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Spannende Träume - Kurzgeschichten


von Bibi Rend

belletristik
ISBN13-Nummer:
9783734782466
Ausstattung:
116 Seiten, Paperback
Preis:
5.99 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
BoD
Kontakt zum Autor oder Verlag:
info@bibi-rend.de
Leseprobe
Der pfeifende Tiger›Was für eine Nacht‹, denkt sich Elaine beim Aufstehen, schiebt die Erinnerungen an den Traum beiseite und geht lauwarm duschen. Sie ist neunzehn Jahre alt und macht in einer privaten Tierklinik eine Ausbildung zur Tierpflegerin. Ein Blick zur Uhr verrät ihr, dass es Zeit ist, sich zu beeilen, denn um 4:54 Uhr fährt der Bus, und es ist schon 4:30 Uhr. Also gibt es mal wieder Butterbrot to go, der Kaffee muss warten. Noch kurz die Hunde füttern und los geht es.

 

Elaine erwischt den Bus noch mit einem letzten Sprint, begrüßt den Busfahrer wie einen alten Freund und setzt sich in die erste Reihe, um sich mit dem Fahrer zu unterhalten.

»Na, junge Dame, heute ein bisschen verschlafen? Zumindest siehst Du so aus!«

Elaine schüttelt ihren Kopf und erwidert: »Ach Rick, ich habe sehr schlecht geschlafen. Ein total schlechter Traum. Allein der Gedanke daran und mir läuft es eiskalt den Rücken herunter.«

»Wenn Du mir davon erzählen willst, wir haben fünfzig Minuten Fahrt an einem sehr dunklen Morgen vor uns«, sagt Rick augenzwinkernd zu Elaine.

Und ob Elaine erzählen will, denn sie vertraut Rick. Seit drei Jahren fahren sie jeden Morgen zusammen die Tour. Rick lässt sie erzählen. Ihm läuft immer wieder ein kalter Schauer über den Rücken.

 

Elaines Traum

Der Morgen fing wie immer damit an, dass Elaine die Tiere in ihrem Stall begrüßte und sich die Krankengeschichten der Neulinge ansah. Der Stall war mit zwölf Hundeboxen ausgestattet, ein paar neue Tiere sind da. Voller Schreck nahm Elaine wahr, dass sieben der neuen Hunde bissig sein sollen. Das gibt immer Ärger, weil sie eigentlich nicht an bissige Tiere herandarf, obwohl sie schon am Ende ihres zweiten Lehrjahres war. Sie konnte es den Hunden nicht verdenken, dass sie aggressiv sein sollten, alles war neu und fremd. Zwei der neuen Hunde sind Dackel, die sie schon von Weitem anknurrten, die anderen waren große Hunde über 40 Kilogramm.

›Super, das hat mir nach dieser Nacht noch gefehlt, Frühkraftsport!‹ Elaine ließ ihren Liebling Teddy in den Innen-Auslauf und machte die Tür zu.

Teddy war ein Bernhardiner, der angeblich bissig sein soll, sich aber als toller Frauenhund herausstellte. Teddy hatte einen Kreuzbandriss am linken Knie und musste vor vier Tagen operiert werden. Da Teddy sehr gut lief, durfte er wohl nach Hause. Elaine freute sich immer, wenn einer ihrer Schützlinge wieder nach Hause durfte.

Während Teddy im Auslauf seinen natürlichen Bedürfnissen nachging, studierte Elaine die neuen Krankenakten genauer. Zwei neue Beinbrüche, ein Krallenabriss, eine Ellenbogen-OP, ein Kreuzbandriss, zwei Bauchschnitte und zwei mit Hüftdysplasie, einer davon mit Lähmungserscheinungen im rechten Bein.

Routiniert fing Elaine an, die Box von Teddy zu reinigen, eine saubere Decke hinzulegen und frisches Wasser hineinzustellen. Die Schmutzdecke warf sie auf den Gang und brachte den benutzten Wassernapf in die Futterküche. Teddy kam wieder in seine Box und der Nächste durfte raus.

Elaine hatte ihr eigenes System, wie die Hunde in den Auslauf kamen, und sie entschied sich für den Neuzugang Freya, eine irische Wolfshündin, die ebenfalls bissig sein sollte. Sie musste vorsichtig vorgehen, da sie Freya noch nicht kannte und die Hündin sich erst gestern den rechten Vorderlauf gebrochen hatte.

