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Belletristik Bücher
Buch Leseprobe Jacinta, Eva Zingerle
Eva Zingerle

Jacinta


Ein Frauenleben am Amazonas

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„Press doch endlich mal, Mama", sagte Rosa etwas ungeduldig und rüttelte sanft ihre Mutter.


„Ich kann nicht mehr", stöhnte die Frau. Sie kniete mit nacktem Unterkörper am Boden, unter sich ein Kissen, auf das das Baby fallen sollte. Vor sich hatte sie einen Hocker, auf den sie sich stützte. Schweiß stand auf Ihrer Stirn und sie ließ sich einfach hinfallen. Sie konnte nicht mehr.


 


Ihr erstes Kind hatte sie im Alter von 14 Jahren bekommen, nun war sie 33 Jahre alt, ihr Körper ausgelaugt von elf Geburten und einer Fehlgeburt. Niemand würde mehr in dieser hageren Frau, fast ohne Zähne, das bildhübsche Mädchen wiedererkennen, das sie einmal gewesen war.


 


Die 15jährige Rosa stützte nun ihre Mutter und drehte sich zu Jacinta, ihrer zwölfjährigen Schwester um:


„Steh nicht herum, bring Mama etwas zu trinken, siehst du nicht, daß sie erschöpft ist?"


Jacinta war für ihre zwölf Jahre recht klein geraten, aber sie hatte ein reizendes kleines Gesichtchen mit großen schwarzen Kirschenaugen. Ihre Haare, obwohl sie hinten zu einem Schwanz gebunden waren, lösten sich immer wieder und kringelten sich um das Gesicht. Sie trug wie ihre Geschwister eine zerschlissene kurze Hose und ein altes T-Shirt, auch dieses war durch häufiges Waschen schon löchrig.


Momentan aber machte sie ein etwas störrisches Gesicht; das Herumkommandieren ihrer Schwester gefiel ihr ganz und gar nicht.


„Hör auf, mich so zu schikanieren! Weißt du was? Ich hole Doña Cecilia, die Nachbarin, die kann sicher besser helfen als ich. Ich geh weiter Volleyball spielen, die Mädchen vom Nachbardorf sind hier und du kannst doch sowieso alles allein machen", trotzte sie.


„Oh mein Gott, du bleibst hier, denn das nächste Mal bist du allein mit ihr, da bin ich mit meinem Mann schon am Rio Ucayali, also tu schon, was ich sage."


Gehorsam holte nun Jacinta Carambola Früchte vom Baum neben der Hütte und bereitete einen Fruchtsaft. Einer Geburt zuzusehen war für sie nichts Neues, denn jedes Jahr kam doch ein neues Baby und immer mußten die älteren Mädchen helfen. Doch diesmal war es besonders schwierig. Das Kind wollte und wollte nicht kommen, die Mutter war schon viele Stunden in den Wehen und wurde immer schwächer.


„Ich glaube, Mama, wir holen Papa, er soll Doña Maria, die Hebamme holen."


Die Mutter setzte sich auf und hielt ihre Hände vor dem gewölbten Bauch.


„Willst du ihn besoffen, so wie er jetzt in der Bodega sitzt, zu Doña Maria schicken? Der legt sich doch glattwegs mitten im Weg hin und schläft seinen Rausch aus, also nichts da, schickt Pepe, der ist doch einigermaßen verläßlich. Also lauf schon Jacinta und sag ihm Bescheid und komm ja sofort wieder."


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