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Belletristik
Buch Leseprobe LOSERS & CHAMPS, Josie Charles
Josie Charles

LOSERS & CHAMPS


College-Liebesroman

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Prolog


 


Princeton, New Jersey


 


Bethany


 


Ich habe es für eine gute Idee gehalten, dass mein Bruder jetzt arbeitet. Und ich habe es ebenfalls für eine gute Idee gehalten, dass er an meiner Uni in der Mensa angefangen hat. Als er allerdings zum dritten Mal in dieser Woche in meine Soziologie-Vorlesung platzt, reicht es mir. Kaum ist er durch die Doppelflügeltür getreten, springe ich unter den Blicken meiner Kommilitonen und meines Dozenten auf und stürme auf ihn zu. Durch die Reihen geht ein Raunen, aber ich ignoriere es gekonnt und bugsiere Bobby am Arm vor die Tür. Mein Bruder, der mit seinen ein Meter siebenundneunzig nicht nur viel größer, sondern auch viel stärker ist als ich, lässt sich bereitwillig mitziehen.
»Bessie«, sagt er strahlend. Das ist seit meiner Geburt sein Name für mich. Bessie, nicht Bethany oder Bethy, wie ich vom Rest der Familie genannt werde. Mittlerweile kann er das »th« besser aussprechen, doch ich bleibe trotzdem Bessie für ihn.
Wie er mich so ansieht mit seinem breiten, ungezügelten Kinderlächeln, verraucht mein Ärger gleich ein bisschen. Auch wenn Bobby bereits fünfundzwanzig ist, hat er teilweise noch den Geist eines Zehnjährigen. Die Ärzte sagen, er wäre zurückgeblieben, unterentwickelt, behindert – meine Eltern hingegen bezeichnen ihn als »ewig jung«.
»Ist alles okay, Großer?«, frage ich und Bobby nickt eifrig, wobei sein Blick unstet hin und her wandert. »Schön.« Ich lächle, auch wenn er mich nicht ansieht. »Hör mal, du hast doch jetzt diesen Job ...«
Ich weiß, dass ich mich mit meinem Bruder nicht wie mit anderen Erwachsenen unterhalten kann, trotzdem besitzt er einen Unrechtssinn und an den werde ich jetzt appellieren, damit er mich zukünftig während meiner Vorlesungen in Ruhe lässt. Mein ganzes Leben lang habe ich mich mit Mom und Dad gemeinsam um ihn gekümmert. Ich habe ständig für ihn zurückgesteckt, habe auf Partys verzichtet, auf Abenteuer, auf einen Freund. In meiner Familie geht es, seit ich denken kann, nur um Bobby und auch wenn ich meinen Bruder über alles liebe, war ich froh, als ich in Princeton angenommen wurde. Drei Jahre Studium, drei Jahre Zeit für mich, für Freunde, Partys und vielleicht sogar die Liebe. Ich habe ein Wohnheimzimmer bezogen und gesehen, was es bedeutet, eine Nacht durchzuschlafen, ohne von Bobbys Albträumen geweckt zu werden. Alles hat so gut angefangen, bis meine Eltern mir verkündet haben, dass sie in meine Nähe ziehen wollen. Nachdem ich zur Uni gegangen war, wollte Bobby auch nicht länger untätig zuhause sitzen und so haben meine Eltern ihn für einen »behindertengerechten« Aushilfsjob in Princeton angemeldet.
Nach dem ersten kurzen Schock und dem darauf folgenden schlechten Gewissen habe ich mich tierisch für meinen Bruder gefreut. Und ich freue mich immer noch, nur muss er lernen, dass das Studium für mich kein Spiel ist.
»Und es ist wichtig, dass du diesen Job vernünftig machst ...«
Jetzt wendet mir Bobby sein Gesicht zu. Er ist hübsch, hat markante Brauen, grün-graue Augen und ein liebes Lächeln. Unter anderen Umständen wäre er sicher ein richtiger Frauenschwarm geworden.
»Mach ich.« Wieder dieses eifrige Nicken. »Ich hab ...« Kurz überlegt Bobby nach dem richtigen Wort. »Ich hab Pause!«
»Ich aber nicht.« Ich berühre ihn am Arm, um seine Aufmerksamkeit ganz auf mich zu ziehen. »Ich muss auch arbeiten und ich habe keine Pause, wenn du welche hast. Also darfst du mich in deiner Pause nicht besuchen, verstehst du?«
»Nicht besuchen.« In Bobbys Wange zuckt ein Muskel. Er ist unsicher und nervös, aber es ist wichtig, dass er mich versteht. »Okay. Nicht besuchen.«
Ich drücke seinen Arm, dann lasse ich ihn los. »Ich werde dich besuchen, in Ordnung? Ich werde mir in der Mensa Essen holen und mir anschauen, wie du dort arbeitest. Ist das okay?«
»Das ist okay.« Bobby zuckt mit den Schultern. Er scheint verstanden zu haben. An seinen Augen erkenne ich, dass ihn das Thema zu langweilen beginnt. »Okay. Tschüss, Bessie. Du musst arbeiten.«
»Tschüss, Großer«, rufe ich meinem Bruder nach, der bereits mit schweren Schritten den Flur hinunter eilt. »Und merk dir: keine Besuche mehr.«
Zu diesem Zeitpunkt ahne ich noch nicht, wie sehr ich meine Worte einmal bereuen werde ...