Vorsicht brauchte Elaine nicht walten zu lassen, denn die Hündin mochte sie sofort und ging bereitwillig, sogar freudig mit in den Innenauslauf. Elaine ging weiter ihrer Arbeit nach, und nur eine dreiviertel Stunde später hatten alle Hunde ihre Geschäfte gemacht und saßen wieder in ihren sauberen Boxen.

Elaine erledigte schnell die anderen Sachen: Medikamente zusammenstellen, Waschmaschine angeschaltet und die Visite bei den Ärzten mitgemacht. Danach hatte sie halbe Stunde Pause und konnte endlich einen Kaffee trinken.

 

 

Sie hatte sich schon den ganzen Morgen über gewundert, dass die Kollegen so abweisend zu ihr waren und sie ignorierten.

»Sagt mal, habe ich euch irgendwas getan?«, fragte sie während der Frühstückspause.

Martin, ihr Ausbilder, hob den Kopf, schaute sie böse an und sagte: »Ja, hast du! Wegen deines kleinen Unfalls vor fünf Tagen haben wir Ärger bekommen. Du bist in der Ausbildung und hättest nicht an diesen Rottweiler herangehen dürfen. Er war zwar nicht bissig, aber doch sehr wild und ohne Erziehung. Anscheinend hast du vergessen, dass du ihn kaum halten konntest und er dich mitgeschleift hat. Ich danke dem Herrn im Himmel, dass du nur eine dicke Prellung abbekommen hast.«

Kreideweiß gab Elaine kleinlaut zu: »Du hast Recht, Martin, ich hätte jemanden von euch holen müssen, aber du weißt ja auch, dass am vergangenen Freitag hier sehr viel los war. Und dann kam noch die Futterlieferung. Wie hätten wir es denn schaffen sollen, wenn der Dicke frei in der Klinik herumgelaufen wäre. Du weißt doch, dass er schlechte Erfahrung mit anderen Hunden gemacht hat und seitdem gilt er als aggressiv.«

Martin fauchte Elaine an: »Das ist egal, dir wurde untersagt, an bissige Hunde heranzugehen und daran hast du dich zu halten. Ende der Diskussion, ich will kein Wort mehr von dir hören! Du musst vorsichtiger sein.«

Solche Worte war Elaine von Martin nicht gewohnt; sie ging beleidigt zur Kaffeemaschine. Wie sollte sie den Vorfall denn vergessen? Seit Freitagvormittag hatte sie ständig Schmerzen im linken Bein. Auch jetzt litt sie wieder unter Schmerzen und überlegte, ob sie noch eine Schmerztablette nehmen sollte. Elaine entschied sich dagegen und lehnte sich schweißgebadet an den Küchenschrank. Ihre Kollegen schauten nur kurz auf und schwiegen.

»Ich bin im Behandlungsraum und bereite schon mal alles vor. Das große Wartezimmer ist sehr voll heute«, nuschelte Elaine und verschwand aus dem Pausenraum.

 

 

Sie machte noch kurz einen Abstecher vor die Klinik, ein bisschen frische Luft schnappen, sie lehnte sich an die Wand und atmete tief durch.

›Wenn doch bloß diese Schmerzen endlich aufhören würden, dann ginge es mir besser‹, schoss Elaine durch den Kopf. Auf einmal kam ihr ein Bild vor die Augen, und sie musste anfangen zu lachen: Ein laut pfeifender Tiger saß vor ihr und blickte sie aus großen Augen an.

Sie schüttelte noch einmal kurz den Kopf, um das Bild zu vertreiben und machte sich auf den Weg in den Behandlungsraum.

In der Klinik befanden sich sechs Behandlungsräume, die Boxen genannt wurden und jeweils eine eigene Nummer hatten. Elaine war froh, dass sie heute in Box 5 arbeiten würde, die weit weg vom großen Wartezimmer war, somit gab es dort keinen Menschenauflauf. Die Tiere waren in dem kleinen Wartezimmer ruhiger und ließen sich besser händeln.

Als Elaine das kleine Wartezimmer kontrolliert und die neuen Zeitungen verteilt hatte, wurde ihr auf einmal schwindlig, alles drehte sich und schaukelte.

›Auch das noch!‹ Sie ging weiter zur Box 5, um dort alles für einen langen, aufregenden Tag bereitzulegen.

Die Tierärztin, die heute mit Elaine zusammenarbeiten sollte, hieß Jessica und wurde nur Jess gerufen. Elaine freute sich, mit Jess endlich wieder zusammenarbeiten zu dürfen, da sich die beiden auch privat sehr gut verstanden. Elaine war gerade fertig geworden, als Jess mit dem ersten Patienten reinkam. Eine ältere Dame war mit ihrem zwölf Wochen alten Katzenwelpen Loki da.

