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> Belletristik > Liebe, Tod und Teufel
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Belletristik Bücher
Alexandra Döll

Liebe, Tod und Teufel


Eine Liebesgeschichte aus'm Ruhrgebiet

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Steve spürte, dass irgendwas nicht stimmte.


„Alles okay, Nelly? Du wirkst heute ein wenig schreckhaft."


„Ich weiß nicht. Irgendwie finde ich das Licht ziemlich unheimlich."


Er grinste. „Na, DAS ist mir aber jetzt unheimlich, dass du dich gruselst! Du bist doch sonst immer total tough, makaber und morbide!"


Sie musste auch grinsen. „Ach, du nicht?!"


„Natürlich, ich steh ja auch dazu", dann fuhr er ernster fort:


„Vielleicht gibt's heute Nacht ein Gewitter, sagt man ja meist, wenn die Sonne wie so'n Feuerball untergeht."


Nelly nickte. „Das stimmt. Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist."


Er legte seinen Arm um sie. „Du wirst mir doch wohl nicht krank?"


„Ich will's nicht hoffen."


 


Die Hunde hatten mittlerweile ihr Geschäft erledigt, so dass sie zurück Bestattungshaus liefen. Der Vollmond war gerade aufgegangen, er stand über den Häusern am Leimgardtsfeld. Diese Straße traf mit dem Weidkamp und der Donnerstraße an einem großen Knotenpunkt zusammen. Er leuchtete in einem solch grellen Orange, dass sie das Gefühl hatte, augenkrank zu werden. Er war auch so ungewöhnlich groß. Über dem Ruhrgebiet war der Vollmond maximal in der Größe eines Zwei-Euro-Stücks zu sehen, doch heute war er in etwa so groß wie ein Granatapfel und hatte auch beinahe diese Farbe. Er sah nicht nur unheimlich, sondern richtig fiebrig aus. Ihr schauderte wieder. Steve hatte Recht - wenn sie, die bei allem Humor einen Faible für Horrorfilme und düstere Geschichten und Atmosphären hatte, sich beim Anblick von zwei glühenden Himmelskörpern gruselte, dann war wirklich etwas nicht in Ordnung mit ihr. Sie war jedenfalls froh, dass sie nicht alleine war, sondern dass Steve, der für sie nicht nur ein Kollege, sondern auch ihr bester Freund war, bei ihr war und seinen Arm um sie gelegt hatte. Eigentlich fand sie das sogar ganz schön, mit ihm Arm in Arm durch den schwülen Samstagabend zu spazieren, denn momentan befand sich ihre Gefühlslage in einem absoluten Chaos. Sie hatte zwar einen Freund, den 43-jährigen Juristen Dr. Georg Klein aus Oberhausen, aber der war bei seinem lieben, angenehmen Wesen total verklemmt. Obwohl sie fast sechs Monate zusammen waren, hatten sie noch nie miteinander geschlafen, denn: Er wollte als Jungfrau in die Ehe gehen, was Nelly ehrlich gesagt ziemlich antiquiert fand. Natürlich kuschelten und küssten sie sich ab und zu, aber das war's auch schon. Steve, Achim und ihre Freundinnen fragten sich ohnehin des Öfteren, wie die weltoffene, fröhliche Nelly mit dem schwarzen Humor mit so einem verklemmten, weltfremden Heini liiert sein konnte, zumal Georg so ziemlich der einzige Mensch war, der sich vor den lieben, gut erzogenen Hunden von Nelly und ihren Freunden fürchtete.


 


Esther betreute Dienstagnachmittags zwei Trauergruppen für Kinder, während Nelly Mittwochvormittag und Mittwochabend Trauerbegleitung für Jugendliche ab 16 und Erwachsene anbot. In der Abendgruppe war ein äußerst faszinierender Mann von etwa Mitte 40 - 1.95 groß, muskulös, breite Schultern, blonde, wellige Haare, blaue Augen, markantes Gesicht. Diese imposante Erscheinung hörte auf den Namen Raoul Ostholz. Vor gut sechs Monaten hatte er seine Tante beerdigt und hatte sich, nachdem er gehört hatte, dass Nelly Trauerbegleitung anbot, sofort für eine ihrer Gruppen angemeldet. Sowohl Steve als auch Achim hatten den Eindruck, dass es ihm gar nicht so sehr um die Trauerbegleitung, sondern vielmehr um Nelly ging. Ihn hatte der Tod seiner Tante wohl betroffen gemacht, aber tiefe Trauer um einen geliebten Menschen sah ganz anders aus, wie auch Nelly als berufserfahrene Expertin fand.


 


Und dann war da noch Steve, ihr früherer Studienkollege, jetziger Arbeitskollege und zugleich bester Freund, für den sie zeitweise Gefühle hegte, die sie sich eigentlich gar nicht gestatten wollte, zumal er verheiratet war. Dennoch keimten öfter mal Gefühle in ihr auf, die über ein freundschaftliches Maß hinaus gingen und manchmal hatte sie sogar das Gefühl, dass es ihm umgekehrt genauso ging. Wenn nicht gerade trauernde Kundschaft anwesend war, alberten die Kollegen untereinander genauso herum wie in anderen Betrieben auch und manchmal flirtete Steve auf eine humorvolle Art mit ihr oder brachte subtile Anmachen und Andeutungen, die er gut hinter freundschaftlicher, lustiger Kabbelei tarnen konnte.


 


Momentan wusste sie jedenfalls überhaupt nicht, in wen sie verliebt war, was sie überhaupt fühlen sollte und was mit ihr los war. Ihr Rheuma machte ihr wieder ein wenig zu schaffen, aber das war bei extremen Wetterlagen wie bei feuchter Kälte oder übermäßiger Schwüle beinahe schon normal. Ihr linkes Knie schmerzte, ihre Muskeln fühlten sich beinahe geschunden an, dabei hatte sie bis kurz vor 18 Uhr, als Steve sie abgeholt hatte, nur faul mit Esther, Vanessa, Susanne und ihrer besten Freundin Petra, die nur 30 Meter von ihrem Haus entfernt schräg gegenüber in dem Eckhaus auf dem Tauweg wohnte, im Garten abgehangen. [...]


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