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> Belletristik > Schärfer als Wasabi
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Belletristik
Buch Leseprobe Schärfer als Wasabi, Verena Rank
Verena Rank

Schärfer als Wasabi


Gay Romance

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Einige Tage später durfte Katsuro im Selbstverteidigungskurs tatsächlich seinen Karatescheiß demonstrieren. Hätte Nick sich doch nie dafür eingeschrieben! Es sollte sich ein Freiwilliger melden, zahlreiche Hände schossen in die Höhe. Sogar Toms. Dieser Verräter. Nick glaubte nicht richtig zu sehen, als sich der sonst so zurückhaltende Moritz, ein Student aus seinem Semester, mit vollem Einsatz auf Karate Tiger stürzte. Es sah eher so aus, als wollte er ihn bespringen. Nick wurde übel. Katsuro reagierte so schnell, dass kaum jemand mitbekam, was passierte, doch im nächsten Moment lag Moritz rücklings auf der Matte und Katsuro saß auf seinen Hüften. Moritz hielt ganz still, vermutlich war er vor Erregung ohnmächtig geworden. Grundgütiger, konnte einem noch schlechter werden als schlecht? Die Studenten applaudierten, manche stießen anerkennende Pfiffe aus. Nach dieser Show-Einlage war Karate Tiger natürlich erst recht der King.


 


Als Nick und Tom den Umkleideraum betraten, zog Katsuro gerade sein Shirt aus. Der dumpfe Schlag hinter ihm stammte von Moritz' Kopf, der mit einer offenen Spindtür kollidiert war. Nick hatte Karate Tiger in der WG oder nach dem Sportunterricht schon ein paar Mal mehr oder weniger nackt gesehen und musste sich eingestehen, dass sein Körper der Wahnsinn war. Wenn man das aus der Sicht eines Mädchens beurteilte - oder schwul war natürlich. Leicht gebräunte Haut spannte sich über seine Muskeln, die in jedem Quadratzentimeter seines Körpers zu stecken schienen. Absoluter Blickfang war ein großflächiges Tattoo auf seinem Oberkörper. Ein schwarzgrau geschuppter Drache zog sich von Katsuros Schulterblatt über seinen Oberarm und nach vorne, bis knapp über die Brust. Vanessa war beim ersten Blick darauf beinahe erstickt, weil sie vergessen hatte zu atmen.


„Tolle Vorstellung, Karate Tiger", murmelte Nick gehässig, während er ebenfalls sein T-Shirt auszog und es auf die Bank warf. Katsuro wandte sich zu ihm um. Sie starteten einen Wettbewerb, wer wohl als Erstes den Blick abwenden würde. Nick verlor. Er riss sich von Katsuros schwarzen Augen los und starrte stattdessen benommen auf das Tattoo. Der Drache schien Nick zu taxieren. Ein seltsames Kribbeln durchlief seinen Körper, und er bekam eine Gänsehaut. Es sah ohne Zweifel scharf aus.


Verdammt noch mal, was dachte er denn da ... scharf? Nick meinte natürlich beschissen. Ja, es sah richtig beschissen aus. Jeder Idiot trug heute so ein Tattoo, es war wirklich nichts Besonderes. Wieder verschmolzen ihre Blicke miteinander.


Katsuro trat näher, seine Augen waren so dunkel, dass Nick das Gefühl hatte, in ein schwarzes Loch zu fallen. Sein Mund fühlte sich plötzlich trocken an, und er schluckte hart. Scheiße Mann, der Typ brachte ihn so in Rage - er hätte am liebsten die Hände um seinen Hals gelegt und zugedrückt. Täuschte er sich, oder war es hier drinnen plötzlich annähernd 80 Grad? Nick straffte die Schultern und reckte stolz das Kinn.


Die Spannung war zum Zerreißen. Katsuros Kieferknochen mahlten, seine Nasenflügel blähten sich auf. Nicks Blut geriet in Wallung, er ballte die Fäuste. Im Umkleideraum herrschte mit einem Schlag Schweigen, man hätte eine Stecknadel fallen hören können.


„Was ist eigentlich dein Problem, Nick?" Katsuros Stimme durchschnitt die Stille und hallte an den Kacheln des Umkleideraums wider.


„Spiel dich nicht ständig so auf!", zischte Nick zur Antwort. „Das würde für den Anfang schon mal reichen." Er war überrascht, dass seine Stimme noch halbwegs funktionierte.


Katsuro hob eine Braue und grinste. Dieser Arsch grinste tatsächlich!


„Ich hab mir das jetzt eine ganze Weile angesehen und frage mich, wer sich hier aufspielt. Du benimmst dich wirklich peinlich, Nick."