Loki sollte nur untersucht werden, seine Impfung bekommen und gechipt werden. Also nichts Schlimmes – und es war auch ruckzuck erledigt. Loki war superlieb und bekam sein Leckerli, während die ältere Dame sich noch wegen der Kastration erkundigte.

Nach zwanzig Minuten ging die Dame, und Elaine musste sich kurz hinsetzen. Jess kam auf sie zu und fragte, was los sei.

Elaine erklärte Jess kurz, dass sie eine schlechte Nacht gehabt hätte und ihr vermutlich wegen Schlafmangel ständig schwindelig wurde.

Damit wollte Jess sich nicht zufriedengeben, fasste Elaines Stirn an, bemerkte, dass diese mit kaltem Schweiß benetzt war, und wies ihre Freundin an, sich heute ruhig zu verhalten.

Jess wollte die Patienten selbst aus dem großen Wartezimmer holen und die Proben ins Labor bringen. Elaine hatte heute nur kleine Handreichungen zu machen und das Röntgen zu übernehmen. Nach dem fünften Patienten wurde es Elaine übel. Sie meldete sich ab und verschwand für zwanzig Minuten.

Zwanzig Minuten, die ihre Welt verändern sollten.

 

Immer noch ein bisschen grün im Gesicht, schlich Elaine über den langen Flur in Richtung kleines Wartezimmer, bog um die Ecke, und ihr wurde schwarz vor Augen. Sie konnte sich gerade noch an die Wand lehnen, als sie das Bewusstsein verlor. Elaine hatte nicht mitbekommen, was sich in diesem Moment im Wartezimmer abspielte.

Aus weiter Ferne hörte sie ihren Namen. Es dauerte lange, bis Elaine die Stimme erkannte, die aufgeregt und zugleich ängstlich klang. Nur langsam konnte sie die Augen öffnen, sah eine schattenhafte Gestalt vor sich knien und drei weitere dunkle Gestalten saßen auf den Stühlen.

Da spürte sie ihn: Den stechenden Schmerz in ihrem Bein. Sie wollte sich ruckartig aufsetzen, wurde aber zurückgedrückt. »Verdammt Elaine, bleib ruhig liegen! Was ist los? Wo tut es weh?«, hörte Elaine die Stimme von Martin.

Sie machte die Augen weiter auf. Vor lauter Schreck schrie Elaine auf. Oder war es vor Schmerz? Sie merkte, wie an ihrem linken Bein herumgezerrt wurde. Sie stöhnte laut auf und sah sich genauer die drei Gestalten im Wartezimmer an.

»Warum sind die beiden dort maskiert?«, fragte Elaine.

»Halt endlich deine Klappe. Du musst das Bein stillhalten!«, fauchte Martin sie an. »Das wirst Du noch früh genug erfahren!«

Jess saß neben Elaine, hielt ihren Kopf und Tränen tropften dem jungen Mädchen ins Gesicht.

Ein lautes Reißen erregte ihre Aufmerksamkeit. »Martin, spinnst du? Warum zerreißt du meine neue Hose!«

Da fing der Ausbilder laut zu fluchen an: »Mädel, bist du verrückt? Wann warst du zum letzten Mal mit deinem Bein beim Arzt? Das ist ja offen und stark entzündet. Der Eiter läuft heraus. Wie kann man nur so unvernünftig sein. Dir muss es doch schlecht gehen!«

Da schaltete sich Jess ein und meinte, dass es Elaine heute gar nicht gut ging, ihr ständig schwindelig würde und sie schon den ganzen Morgen schweißgebadet wäre und dies auch offen zugegeben hätte.

Bevor Elaine irgendetwas erwidern konnte, brüllte eine fremde Stimme: »Wann kommen endlich die Betäubungsmittel? Wie lange braucht dieser Trottel, die von der Station zu holen?«

Wieder versuchte Elaine, sich aufzusetzen. Jess drückte sie energisch zurück, war aber nicht schnell genug gewesen, Elaine hatte etwas gesehen.

Der eine maskierte Mann hatte eine Pistole in der Hand und fuchtelte wild damit herum.

