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Belletristik
Buch Leseprobe Trimborns Plan, Michael Dullau
Michael Dullau

Trimborns Plan


Geschichte einer Fahnenflucht

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KAPITEL EINS


 


Eisiger Wind zog an den Fenstern des neuen Kliniktraktes, als Major Dr. Lena Graff die Tür ihres Behandlungszimmers öffnete und Oberst Trimborn hereinbat.


Trimborn gab ihr zur Begrüßung einen behutsamen, fast kindlichen Händedruck, der im Widerspruch zu seiner Körpergröße und seiner sonstigen Art des Händeschüttelns stand, und steuerte zielstrebig die graue Behandlungsliege an.


»Sie sind mit dem Ablauf der Untersuchung noch vertraut, Genosse Oberst?«, fragte die Ärztin und lächelte.


Trimborn nickte, zwang sich zu einem Lächeln und nahm auf der Liege Platz. Er drehte sich auf die linke Seite und öffnete den Mund; wie oft er diese Prozedur bereits mitgemacht hatte, konnte er nicht mehr sagen.


»Und Sie möchten wirklich keine Betäubung.«


Trimborn schüttelte den Kopf.


Die Ärztin nahm das Gastroskop und führte es in seinen Rachen. Routiniert schluckte er den Schlauch, ohne Würgreflex, ohne einen Laut des Schmerzes.


Seit fünf Jahren kämpfte der Oberst gegen den Krebs. Im Frühjahr 1983 hatte man zum ersten Mal ein Geschwür in seinem Magen festgestellt. Man entschied sich damals sofort zur Operation, bei der das Karzinom großflächig entfernt wurde. Danach blieb er drei Jahre krebsfrei. Doch Anfang 1986 entdeckten die Ärzte erneut Krebs. An der Magenwand hatten sich mehrere fingerkuppengroße Geschwulste eingenistet. Auch hier entschloss man sich sofort zur Operation. Während des mehrstündigen Eingriffs wurde Trimborn knapp die Hälfte des Magens entfernt. Danach schien der Krebs besiegt. Zwei Jahre blieb jeder Befund negativ. Bis sich Trimborn vor drei Tagen einen Termin bei der Ärztin hatte geben lassen, da er sich seit einem Monat beinahe täglich übergeben musste.


Lena mochte den Oberst. Vielleicht, weil er seit Jahren ohne zu klagen gegen den Krebs kämpfte; ganz sicher aber, weil er einer der wenigen Offiziere war, der sie, seit sie vor acht Jahren auf der Station für Innere Medizin im Militärkrankenhaus B. angefangen hatte, nicht mit billigen Komplimenten oder plumpen Sprüchen zu einem Rendezvous hatte nötigen wollen. Und was hatte sie sich nicht schon alles anhören müssen: »Genossin Doktor sind gut gebaut ..., Genossin Doktor hat schöne blaue Augen ..., Genossin Doktor sollte ihre blonden Haare immer offen tragen ..., Genossin Doktor hat so schöne Lippen, die dürfen nicht ungeküsst bleiben ...« und so weiter – und das waren die harmlosen Sprüche. Und seit sie sich vor vier Jahren von ihrem Mann, einem Oberstleutnant im Kommando der Grenztruppen der DDR, hatte scheiden lassen, betrachteten sie die meisten Stabsoffiziere endgültig als Freiwild.


Erst als sie vor zwei Jahren zum Major befördert worden war und die Leitung der Abteilung übernommen hatte, waren die verbalen Zudringlichkeiten deutlich weniger geworden. Nur einige Generäle versuchten es, kraft ihrer goldgeflochtenen Schulterstücke, immer wieder. Einer dieser Generäle war besonders penetrant. Ein dicklicher Mann Mitte 60, dem die Haare büschelweise aus Nase und Ohren wuchsen. Bei der alljährlichen Prostata-Vorsorgeuntersuchung gab er, während er seinen speckigen Unterkörper entblößte, stets denselben Spruch zum Besten: »Ja, ja, Fräulein Doktor«, pflegte er zu sagen, »schauen Sie nur richtig hin, das war einmal der Schrecken von Odessa.« Der General lachte dann und zeigte auf seinen schlaffen, fetten Penis. »Aber Sie, Fräulein Doktor, können ihn wieder zum Leben erwecken. Ha, ha, ha!«


Trimborn aber war anders als diese tumben Militärs, und mit der Zeit empfand Lena mehr als Sympathie für ihn.


Der Oberst hatte den Schlauch jetzt vollständig geschluckt. Lena pumpte langsam Luft in seinen Magen und begann mit der Untersuchung. Zunächst war auf dem Monitor nichts Verdächtiges zu sehen. Doch plötzlich hielt sie inne. Am Ende der verbliebenen Magenhälfte stieß sie auf mehrere erbsengroße Geschwulste. Die Ärztin schob das Gastroskop weiter in den Zwölffingerdarm und erschrak: hier war alles voller Geschwüre!


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