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Belletristik
Buch Leseprobe Krügers Bericht, Erik J. Roberts
Erik J. Roberts

Krügers Bericht


Eine Erzählung über die Liebe

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Kurze Einführung zur Leseprobe:


Marcus Krüger sitzt wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs einer Jugendlichen in Untersuchungshaft. Um seinem Anwalt Material für eine geeignete Verteidigungsstrategie zu liefern, verfasst er einen Bericht über die Abfolge der Ereignisse, die zu seiner Inhaftierung führten. Der Bericht befindet sich in dem Stadium (Kapitel 11 von 15), wo eine Krise zwischen den Liebenden überwunden werden muss, bevor die Stufenleiter des Näherkommens weiter erklommen wird. Viel Spaß beim Lesen wünscht Erik J. Roberts!


11


Neles plötzliche Flucht zwang mich für Augenblicke zum Nachdenken darüber, ob ich mich mit meiner Liebe geradewegs in eine Katastrophe manövrierte. Zwar hatte ich bisher die möglichen Reaktionen meiner Eltern, Freunde und Kollegen auf meinen radikalen Umschwung verdrängt, aber auf einmal konnte ich die kommende Fassungslosigkeit über meine Beziehung zu einer Minderjährigen körperlich spüren. Und das machte mir Angst. Herr Wiechmann, Sie werden es nicht glauben, doch für einen Nachmittag schoss mir der Gedanke durch den Kopf, meine verlorene Ehe mit Iris zu retten. Ich holte sie entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten vom Dienst ab und wir gingen zusammen in ein Café, was sie überraschte und erfreute. Unsere Unterhaltung begann durchaus angeregt, bis sie mich auf den Bau eines Hauses festnageln wollte, der ihr seit Ewigkeiten vorschwebte „und uns mit Sicherheit wieder zusammenschweißen" würde. Als Sofortmaßnahme regte sie Termine bei der Eheberatung und einen gemeinsamen Tanzkurs an. Aber ihr Gerede über unsere Liebe, die Lösung aller Probleme und die Zukunft verursachte bei mir lediglich ein Gefühl, als ob sich die Därme verknoten würden. Das zwecklose Unterfangen endete in einer angespannten Heimfahrt. Ich konnte Nele nicht entkommen.


Nach dem Cafébesuch gab es kein Halten mehr. Ich brach psychisch zusammen. Die mich mit nie gekannter Gewalt übermannende Depression zwang mich in die Arbeitsunfähigkeit. Professor Meier-Finsen und das St. Josef Krankenhaus hätte ich an jenen Tagen um nichts in der Welt ertragen. Bei Doktor Schönfeldt, einem älteren, besonnenen Hausarzt, suchte ich professionelle Hilfe, wobei ich mich nicht als Kollege zu erkennen gab, um wie jeder gewöhnliche Patient behandelt zu werden. Ich muss den Doktor mit meiner augenscheinlichen Verzweiflung so beeindruckt haben, dass ich nach fünfzehn Minuten neben dem Krankenschein eine Überweisung zum Psychiater wegen „akuter reaktiver Depression", eine Überweisung zur Magenspieglung sowie ein Rezept mit einem Beruhigungsmittel und Säureblockern in Höchstdosis in den Händen hielt. Doktor Schönfeldt gab mir desweiteren den dringenden Rat, meinen Arbeits- und Lebensstil zu überdenken und nach Bewältigungsstrategien für Stress und Probleme zu suchen. Am darauffolgenden Tag musste ich zudem beim Zahnarzt vorstellig werden, weil brachiales nächtliches Zähneknirschen einen Backenzahn gespalten hatte. Offenbar zwang mich mein Unterbewusstsein in den seltenen Schlafphasen zu dem sinnlosen Versuch, meine Panik mit den Zähnen zu zermahlen. Wie auch immer, diese Tage voller existentieller Verlustangst werde ich mein ganzes Leben lang nicht vergessen.


