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Strandgut


Maritime Geschichten und Gedichte

von Claus Beese

belletristik
ISBN13-Nummer:
9783866751224
Ausstattung:
broschiert, 201 Seiten,
Preis:
10.00 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Mohland Verlag
Kontakt zum Autor oder Verlag:
autor@claus-beese.de
Klappentext

Gibt es Schnee in der Südsee, wenn ein kleines Mädchen sich das zu Weihnachten sehnsüchtig wünscht? Warum wird der Erste Offizier eines Frachters ständig von demselben Traum heimgesucht, sodass er schließlich zu einer Segelreise ins Wikingerland aufbricht? Kann die Moorwaage ein Menschenleben retten? Was ist eine Moorwaage überhaupt?
Das sind Fragen, die Claus Beese in dieser Geschichtensammlung beantwortet. Manchmal muss man beim Lesen einfach nur schmunzeln, wenn etwa ein Klabautermann sich als Amor für einen Strandkorbvermieter betätigt. Dann wieder läuft es einem eiskalt den Rücken hinab, wenn ein junger Leuchtturmwärter einsam gefangen im Sturm von einem mit Gerippen bemannten Spukschiff bedroht wird. Eine ungewöhnliche Freundschaft in der Wikingerzeit ist der Grund dafür, dass ein Mann nicht "kopflos" wird.
Seemannsgarn, natürlich, doch diese Geschichten sind nicht nur für eingefleischte Seebären gedacht, auch Landratten dürften ihren Spaß daran haben, wenn es plötzlich Eier vom Himmel regnet und ein kleiner Junge von Abenteuern auf der weiten See träumt.

Leseprobe

... Stunde um Stunde verging, und er genoss die Fahrt über den ihm bislang unbekannten Meeresarm. Die Eisenbahnbrücke bei Lindaunis hielt in nur kurz auf, dann hatte er auch hier freie Fahrt. Die Schlei dehnte sich an Steuerbord in das Gunnebyer Noor aus, doch er ließ es liegen, dort war nicht sein Ziel. Etwas weiter wurde der Fjord immer enger, die Landschaft fing an, der zu gleichen, die Gunnar in seinen Träumen gesehen hatte. Doch die „Seeschwalbe“ nahm keine Notiz davon und segelte einfach weiter. Gunnars blicke flogen von Backbord nach Steuerbord, suchten über den Bug voraus Übereinstimmungen mit seinen Traumbildern zu sehen. Doch selbst noch beim Passieren der Missunder Enge fand er nicht das, was er suchte. Unter Motor verließ er den Schleiabschnitt, in dem die hohen Ufer so eng standen, wie nirgends. Gerade wollte er seinen Kurs ändern, denn die Fahrrinne führte nach Südwesten, als er feststellen musste, dass ihm das Ruder nicht gehorchte. Das Schiff wurde weiter nach Norden getrieben, und Gunnar stoppte vorsichtshalber die Maschine. Das Wasser wurde immer flacher, das sanft ansteigende Ufer kam immer näher. So sehr er auch an der Pinne riss, sie bewegte sich keinen Zentimeter. Der Wind trieb ihn immer weiter auf den Strand zu, dann gab es einen Ruck und das Boot saß fest.

Gunnar überlegte. Er konnte ins Wasser steigen und versuchen, das Ruder wieder klar zu bekommen. Er konnte auch das Schwert des Bootes anheben, dann würde er noch weiter ans Ufer treiben. An das flache Ufer, welches sanft zu den Hügeln hin anstieg…!

Gunnar stürzte in die Kajüte und fing an, mit der kleinen Winde das Schwertblatt empor zu kurbeln. Die „Seeschwalbe“ kam frei und trieb weiter auf den schmalen Strand zu, bis der Wind den Bootsrumpf knirschend auf seinen Sand schob. Gunnar Runulfson zwang sich dazu, ruhiger zu atmen. Er schaute sich um und wusste, dass er angekommen war. Alles war so, wie es sich ihm in seinen Träumen gezeigt hatte. Es gab kleine Unterschiede, nicht von Bedeutung. Der Seemann legte die Anker so aus, dass auch vorbeifahrende Schiffe mit ihrem Schwell der „Seeschwalbe“ nichts anhaben konnten. Dann ging er an Land. Eine eigenartige Schwäche überkam ihn, als er Fuß vor Fuß setzte und den winzigen, kaum erkennbaren Pfad betrat, der ins Landesinnere führte.

Mit traumwandlerischer Sicherheit fand er den Weg auch noch dort, wo er sich im Gelände verlor, und immer weiter stieg er den Hügel empor, bis er auf seiner Kuppe stand. Weit ging sein Blick über die Mulde, in der viele Häuser standen. Sein Blick fiel auf eines, das sich von den anderen unterschied. Es stand etwas abseits, man sah, dass die Kate sehr alt war. Alt, aber nicht unbewohnt. Auf dem Hof vor dem Haus kläffte ein Hund, und eine Frau trat aus der Tür, beugte sich zu dem Tier herunter um mit ihm zu spielen. Ihr Blick streifte die Umgebung und abrupt erhob sie sich zu ganzer Größe. Unbeweglich stand sie in der Sonne, die ihr Haar golden leuchten ließ. Unverwandt blickten ihre Augen zu dem Mann auf dem Hügel empor.

Gunnar wurde die Luft knapp. Sollte er sie rufen? Sigrun, war das ihr Name?...

(Aus der Geschichte: Ich bin ein wenig spät...)