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Belletristik Bücher
Buch Leseprobe Pirat der Liebe, Maren Frank
Maren Frank

Pirat der Liebe


Love & Passion-ein historischer Liebesroman

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Für Abigail blieb der Kapitän ein Rätsel. Er verhielt sich ihr gegenüber nach wie vor wie ein echter Gentleman, aber es bestand kein Zweifel daran, dass er ein Piratenschiff befehligte. Und seine Mannschaft ... Ihr schauderte schon allein bei dem Gedanken an die lüsternen Blicke der Männer.
Seit fünf Tagen befand sie sich nun an Bord der Sea Shark. Da bloß ab und zu eine sanfte Brise wehte, kam das Schiff seinem Zielhafen nur sehr langsam näher. Lucian äußerte sich ihr gegenüber nicht dazu, aber Abigail spürte die Anspannung an Bord. Obwohl sie kaum aus der Kapitänskajüte herauskam, bemerkte sie doch, dass eine bedrückte Stimmung herrschte.
Lucian hatte ihr Bücher gegeben, so dass sie sich die Zeit mit Lesen vertreiben konnte. Aber eine wirkliche Ablenkung stellte es nicht dar.
Durch das Fenster konnte sie den Sonnenuntergang sehen. Sie wandte den Kopf, als sie das Klappern der Tür hörte. Doch statt Rick, der tagsüber immer wieder in der Kabine erschien, aufräumte und dabei auch manchmal mit ihr sprach, war es Lucian, der nun eintrat.
Sie straffte ihre Gestalt.
"Ich habe etwas für dich." Er trat zu ihr und holte ein Döschen hervor. "Bleib, still stehen und halte den Mund."
Abwehrend hob sie die Hand. "Was hast du vor?"
Skeptisch beobachtete sie, wie er das Döschen öffnete. Eine dicklich aussehende goldene Masse befand sich darin.
"Das ist Honigsalbe", erklärte Lucian. "Jacob hat sie mir gegeben. Er behandelt damit Wunden und sagte, sie würde auch deinen Lippen gut tun."
Unwillkürlich presste Abby ihre immer noch aufgesprungenen Lippen zusammen.
Lucian nahm etwas von der Salbe auf seinen Zeigefinger und begann sie aufzutragen. "Mach den Mund so, als wolltest du mich küssen", wies er sie mit leiser Stimme an.
Ein Schauer überlief Abigail bei seinen Worten. Das Gefühl verstärkte sich, als sie die Lippen spitzte und Lucians Zeigefinger die Honigmischung darauf verteilte. Sanft massierte er die Salbe auf den wunden Stellen ein.
"Besser?", fragte er. Noch immer hielt er seinen Daumen unter ihrem Kinn und die Finger lagen leicht an ihrer Wange auf.
"Es spannt nicht mehr so. Richte Jacob bitte meinen Dank aus." Sein Blick fing ihren ein. Wieder streichelte er über ihre Unterlippe. Obwohl die Berührung so harmlos war, prickelte alles in Abigail. So etwas hatte sie nie zuvor gefühlt.
Und sie wollte es auch nicht fühlen! Dieser große Mann mit den unergründlichen braunen Augen war ein Pirat. Sie wollte sich nicht zu ihm hingezogen fühlen.
Außerdem war sie verlobt mit Elliot Bleedstone.
Nein. Das war sie nicht länger. Ohne zu zögern, hatte sie den Ring, den er ihr hatte zukommen lassen, abgenommen und Lucian gegeben. Aber nur, weil ihr keine andere Wahl blieb, rechtfertigte sie sich im Stillen. Denn irgendwie musste sie ihre Überfahrt schließlich bezahlen. Und ein Ring war weitaus leichter zu ersetzen als ihre Tugend.
Mit äußerster Konzentration riss sie den Blick von Lucians Augen los und wandte sich ab. Es gab nur wenig für sie zu tun, die meiste Zeit des Tages verbrachte sie damit, aus dem Fenster zu starren, so dass sie insgeheim sehr froh war, wenn Lucian ihr Gesellschaft leistete und mit ihr Schach spielte. Doch in den vergangenen zwei Tagen hatte sie ihn meist erst abends zu Gesicht bekommen.
Durch die Flaute wurde die Mannschaft zum Nichtstun verdammt, was unweigerlich Streit förderte.
Ihr Blick blieb an Lucians linker Schläfe hängen. Ein Kratzer zeigte sich dort, außerdem war der Wangenknochen leicht angeschwollen. "Was hast du da?" Sie streckte die Hand aus, um ihn knapp darunter zu berühren.
Er zuckte zusammen. "Das ist nicht der Rede wert. Nur eine kleine Meinungsverschiedenheit."
Von den Meinungsverschiedenheiten, die sie kannte, bekam man keine solchen Blessuren. Entschlossen nahm sie ihm das Döschen mit der Honigsalbe ab, tauchte ihre Finger hinein und rieb etwas davon auf Lucians Wangenknochen und den Kratzer.
Er lächelte. "Du verschwendest die gute Salbe. Das heilt von ganz alleine." Doch er ließ sie gewähren.
Vorsichtig verteilte sie die Salbe auf seiner Wange und dem Kratzer. Dann strich sie mit den Fingern etwas tiefer, seine Wange hinab bis zum Kinn. Wie sie es vermutet hatte, kitzelten die nachwachsenden Bartstoppeln leicht auf ihrer Haut. Das löste erneut ein Prickeln in ihr aus.
Rasch zog sie die Hand zurück, doch das Kribbeln an ihren Fingern blieb, lief tiefer und sammelte sich in ihrem Schoß.
Ruhig blieb Lucian stehen und sah sie nur an. Doch das allein genügte schon, ihr Herz in einen schnelleren Rhythmus zu treiben.


 


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