Der zweite maskierte Mann sagte mit leiser, melodisch klingender Stimme: »Junge, bleib ruhig, unser Kumpel ist doch dabei! Der wird schon aufpassen, dass alles glatt läuft! Und jetzt lass den Mann das Mädel behandeln, sieht ja wirklich übel aus mit dem Bein!«

Die dritte Person war ein junges Mädchen, das schon Stammkundin mit ihrem Häschen war. Es saß ganz still in der äußersten Ecke des Wartezimmers.

 

 

Martin stand auf, ging in die Behandlungsbox und blieb dort eine Weile. Der bewaffnete Mann beobachtete Martin die ganze Zeit, während ihr Ausbilder Wunddesinfektionslösung, Tupfer und Verbandsmaterial zusammensuchte.

Als Martin den Schrank zu den Medikamenten öffnete, wurde er drohend gefragt: »Was suchst Du da?«

Martin drehte sich ruhig herum und erklärte, dass Elaine sofort Antibiotika brauchte, und ein Schmerzmittel könnte auch nicht schaden.

Der Maskierte zeigte sich einverstanden und gab Martin ein Zeichen weiterzumachen.

Der Mann mit der melodischen Stimme sagte dann: »Ihr wollt der Kleinen doch wohl keine Viechermedizin geben?«

Jess fauchte weinend zurück: »Doch! Es zählt jede Sekunde, und wer weiß, wann wir hier herauskommen! Ich will meine Freundin nicht tot raustragen!«

 

Martin kam zurück, setzte sich neben Elaine und badete das Bein in der Wunddesinfektionslösung. Elaine schrie auf vor Schmerz, wurde aber von Jess gleich wieder beruhigt und merkte, wie Martin das Hosenbein weiter aufriss.

»Bleib ruhig, Kleine! Ich muss dir die Spritze geben, sonst wird es noch schlimmer. Bekommst auch gleich etwas gegen die Schmerzen!«

Kleine? So hatte Martin Elaine noch nie genannt. Sie spürte einen Stich im Oberschenkel, dann drückte es ganz stark in den Muskeln.

»Martin, wie viel Antibiotikum haust Du mir denn da rein? Ich bin doch kein Elefant!«, wisperte Elaine leise, als sie schon einen zweiten Stich auf dem Handrücken spürte.

Jess spritzte ihr das Schmerzmittel. Das war das Letzte, was Elaine mitbekam. Sie fiel in einen Dämmerzustand, halb wach, halb schlafend, fühlte sie sich wie auf Wolken gebettet.

Alles um sich herum nahm Elaine nur verschwommen wahr. Nach gefühlten Tagen, in Wirklichkeit aber nur einer Stunde, richtete sie sich auf und fühlte sich schon viel besser.

Mit Martins Hilfe stand sie auf und setzte sich auf einen Stuhl. Jess gab ihr sofort etwas zu trinken. Nach wenigen Minuten kam Elaine wieder ein bekanntes Bild vor die Augen: Ein pfeifender Tiger, der ihr zuzwinkerte und seinen Kopf ruckartig in Richtung der Verbrecher bewegte.

Langsam kehrte bei Elaine die Realität wieder ein. Sie wurde bedroht! Sie wurde gefangen gehalten!

Bevor Martin oder Jess eingreifen konnten, sprang Elaine auf und ging zügigen Schrittes auf die beiden Maskierten zu. Sie sah sehr entschlossen und gefährlich aus. Martin sprang auf, war aber zu langsam. Durch die Wirkung der Medikamente schien Elaine verrückt geworden zu sein.

Mit weit aufgerissenen Augen mussten Jess und Martin mitansehen, wie Elaine einen Arm hochriss und dem einen Maskierten die Waffe aus der Hand schlug. Martin wurde brutal zur Seite geschubst, wodurch er zu Boden stürzte. Der dritte Maskierte stürzte vom Gang aus durch das Wartezimmer direkt auf Elaine zu und schlug ihr seine Waffe brutal auf den Kopf.

Statt dass Elaine zu Boden ging, drehte sie sich herum, lachte einmal kurz laut und höhnisch auf und trat zu.

Laut stöhnend griff der Mann sich zwischen die Beine, sank auf die Knie, fluchte laut und fiel. Er lag vor Schmerzen gekrümmt am Boden und verlor sein Bewusstsein.

Der Maskierte mit der melodischen Stimme, der sich bislang sehr zurückhielt, sprang auf und legte von hinten die Arme um Elaine, die den Kopf ruckartig nach hinten riss und den Mann dadurch bewusstlos schlug.