 


***


 


Carver


 


Staubiges Sonnenlicht fällt durch die schmalen Bogenfenster in die Boxhalle. Der Geruch von Schweiß, Leder und Magnesium liegt in der Luft. Ich atme tief und gleichmäßig, während ich Cormac fokussiere, meinen Sparringspartner. Ich bin einen halben Kopf größer und ein ganzes Stück muskulöser als er. Cormac kann dafür blitzschnell sein, wenn es darauf ankommt.
Er verlagert sein Gewicht auf sein rechtes Bein. Das heißt, gleich kommt ein Uppercut mit der Schlaghand. Ich tänzle einen Schritt zurück, er sieht die Chance auf einen Treffer schwinden, lässt seine Deckung viel zu früh fallen und während er zum Aufwärtshaken ausholt, schlage ich eine Gerade mitten in sein Gesicht. Ein weiterer Schlag bringt Cormac ins Straucheln und ich nutze den Moment, um einen Schwinger unter seinen Rippen zu platzieren, der ihn mit dem Hintern auf den Ringboden befördert.
»Break!«, ruft Coach Hartford.
Mein Teamkollege schüttelt ein paarmal den Kopf, um wieder klar im Hirn zu werden.
»Geht’s?«, frage ich, leicht verwaschen wegen des Mundschutzes, während ich aus dem Augenwinkel wahrnehme, wie die Ringseile auseinandergebogen werden. Meine Teamkollegin Trish, die Medizin studiert, kommt mit dem Erste-Hilfe-Koffer zu uns rein. Sofort fängt sie an, Cormacs Rippen abzutasten.
Auch der Coach nähert sich, die buschigen Brauen unzufrieden zusammengezogen. Er war selbst mal Boxer und bewegt sich trotz seines Alters stets, als befände er sich mitten in einem Fight. So kurz vor dem Turnier will er keinen von uns schwach oder benommen sehen, erst recht nicht, da wir keine Ersatzleute haben.
»Cormac! Ihr habt noch zwei Minuten vor euch! Willst du weitermachen oder sollen wir wechseln? Du bist doch noch fit, oder, Carver?«
Ich nicke und niemand, weder der Coach noch Cormac, Trish oder einer der anderen, wirken überrascht. Im Sparring schickt mich keiner auf die Bretter. Zwar hat Cormac auch schon ein paar akzeptable Treffer gelandet, aber ich kann einstecken, den Schmerz ignorieren und mich auf was anderes konzentrieren.
Mein erster Trainer nannte das eine Gabe.
Trish hält Cormac die Hand vor den Mund. »Mundschutz raus. Nicht, dass du mir noch kollabierst und an deiner –«
In dem Moment fängt Cormac an zu grinsen, was dank der Kunststoffschiene vor seinen Zähnen leicht bescheuert aussieht. Er schiebt ihre Hand weg, um auf die Füße zu springen, als hätte er nie einen Treffer kassiert und erklärt: »Was habt ihr denn alle so eine Panik? Ich wollte nur einen Moment chillen, bevor ich Fox weiter vermöble!«
Fox – damit bin ich gemeint. Es ist mein Nachname und zugleich mein Kampfname. Carver ist eigentlich auch ein Nachname, nur gefiel er meinen Eltern so gut, dass sie mich trotzdem so nannten. Die meisten Leute rufen mich allerdings Fox, sodass ich mir manchmal nicht mehr sicher bin, ob ich eigentlich Carver Fox oder Fox Carver heiße.