Okay, das reichte. Nick war mit zwei Sätzen bei ihm, streckte die Arme vor und stieß Katsuro wutentbrannt vor die Brust. Karate Tiger jedoch stand wie ein Fels in der Brandung - hart und unbeweglich. Der Angriff schien ihn kaum zu tangieren. Dann packte er mit einer blitzschnellen Bewegung Nicks Handgelenke und hielt sie fest. Seine tiefschwarzen Augen bohrten sich mit solch einer Intensität in Nicks, dass er den Blick unmöglich abwenden konnte, so sehr er es auch versuchte. Sekunden verstrichen, wurden zur Ewigkeit.


„Na ihr seid ja ein hübsches Pärchen", hörte Nick irgendjemanden im Hintergrund glucksen. Er zuckte zusammen und riss sich aus Katsuros eisernem Griff los. Seine Wangen glühten. Er sah sich um und blickte in das grinsende Gesicht von Moritz.


So schnell konnte dieser gar nicht flüchten, da sprang Nick vor, packte ihn mit einer Hand am Shirt und warf ihn gegen seinen offenen Spind.


„Was soll dieser blöde Spruch? Wenn ich mit dir fertig bin, passt du zweimal da rein, du Schwuchtel!"


„Und du wirst ihm Gesellschaft leisten, wenn ich mit dir fertig bin." Katsuro trat neben Moritz, der ihn bewundernd anhimmelte, und stieß Nick fort.


Das Fass war am Überlaufen. Nicks Faust schnellte vor, doch im nächsten Moment klebte er am Spind, direkt neben Moritz. Katsuros Augen blitzten wild auf, das erste Mal konnte Nick Wut in seiner Miene erkennen.


„Glaubst du wirklich, du kannst es mit mir aufnehmen? Ich hab mich bisher zurückgehalten, aber allmählich gehst du mir gehörig auf die Nerven, Nick. Ich habe dir nichts getan, das dein Verhalten rechtfertigen würde!" Katsuro war so nah, dass sein Atem Nicks Wange streifte, nur noch wenige Zentimeter trennten ihre nackten Oberkörper. Dieser Typ strahlte eine Hitze aus, die Nick fast die Luft abschnürte. Leichter Schwindel überfiel ihn, der Boden schwankte unter seinen Fußsohlen. Alles, was er wahrnahm, waren diese pechschwarzen Augen und der Ausdruck, der darin lag. Es war eine Mischung aus Zorn und Enttäuschung.


„Jetzt beruhigt euch doch mal!" Tom drängte sich plötzlich zwischen sie. Er legte eine Hand auf Nicks Arm und blickte Katsuro beschwichtigend an. „Kommt schon, Jungs, lasst es gut sein."


Nicks Schultern bebten, unsägliche Wut mischte sich mit Scham. Er schüttelte heftig den Kopf. „Wir sind noch nicht fertig miteinander!", zischte er. Was ihn rasend machte, war die Tatsache, dass er mit so unterschiedlichen Gefühlen auf Katsuro reagierte. Gefühle, die er nicht einordnen konnte. Je öfter er mit Katsuro aneinandergeriet, umso mehr verspürte er eine Art von Trauer in seinem Innersten. Er warf Karate Tiger noch einen hasserfüllten Blick zu, bevor er seine Sachen schnappte und in die Duschräume verschwand.


 


 


***


  


Das Verhältnis zwischen Nick und Katsuro war seit dem Vorfall in der Uni noch angespannter. Sie gingen sich so gut es ging aus dem Weg, doch immer wieder kam es zu mehr oder weniger großen Zwischenfällen - ständig wegen Kleinigkeiten.


Nick fühlte sich von seinen Freunden verraten und einsam. Vanessa schwänzelte ständig hinter Katsuro her und mit Mike konnte er überhaupt nicht mehr reden. Robert war eigentlich ein guter Zuhörer, doch was wollte er ihm überhaupt sagen, verdammt noch mal? Wie sollte ihn denn jemand verstehen, wenn er sich selbst nicht mehr verstand?


 


„Was geht da überhaupt ab, zwischen dir und Vanessa?", stieß Nick einige Tage später bei einer erneuten Auseinandersetzung zwischen ihm und Katsuro hervor. Er wusste schon gar nicht mehr, wie der Streit begonnen hatte.


Katsuro musterte Nick. „Wir sind Freunde. Sie ist nett und zuvorkommend - Eigenschaften, die dir offensichtlich nicht in die Wiege gelegt wurden. Außerdem glaube ich nicht, dass ich dir Rechenschaft schuldig bin."


„Oh doch, das bist du, wenn du schon hier reinplatzt und unser ganzes Leben durcheinanderbringst! Seitdem du da bist, gibt es nur noch Streit, merkst du das nicht?"