Der andere zweite Maskierte suchte immer noch verzweifelt nach seiner Waffe und bekam von dem Tumult hinter ihm nichts mit.

Das war das Zeichen für Martin und die gleichzeitig hereinstürmenden Polizisten. Elaine sah noch einmal ein Bild vor sich: Einen pfeifenden Tiger, der siegessicher aufbrüllte!

Sie lächelte, als sich alles um sie herum zu drehen begann und sie versuchte, auf wackligen Beinen wegzugehen. Martin fing die schwankende Elaine auf, während sich die Polizei um die drei Maskierten kümmerte.

Jess brach in einem Heulkrampf zusammen und wurde von ihrem Kollegen und Lebensgefährten Lutz betreut. Lutz war die ganze Zeit des Überfalls von dem einen Maskierten begleitet worden, um die Medikamente zu besorgen. Er war mit den Nerven genauso fertig wie Jess.

Um Elaine wurde es dunkle Nacht.

 

Als Elaine aufwachte, lag sie in einem Bett. In einem schönen, wolkenweichen Bett, die Wände waren himmelblau.

»Wo bin ich?«, nuschelte Elaine leise und klang verwaschen.

Sie blickte sich weiter um. Rechts neben dem Bett stand ein Stuhl, und auf diesem saß Martin und schlief.

Elaine versuchte, sich aus dem Bett zu lehnen, fiel aber wieder zurück und stöhnte laut auf.

Martin schreckte hoch, kam sofort zu ihr und setzte sich auf die Bettkante.

»Du bist doch wohl vollkommen verrückt geworden, Elaine!«, sagte Martin kopfschüttelnd mit ruhiger Stimme.

Erst da sah Elaine, dass er einen Kopfverband trug und fragte: »Warum liegst du mit der Kopfverletzung nicht im Bett, Ausbilder? Tolles Vorbild!«

Martin lachte leise auf und erzählte Elaine die ganze Geschichte.

Elaine wurde kreidebleich, als Martin ihr erzählte, dass sie die drei Maskierten alleine überwältigt hatte, obwohl sie selbst schwer krank war.

Martin fragte sie dann: »Welcher Teufel hat dich bloß geritten, so etwas Leichtsinniges zu machen?«

Elaine antwortete: »Nein, kein Teufel. Ein laut pfeifender Tiger saß vor mir. Er hat mir gesagt, was ich tun muss, damit alles wieder gut wird.«

Kopfschüttelnd verabschiedete sich Martin, und Elaine schlief Ihrer Genesung entgegen.

 

Nach fünf Wochen war Elaines Bein komplett verheilt und sie durfte wieder zur Arbeit gehen. Die Kollegen hatten eine kleine Begrüßungsfeier vorbereitet, an der auch die Tierärzte teilnahmen. Dann kam der Professor mit einem anderen Herrn in den Raum, es wurde still.

Der Professor stellte den Herrn als Bürgermeister vor. Die beiden hielten eine kurze Rede, in der sie Elaines Einsatz lobten und mitteilten, dass die drei Männer schon seit über zwei Jahren gesucht wurden. Elaine würde eine hohe Belohnung erhalten, die sie aber ausschlug und darum bat, dass das Geld dem Tierschutz zur Verfügung gestellt wurde. Der Bürgermeister freute sich über die Mitteilung und erklärte sich sofort bereit, die Summe zu verdoppeln. Das Geld sollte für die geplante Katzenhilfe genutzt werden.

Von diesem Tag durfte Elaine auch an die aggressiven Tiere herangehen. Jeden Tag dankte sie ihrem kleinen, pfeifenden Tiger, der ihr das Leben rettete.

 

 

 

 

 

 

 

Epilog

Rick hat sich die ganze Geschichte angehört. Ihm läuft immer noch kalter Schweiß von der Stirn.

Mit zittriger Stimme sagt er zu Elaine: »Oh Mann, da hätte ich kein Auge mehr zugetan, mein Mädchen. Ich bin immer noch am Zittern. Nur gut, dass wir an der Endstation angekommen sind und ich Pause machen kann. Elaine? … pass auf dich auf! Wir brauchen dich noch!«

Elaine verabschiedet sich von Rick: »Fahr vorsichtig! Danke fürs Zuhören! Bis morgen«

»Bis morgen«, sagt Rick und schüttelt sich.

 

 

Klappentext

Träumen wir nicht alle gerne?
Kommen Sie mit auf eine Reise ins Land der Träume. 
Sechs humorvolle, romantische und fantasiereiche Geschichten warten auf Sie.