Man sagt, ich wäre schlau im Ring. Listig und schnell wie ein Fuchs. Meine Technik wird in der Presse Deadly Chess genannt, tödliches Schach, weil ich, wie vorhin, die Taktik meiner Gegner vorausahne und sie gegen sie verwende, bevor sie wissen, wie ihnen geschieht. Ich habe gute Instinkte. Ihnen verdanke ich es, dass ich noch nie einen wichtigen Kampf verloren habe und daher als ganz große neue Boxhoffnung der Ostküste gelte.
Trish lacht, genau wie die drei übrigen Mitglieder unseres Teams, die jenseits des Ringes stehen und zusehen. Butch hört man am lautesten, sein Lachen klingt wie ein Motor, wenn man mit dem Gaspedal spielt.
Mühelos blende ich ihn aus, genau wie alles andere, während der Coach uns auffordert, uns wieder in Position zu begeben.
Cormac deutet einen Leberhaken an. »So krieg ich dich gleich, pass mal auf.«
»In deinen Träumen.«
»Klappe jetzt!«, fordert Coach Hartford, der von Späßen im Ring genauso wenig hält wie von Boxen im Ballettkleid. Mit einem skeptischen Blick vergewissert er sich, dass Trish den Ring verlassen hat, tritt ein paar Schritte zurück und ruft: »Box!«
Cormac verschafft sich tänzelnd genug Raum, um seine Rechte mit einem gekonnten Punch gegen mein Jochbein zu donnern.
Die habe ich nicht kommen sehen. Mein Kopf fliegt zur Seite, mein Oberkörper folgt in einer halben Drehung. Ich sehe Sterne, oder besser gesagt winzige Lichtpunkte, die über den abgewetzten Ringboden tanzen. Ich schiebe den Schmerz in meiner linken Gesichtshälfte zurück, bewahre ihn mir für später auf, und sammle noch einmal all meine Kräfte.
Wenn ich mich aufrichte, wird Cormac mit einem linken Schwinger nachsetzen, um mich auf die Bretter zu schicken.
Ich komme hoch, sehe seinen Schlag nahen und tänzle zurück. Frustriert setzt er eine rechte Gerade nach, doch ich tauche darunter hinweg, und das ist meine Chance.
Mein nächster Schlag, ein hammerharter Uppercut, trifft nur Sekundenbruchteile später erbarmungslos auf sein Kinn.
Cormac kracht zu Boden wie ein gefällter Baum.
»Das war’s!«, ruft der Coach.
Ich helfe ihm, Cormac aufzurichten, so gut das mit meinen schwarz-golden behandschuhten Händen geht.
»Junge!«, ruft Cormac aus und reibt sich mit dem Unterarm das Kinn.
Natürlich habe ich nicht mit voller Kraft zugeschlagen. In Sparringskämpfen wenden wir höchstens 80 Prozent unserer Power auf. Auch das tut schon gehörig weh.
»Alles in Ordnung? Kannst du alleine stehen?«, fragt Hartford.
Cormac nickt und der Coach lässt ihn los, um für uns beide die Seile zu öffnen.
Ich lasse Cormac zuerst rausklettern, dann folge ich ihm aus dem Ring, in dem ich mich seit mittlerweile elf Jahren mehr zu Hause fühle als überall anders auf der Welt. Manchmal trainiere ich so viel, dass es sich anschließend komisch anfühlt, über ganz normalen Boden anstelle des gepolsterten Ringes zu laufen.
»Carver? Bei dir auch alles gut?«
»Geht schon«, sage ich, bekomme von Trish jedoch trotzdem einen Eisbeutel aus einer Kühlbox gereicht, die mit Sammelstickern berühmter Fighter beklebt ist.