Am dritten Tag meines Martyriums musste ich sie wiedersehen. Nicht die mindeste Chance, es länger zu ertragen. Selbstverständlich bemühte ich mich, ihr Nachdenken über unsere junge Liebesbeziehung nicht zu beeinträchtigen. Wie ich aus meinem unter Schmerzen erworbenen Erfahrungsschatz wusste, bewirkten Offenbarungen zur falschen Zeit ausschließlich desaströse Ergebnisse. Nein, ich hielt mich in der Nähe ihres Gymnasiums in einem gegenüberliegenden Hausflur versteckt. Von dort konnte ich wie ein unglücklicher Diener durch eine zerschlagene Scheibe den Heimweg meiner Königin beobachten. Als sie blass und mitgenommen aussehend aus ihrer Schule trat, stieg wieder dieses schmerzvolle Chaos in mir auf. Mein sonst so lebensfroher Liebling schien, ebenso wie ich, voller düsterem Weltschmerz zu sein. Krügers Herz überkam eine solch massive Depressionsattacke, dass es ihn fast umbrachte. Ich weinte heiße, dicke Tränen. Nach meiner festen Überzeugung konnten wir diese dumpfe Verzweiflung nur gemeinsam in die Knie zwingen. Aber wie sollten wir die ungebetenen Gäste aus dem Haus jagen?


Das Schicksal zog mich am nächsten Tag magnetisch wieder zum Gymnasium. Diesmal versteckte ich mich hinter einer dicken Kastanie in einer Nebenstraße, um der Entdeckung zu entgehen. Wie erwähnt, ich wollte sie auf keinen Fall unter Druck setzten. Trotz der Entfernung von vielleicht einhundert Metern konnte ich an ihrer Körpersprache ablesen, dass ihr seelischer Zustand sich über Nacht nicht gebessert hatte. Ihr niedergeschlagenes Erscheinungsbild musste jeden aufmerksamen Betrachter verwundern, denn der herrliche Frühsommertag duldete keine depressive Stimmung. Als sie auf ihrem Weg zur Bushalteselle die Nebenstraße kreuzte, in der ich mich verbarg, hielt sie plötzlich inne. Sorgfältig sah sie sich nach allen Seiten um und spürte instinktiv meine Nähe, anders ist dieses Verhalten nicht zu erklären. Sie bemerkte den gemütskranken Krüger, der in diesem Moment eine Wunderheilung erfuhr. Augenscheinlich ging es ihr nicht anders. Dunkelrot lief sie an und lächelte überglücklich und mich durchzuckten Blitze unbeschreiblicher Freude. Als sie sich vor neugierigen Blicken in Sicherheit wähnte, rannte Nele, nein, sie flog in meine Richtung und ich flog ihr entgegen. Nie zuvor hatte ich eine so heftige Umarmung erlebt. Meine kleine Freundin ließ ihre Tasche fallen, sprang mir entgegen, schlang die Beine um mich, krallte ihre Finger in meinen Rücken und erdrückte mich fast. Beide ließen wir unseren Emotionen freien Lauf und heulten ungebändigte Glückstränen.


„Marcus, ich wäre fast gestorben!" Ich war unfähig, sofort etwas zu entgegnen. Heiß küssten wir uns und konnten unsere Lippen nicht fest genug aneinanderpressen. An anderer Stelle hätte dies wahrscheinlich wehgetan. „Du hast mir so gefehlt."


„Du mir auch", brachte ich unter Schluchzern hervor.


„Nie wieder möchte ich so etwas erleben! Hörst du? Nie wieder!" Sie bedeckte mein Gesicht mit wilden Küssen. „Lass uns immer zusammenhalten, ja?"


„Ich verspreche es."


In gelöster Euphorie versunken, standen wir noch für einige Minuten auf der Straße und hielten uns in den Armen.


„Komm, gehen wir in den Park", forderte mich Nele auf. Zwanzig Minuten später saßen wir im Parkcafé auf der Terrasse, wo wir unser wiedergefundenes Glück in vollen Zügen genossen. Nach dem Schlemmen eines Erdbeereisbechers begann Nele, wieder in denselben aufgekratzten Zustand zu geraten wie vier Tage zuvor. Und auch mich peinigte erneut die Sehnsucht nach der Frische und Anmut ihres jugendlichen Körpers.


„Gehen wir wieder auf unsere Wiese und machen dort weiter, wo wir letztes Mal aufgehört haben?" Sie zupfte an meinem T-Shirt und bedeckte meinen Hals mit Küssen. Der Park blieb übrigens so ziemlich der einzige Platz, der uns öffentliche Zärtlichkeiten verzieh.


