die Hoffnung klingt


Knocking on Heavens Door

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[...]

Die Sonne stieg langsam höher und wärmte meine Haut, während ich gemächlich die Straße entlang zu Cabs Haus schlenderte, das nur zwei Straßen weiter lag.
Um seine Eltern - von denen man nie wusste, wann sie wegen des Schichtdienstes in der Kinderklinik der nahegelegenen Großstadt Zuhause waren - nicht zu wecken, klingelte ich nicht, sondern warf kleine Steinchen von dem schmalen Kiesweg vor dem Haus an Cabs Zimmerfenster im ersten Stock.
Und ich hatte Glück, schon Sekunden später öffnete er das Fenster.
„Was zum Teufel machst du hier?", fragte er, fügte aber sofort grinsend hinzu: „Warte, ich komm runter!" und schloss das Fenster.
Er hatte sich schon daran gewöhnt, dass ich gelegentlich viel zu früh vor seinem Haus stand. Er stand ohnehin immer früh auf, um noch Zeit zu haben, Gitarre zu spielen, bevor er ging.
Gelangweilt sah ich am Haus empor. Kannte man Cab, so konnte man sich kaum vorstellen, dass ausgerechnet er in diesem schneeweißen Neubau wohnte. Ja, auch ich passte wenig in die moderne Stadtrandsieldung, doch wie er konnte ich nichts für meine Familie und mein Zuhause. Cabs Eltern waren beide Ärzte und verdienten nicht schlecht. Cab selbst verhielt sich zwar nicht gerade wie der Sohn des kühlen und erfolgsorientierten Ehepaares, doch der gute Ruf seines Nachnamens brachte ihm selbst bei den Lehrer einen Vorteil ein. Cab konnte tun und lassen was er wollte, seine Eltern bogen es wieder gerade. Und vermutlich war er auch derjenige, der diese Nachsicht am meisten brauchte, und ihm war mehr als einmal ein Verweis erspart geblieben. Cab war nicht gerade die Vernunft in Person, auch wenn er es war, der uns immer zu selbiger riet.
Die verglaste Holztür öffnete sich und Cab trat aus dem Haus, seine schwarze Tasche über die Schulter gehängt.
Er sah genau so aus, wie ich ihn für alle Zeit im Gedächtnis behielt. Einfach wie immer, ganz gleich wie sehr er sich später auch veränderte.
Sein Haar hing im unordentlich ins Gesicht; Es war bereits wieder etwas zu lange, vor allem wenn man bedachte, dass er sich vor nicht allzu langer Zeit eine Glatze rasiert hatte, um seine Eltern zu provozieren. Mittlerweile hing ihm das dunkelblonde Haar wieder strähnig in die Stirn und stand ungleichmäßig und chaotisch ab, die Spitzen noch etwas rot von der herauswachsenden Farbe. In seinen Augen lag wie immer dieser unbeschreibliche Ausdruck. Diese Mischung aus Lebensfreude und Gleichgültigkeit, die man nur von ihm kannte.
Er war nicht herausragend hübsch, doch der Blick, mit dem er sein Gegenüber betrachtete, und sein Verhalten verliehen ihm eine Ausstrahlung, die man zu schätzen lernte und die auch Unbekannte schnell in seinen Bann zog.
Seine schwarze Hose reichte ihm bis knapp über die Knie und ließ die beiden verschiedenfarbigen Chucks in Grün und Rot noch mehr auffallen und sein rotes Wizo-Shirt und das schwarze Lederband mit einer Geldmünze als Anhänger machten das Bild perfekt.
Genau so, wie eh und je, kam Cab aus dem Haus und grinste mich schräg an. „Was willst du denn schon wieder hier?"
Er musterte mich von oben bis unten, bevor er mich zur Begrüßung umarmte. Ich fühlte die kalte Münze auf meiner Haut und musste unwillkürlich wieder daran denken, wie wenig Zeit uns allen blieb.
Doch ich verwarf den Gedanken und löste mich aus Cabs freundschaftlicher Umarmung.
„Mir war langweilig und ich dachte, ich seh mal nach, ob du schon wach bist", meinte ich und Cab grinste noch breiter.
„Kurz gesagt: Du hattest Sehnsucht nach mir."
Ich lachte und stieß ihn gegen die Schulter. „Idiot!"
Cab legte den Kopf schief und sein Gesicht nahm einen perfekt gespielten beleidigten Ausdruck an. „Aber wie kannst du so etwas sagen?" Er sah mich aus seinen blaugrünen Augen mit einer Mischung aus Dackelblick und Aufgebrachtheit an und ich schüttelte lachend den Kopf.
Er sah nicht nur aus wie immer, er verhielt sich auch so. Genauso spöttisch und gut gelaunt, wie er war, seit ich ihn kannte.

[...]

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