Mit dem Kinn weise ich darauf, während sie mir mit dem Mundschutz hilft. »Wie viele Schokoriegel musstest du für die ganzen Aufkleber eigentlich essen?«
»Halt die Klappe, Fox«, erwidert sie und in ihren Augen, die genauso dunkelbraun wie ihr Haar sind, blitzt es.
Trish ist cool. Sie ist die einzige Frau im Team, lässt sich aber von keinem unterbuttern. Cormac, ein Boxer mit irischer Abstammung und einer schiefen Nase, die, wie er immer betont, nicht vom Boxen kommt, ist der Quatschkopf der Truppe. Butch ist ein zwei Meter fünf großer Schwarzer und gemeinsam mit mir der Erfolgreichste unter uns. Und dann wäre da noch Paco, von dem es heißt, er sei der Sohn eines mexikanischen Mafioso. Das ist natürlich Unsinn. Keiner von uns ist kriminell. Gerade als Boxer legen wir Wert darauf, fair und anständig zu sein – in jedem Bereich unseres Lebens.
»So, alle aufnahmefähig?«, will Coach Hartford wissen.
Ich nicke knapp und Cormac, dessen rechte Hand von Butch bereits aus dem Handschuh befreit worden ist, zeigt den Daumen hoch.
»Das war kein schlechter Kampf«, fährt der Coach fort, was so ziemlich das höchste Lob ist, das man von ihm bekommen kann. »Aber am Ende hast du auf den Brettern gelegen, Cormac, und auch für dich, Fox, gab es einen heiklen Moment. So was müssen wir in den kommenden Wochen abstellen.«
Wir stehen inzwischen im Halbkreis um ihn herum. Sein Blick wandert von Trish zu Paco und wieder zurück.
»Ein guter Boxer weiß seine Schwächen zu verstecken und sie mit seinen Stärken zu tarnen. Ein guter Boxer macht im entscheidenden Moment keinen Fehler. Ein guter Boxer versagt nicht, weil er weiß, dass das sein Ende sein könnte. Klingt das hart? Ja, und so ist es auch. Doch ich weiß, dass ihr in der Lage seid, absolut alles richtig zu machen, wenn es darauf ankommt. Aber um das Beste aus euch rausholen, müsst ihr hart arbeiten. Darum will ich, dass sich euer Leben in den nächsten vier Wochen nur noch um diesen Sport dreht.«
»Also alles wie immer für dich, Fox«, scherzt Cormac.
Die anderen schmunzeln, weil sie sich nicht trauen, Hartfords Ansprache durch Gelächter zu unterbrechen. Auch ich ziehe nur einen Mundwinkel hoch.
»In 30 Tagen«, fährt der Coach fort, »findet die East Coast College Competition gegen Harvard statt, das wichtigste Boxturnier eurer Klasse. Wir in Princeton haben diesen Wettbewerb in den 50 Jahren seit seiner Gründung noch nie gewinnen können. Dieses Jahr wird das anders. Ich habe hier fünf Weltklasse-Talente vor mir. Am Tag des Turniers will ich fünf Weltklasse-Boxer sehen. Kann ich mich darauf verlassen?«
Er hält seine Faust in die Mitte zwischen uns und wir schlagen unter lautem Geschrei ein.
Cormac hat Recht – für mich gibt es im Leben sowieso nichts anderes als das Boxen. Elf Jahre hartes Training liegen hinter mir.
In vier Wochen werde ich allen zeigen, was ich drauf habe.


 


***


 


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