„Ja", sagte ich im Zustand der sinnlichen Überreizung.


Hand in Hand tauschten wir schon auf dem Weg zu unserer menschenleeren Stelle gierig Liebkosungen aus. Schwer atmend fielen wir ins hohe Gras. Rasend schnell befreite ich diesmal ihre samtweiche Haut vom T-Shirt. Ich nahm ihre süßen Brüste in die Hand und küsste sie zart. Meine zahllosen leidenschaftlichen Berührungen folgten einander ohne Atempause und die entzündeten Flammen ermutigten sie, diese zu erwidern und hingebungsvoll zu vermehren. Mit vorsichtiger Neugier erkundete sie die Gegend, wo ihr kesses Knie damals unsere Verstimmung ausgelöste hatte. In ihren entzückenden Händen war ich der Lust preisgegeben, die ich selbstverständlich mit ihr teilen wollte. Ich fuhr behutsam unter ihren süßen Wickelrock, schob ihre Pants etwas zur Seite und streichelte ihren festen Hintern. Meine fiebrigen Finger wagten freilich nicht den letzten Schritt, doch weckte die Leidenschaft auch bei meiner Prinzessin die lebhaftesten Gefühle.


„Trau dich", hauchte sie mir ins Ohr.


Und ich traute mich. Genussvoll ließ ich meine Finger zwischen ihre kleinen, feuchten Wölbungen gleiten, was sie mit lustvollem Stöhnen beantwortete. Während wir uns so verwöhnten, schwanden mir allmählich unter ihren Berührungen die Sinne.


„Lass dich gehen, mein Liebster! Komm!" Unter heftigem Stöhnen und unterdrückten Schreien ließ ich mich in ihren Armen gehen und stillte die Glut meines Verlangens. Ein Moment des himmlischen Erschauerns. Dann geriet Nele in Bereitschaft, höchste Wonne zu erfahren. „Fass fester zu, mein Liebster, und mach mich glücklich!" Ich bemühte mich, ihr unaussprechliches Entzücken zu verschaffen. Schon bald hoben all ihre Sinne ab und sie verging auf einem Höhepunkt, der für mich auf ewig Quelle der Erleuchtung bleiben wird. Sie umklammerte mit beiden Händen meine Schultern und drückte ihren Mund an meinen Hals, wo sie ihre hellen, markerschütternden Schreie dämpfte, die direkt aus dem Zentrum der Lust emporstiegen. Nie zuvor hatte ich bei einer Frau - schon gar nicht bei Iris - eine solch prolongierte Erfüllung erlebt; prolongiert, wie es ein Mann nicht erfahren kann.


„Wow!", kommentierte ich ihren himmlischen Ausbruch. Sie lachte herzhaft und wir küssten uns. Schließlich ruhten wir einer in den Armen des anderen in einem Zustand angenehmster Trunkenheit.


Ob nun an geheimen Plätzen im Park oder in der Gegend um Hubertushöhe, in den folgenden zwei Wochen erforschten wir weiter unsere überhitzten Körper. Während dieser erotischen Experimente lernten wir viel voneinander und hatten Spaß an unserer Lust sowie deren Gipfeln. Doch waren diese traumhaft schönen, sinnlichen Erfahrungen längst nicht alles, was uns fester zusammenschweißte. Immer, wenn wir es nicht einfach nur genossen, zusammen zu sein, unterhielten wir uns, schmiedeten Pläne und lachten ausgiebig.


Längst hatte ich beschlossen, mich von Iris zu trennen. Zweifelsohne ein harter Schritt, besonders, wenn man an Mathilda dachte, aber ohne Alternative. Um dem Gesetz zu genügen, kamen Nele und ich überein, dass ich die Trennung von meiner Frau am Tage ihres sechzehnten Geburtstages vollziehen sollte. Bis dahin verblieb noch ein gutes halbes Jahr. Paragraph 182 (Sexueller Missbrauch von Jugendlichen) versprach ab diesem Alter wesentlich mehr Milde. Zwar türmten sich für ein Paar wie uns trotzdem noch gigantische Problemgebirge auf, aber mit dem kostbaren Gut der Freiheit, so meine feste Überzeugung, lässt sich alles überwinden. Ich versprach ihr Konsequenz, weil ich sie liebe.


