|
„Krank und ganz allein! Kann es noch schlimmer kommen?“, fragte sich Jule laut und streichelte Sillys Fell. Der Blick ihrer Katze war strafend! „Sorry, Silly! Ganz allein bin ich ja wirklich nicht. Du bist ja auch noch da. Aber jetzt stell dir mal vor, wir wären jemand anders. Wir wären nicht Jule und Silly - oder von mir aus wären wir auch Jule und Silly, aber wir wären nicht so wie jetzt, sondern unser Leben hätte einen ganz anderen Verlauf genommen. Vielleicht sogar schon von Geburt an. Ich käme aus reichem Haus und du wärst eine Katze mit adligem Stammbaum oder wir wären im warmen Süden geboren und aufgewachsen. Was meinst du, wie würde es uns dann wohl gehen?“, fragte Jule ihre Katze, die sie ziemlich verständnislos ansah. „Oh, Mann! Ich glaube, ich sollte mal Fieber messen! Entweder liegt es daran oder an den Medikamenten oder an beidem. Viel-leicht werde ich auch nur verrückt. Wieso rede ich eigentlich mit meiner Katze?“, fragte sie sich voller Selbstzweifel. „Ganz einfach! Weil sonst niemand da ist, mit dem du reden kannst!“, beantwortete ihr Alter Ego die Frage ziemlich gnadenlos. „Danke dafür!“, gab sie frustriert zurück. Jule schloss die Augen, lauschte halbherzig den Dialogen des Film und ließ ihre Gedan-ken schweifen. Langsam tauchte sie ab in eine Fantasiewelt, in der eigentlich alles besser sein sollte. Sollte ...
|
|
Wenn ich jetzt Prinzessin wäre ... Jule ist krank, für ihre Begriffe sogar sehr krank. Immerhin hat selbst der Arzt sie für arbeitsunfähig erklärt. Jetzt sitzt sie daheim, allein mit ihrem grippalen Infekt, ihrer Katze und ganz viel Selbstmitleid. Während sie über ihr bisheriges Leben sinniert, stellt sie fest, dass es nicht ganz so verlaufen ist, wie sie es sich gewünscht hätte. Also lässt sie ihrer Fantasie freien Lauf und überlegt sich Lebensentwürfe, die ihre derzeitige Situation verbessern könnten. Was wäre wohl anders an ihrem Dasein, wenn sie verheiratet und Mutter wäre oder reich verheiratet und Mutter oder – sogar eine Prinzessin? Zwischendurch erwischt sie sich immer wieder dabei, wie sie laut mit ihrer Katze spricht oder ihrem Alter Ego diskutiert. Jule wird das Ganze allmählich unheimlich, aber sie ist ja schließlich fieberkrank ... Der Besuch ihrer Arbeitskollegin und Freundin Sabine, die sie mit ganz vielen, aufregenden Neuigkeiten überhäuft, holt sie zurück in die Realität. Jule kommt zu einer erstaunlichen Erkenntnis ...
|
|
"... Die inneren Monologe der 43-jährigen Autorin haben Qualität. Das zeigt sich auf den knapp 80 Seiten an einem schönen Erzählfluss, der den Leser leicht mitschwimmen lässt. ..." WAZ, Kultur in Bochum, 17.05.2008
|