Katsuro warf Nick einen ungläubigen Blick zu.


„Du bist doch derjenige, der ständig Streit sucht. Ich habe dir nie etwas getan, aber du greifst mich ständig an. Du bist so erbärmlich, Nick. Du kannst einem nur leidtun." Er trat zwei Schritte vor und war plötzlich so nah, dass Nick jede einzelne seiner dichten Wimpern sehen konnte. „Jetzt hör mir mal zu. Du führst dich hier auf wie ein Kleinkind, das quengelt, wenn es einmal nicht im Mittelpunkt steht. Werde endlich erwachsen!"


Nick war so perplex, dass er einen Moment verdattert stehen blieb. Er sah immer noch hypnotisierende schwarze Augen vor sich, als er feststellte, dass sich Katsuro erneut abgewandt hatte und das Wohnzimmer verlassen wollte.


Nicks Schultern begannen zu beben, heftiger Zorn beherrschte seinen Körper und Geist.


„Du bist ein Feigling, Karate Tiger! Ein armseliger Feigling!" Nick wollte auf ihn einschlagen, ihn schütteln und anschreien. Zugleich kam ihm die bittere Erkenntnis, dass Katsuro die Wahrheit gesagt hatte. Nicks Problem war er selbst ... mit seiner krampfhaften Sucht nach Aufmerksamkeit und Zuneigung machte er alles kaputt.


Katsuro drehte sich gemächlich um. „Ich habe es dir schon mal gesagt. Ich suche keinen Streit."


„Vielleicht sucht er ja dich!", spie ihm Nick entgegen. Er konnte nicht mehr klar denken.


„Du Dummkopf hast gar nichts verstanden", erklärte Katsuro ruhig.


„Was? Wie hast du mich eben genannt?" Nick merkte, wie sein Herz schneller zu pumpen begann, und er zitterte vor Wut.


„Vergiss es, Nick."


„Oh nein, ich vergesse gar nichts! Hier geblieben!" Entschlossen und in einem kurzen Anflug von Suizidgefährdung schnellte Nick vor, packte Katsuros Arm und riss ihn herum. Er hätte es wissen müssen - im nächsten Moment befand er sich zwischen der Wand und Karate Tiger. Katsuro drängte Nick mit seinem muskulösen Körper gegen die Mauer. Die Raumtemperatur stieg plötzlich um mindestens zwanzig Grad.


„Okay, jetzt ich bin hier. Und was nun?", fragte er leise. Seine Lippen befanden sich so dicht an Nicks Ohr, dass es ihm sämtliche Nackenhaare aufstellte. Katsuros Stimme klang rau - hätte Nick es nicht besser gewusst, hätte er fast gesagt, verführerisch. Wieder stieg ihm dieser angenehme Duft nach Zitronentee in die Nase, und er wusste jetzt auch, woher er stammte. Im Bad hatte er einen genaueren Blick auf Katsuros Sachen geworfen und dabei sein Duschgel entdeckt. Grüner Tee und Lemon ... Sogar sein Haar roch danach. Der Duft vernebelte Nick einen Moment die Sinne und es verschlug ihm die Sprache.


„Hört sofort auf damit, verdammt noch mal!"


Nick nahm Vanessa zuerst gar nicht richtig wahr und auch Katsuro war viel zu sehr in ihren Streit involviert. Noch immer hielten sie sich gegenseitig fest, keiner von ihnen wollte nachgeben. Erst als Vanessa Nicks Namen rief und er den hysterischen Unterton in ihrer Stimme bemerkte, horchte er auf. Da stimmte etwas nicht. Nick ließ Katsuros Hemd los und sah zu Vanessa hinüber. Tränen liefen ihre Wangen hinunter, ihre Lippen bebten. „Ihr beide seid so bescheuert!"


In dem Moment stürmte Robert ins Wohnzimmer. Sein rotes Haar fiel ihm offen bis über die Schultern, er trug nur Boxershorts und ein Shirt.


„Was ist denn hier los?"


Vanessa griff Hilfe suchend nach seinem Arm.


„Mike wütet unten im Treppenhaus, er hat einen totalen Ausraster", stieß sie atemlos hervor. „Aber die beiden ...", sie deutete mit einem verächtlichen Kopfnicken auf Katsuro und Nick, „sind wieder einmal zu sehr miteinander beschäftigt, um irgendetwas zu checken!" Sie warf die Arme in die Luft. „Könnt ihr euch auch mal um etwas anderes kümmern, als um eure beschissenen Streitereien? Nick, dein bester Freund ist unten im Flur, und er ist so zugedröhnt, dass er mich nicht mehr erkennt!" Bei den letzten Worten war ihre Stimme immer lauter und schriller geworden.


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