Selbstverständlich musste Nele irgendwann ihrem Umfeld, was Doktor Krüger anging, ebenfalls reinen Wein einschenken. Wie sich zeigte, hatte sie vor dieser Herausforderung mindestens ebenso großen Respekt wie ich.


„Was erzählst du eigentlich deiner Mutter, wo du dich die Nachmittage immer rumtreibst?", wollte ich wissen. „Oder weiß sie sogar von uns?"


„Um Gottes Willen", antwortete sie erschrocken, „ich habe ihr erzählt, ich hätte einen älteren Freund, der bald achtzehn wird. Das war schon schlimm genug." Sie kicherte. „Meiner Mutter - echt nicht! Solange meine schulischen Leistungen weiter so gut sind, fragt sie zum Glück sowieso nicht weiter nach."


„Und wie soll das weitergehen?"


„Ich erzähle ihr von dir auch am besten, wenn ich sechzehn bin", sagte sie nach einigem Nachdenken.


„Wirklich?", fragte ich vorsichtig.


„Du kannst mir vertrauen, Marcus", zerstreute sie meine Bedenken, indem sie das Gesagte mit einem so tiefen und ehrlichen Blick unterstrich, der mein Herz fest daran glauben ließ. Sie nahm meine Hände und fuhr fort: „Ich möchte mit dir zusammen sein und ich weiß, dafür muss ich etwas riskieren - ich meine, für das, was mir wichtig ist."


Mein Gesicht glühte vor Glück über ihre Äußerungen und ich küsste sie liebevoll.


„Was findest du eigentlich an so einem alten Knacker wie mir?", fragte ich scherzhaft.


„Ich verrate dir mal was. Ich habe keine Lust, mit Anfang Zwanzig an der Seite eines gleichaltrigen Typen schwanger zu werden, der mit Ende Zwanzig fett wird und mich mit Mitte Dreißig in irgendeinem Kaff sitzen lässt. Das wäre furchtbar. Bei dir weiß ich jetzt schon, was ich habe, und der Altersunterschied, denke ich, wird sich später verwachsen. Ich will auch nicht als Teilzeit-Büroelly versauern, sondern etwas aus mir machen. Da habe ich bei dir volles Vertrauen, dass du mich dabei unterstützt."


„Auf jeden Fall", pflichtete ich ihr bei. „Ich brauche eine starke Frau an meiner Seite."


„Ich weiß", säuselte sie und fing an, mich mit kleinen Streicheleinheiten um den Finger zu wickeln. „Du kannst nicht genießen, mein kleiner intelligenter Doktor, wenn dir etwas zu leicht zufällt. Leichte Beute ist nichts für ausgesprochene Genießer wie dich. Das mag ich."


Sie hatte recht. Ich fragte erstaunt: „Was noch? Rede weiter!"


„Wenn sich so ein Romantiker wie du fallen lässt ..."


„Das meine ich nicht", unterbrach ich sie. „Was gefällt dir noch an mir?"


„Nun ja, , deine braunen Augen strahlen Wärme und Charisma aus. Davon habe ich mich sofort angezogen gefühlt."


„Meine Güte - mehr davon!" Ein wohltuender Schauer jagte durch meine Adern.


„Lieber nicht, sonst hebst du noch ab", sagte sie und umarmte mich. „Außerdem bin ich jetzt reif für ein Kompliment."


Bereitwillig gab ich ihr, wonach sie verlangte: „Ich fühle mich jeden Tag bestätigt in dem, was ich dir schon in meinem ersten Brief geschrieben habe. Du bist für mich die schönste, klügste und zärtlichste Frau, die ich je kennengelernt habe." Sie drückte mich fester an sich und schwieg für eine Weile. Ein weiteres Merkmal ihres Charakters, welches ich bei Nele liebe: Die Fähigkeit, schweigen zu können, ohne dass es lästig wäre oder ich mir Gedanken um ihren Gemütszustand machen müsste. Nie gab es nervige Problemdiskussionen um Nichtigkeiten ...


 


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