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Belletristik
Buch Leseprobe Licht und Schatten, Michelle Klemm
Michelle Klemm

Licht und Schatten


Gedichte und Erzählungen

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Der zunächst leichte Schneefall nahm stetig zu. Die junge Detektivin stand fröstelnd am Bahnsteig, der Zug hatte bereits eine halbe Stunde Verspätung. Doch sie merkte gar nicht, wie die Zeit verging, nahm gar nicht wahr, was um sie herum geschah. Seitdem sie am Nachmittag die Justizvollzugsanstalt verlassen hatte, stand sie völlig neben sich und starrte Löcher in die Luft. Sie funktionierte plötzlich nur noch, war mechanisch in den Bus gestiegen, der sie zurück zum Bahnhof nach Erfurt brachte, war an der roten Fußgängerampel stehen geblieben und bei Grün gegangen und hatte sich schließlich an dem Gleis eingefunden, an dem ihr Zug Richtung Heimat abfahren sollte. Selbst die Kälte war ihr eigentlich nicht bewusst, viel mehr war es so, als ob sie von innen heraus fror. Das neue Jahr war gerade einmal zehn Tage alt gewesen. Genau wie jener schicksalhafte Tag im November, hatte auch dieser ursprünglich ein ganz gewöhnlicher Tag werden sollen. Doch wie so oft im Leben kam alles ganz anders. Irgendwann am Vormittag klingelte ihr Telefon und ein Mann von der JVA, in der Robert seine Strafe verbüßte, teilte ihr mit, dass er tot sei. Wie tot? War er krank gewesen? Nein, es war Selbstmord. Er habe keine näheren Angehörigen – Ja, das wusste sie. Aber warum riefen die Beamten ausgerechnet sie an? Er habe ihr einen Brief geschrieben, ob sie kommen wolle, um diesen sowie gegebenenfalls seine wenigen persönlichen Sachen abzuholen. Ja. Endlich, mit 45 Minuten Verspätung, fuhr der ICE in den Bahnhof ein. Der Zug war völlig überfüllt. Wie in Trance suchte die junge Detektivin ihren Sitzplatz. Zum Glück – er war noch frei, in dem Punkt konnte man sich ja trotz Reservierung niemals wirklich sicher sein. Die ganze Fahrt über zu stehen, das hätte sie womöglich nicht überstanden, zu weich waren ihre Knie. Ein ziemlich kräftiger, groß gewachsener Mann mittleren Alters saß auf dem Platz neben ihr. Er schien geschlafen zu haben, vermutlich hatte sich deshalb niemand getraut ihn anzusprechen. Jetzt war er wach, er stand auf, um sie durchrutschen zu lassen. Dann setzte er sich wieder auf seinen Platz und machte die Augen zu. Das war perfekt, sie hatte sowieso keine Lust, sich mit irgend jemandem zu unterhalten. Ihr Sitzplatz war wie eine kleine finstere Ecke, in die sie sich endlich zurück ziehen konnte. Der Zug fuhr an, der Schneesturm hatte noch an Stärke zugenommen. Sie verfiel erneut in Gedanken. Kriminalromane und -serien waren ihre große Leidenschaft, doch hätte sie sich niemals träumen lassen, dass sie selbst in einen Mordfall hinein geraten könnte. Sie dachte daran, wie alles angefangen hatte. Sie dachte an den einen Tag Anfang November des vergangenen Jahres, an dem sie Robert zum ersten Mal traf und an dem sie zur Detektivin geworden war. Der Mord ereignete sich in einem großen Einkaufszentrum um die Mittagszeit an einem Montag. Sie hatte an diesem Tag frei gehabt und wollte schon einmal nach Weihnachtsgeschenken suchen, vor dem großen Ansturm im Dezember. Es war nicht ihre Absicht, nach Hinweisen zu suchen, die auf den Täter hindeuteten, sie war rein zufällig darauf gestoßen. Die Polizisten dazu zu bringen, sich ihre Schlussfolgerungen anzuhören, war keineswegs so einfach wie in einem Roman gewesen. Dennoch schaffte sie es und überführte schließlich Robert des Mordes.


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