Die Einladungen von Jean und Marianne, einem befreundeten
Ehepaar kamen immer spontan an einem Freitag. Sie hatten
eine kleine Tochter, die leider die Kartoffelnase vom Vater
geerbt hatte, wie mir Armand schon vorher lächelnd erzählt
hatte. Armand liebte Kinder und die Kinder ihn.
Jean war Koch des Prinzen (Bruder des Königs) und rief
jedes Mal an, wenn er eine gute Lieferung bekam. Sie
wussten, dass ich noch nie Austern gegessen hatte und
wollten sie mir bewusst beim ersten Essen schmackhaft
machen. Sie wurden frisch eingeflogen und der Prinz bekam
sie erst am nächsten Tag, am Samstag. Jean bestellte dann
immer einen Korb mehr für uns. Sie waren gespannt, ob ich
die Austern überhaupt essen würde. Alle schauten mich bei
Tisch gebannt an, als die beiden mir die Austern mit etwas
Meerwasser drin und einem Spritzer frischer Zitrone den
Muskel trennten, damit sich die Auster zusammen zieht
und fixierten meine Mimik dabei als ich sie wie empfohlen
schlürfte. Es war ein neues tolles Geschmackserlebnis und
alle strahlten mit, weil es mir sehr gut schmeckte. So müssen
Austern schmecken, auch wenn der Gedanke daran, dass die
Auster noch lebendig ist, gewöhnungsbedürftig war und
immer noch ist.
Jean ging manchmal auch mit auf die Jagd in die Berge.
Nur eine Jägerin war dabei, sie hatte mit ihrem Mann
und den beiden Kindern eine riesige Mandarinenplantage
außerhalb Casablancas. Leider habe ich deren Vornamen
vergessen und kann sie auch nicht mehr in meinen alten
Notizbüchern finden. Die Beiden waren patente, fleißige
und sehr sympathische Menschen. Auch bei ihnen war ich
einige Male zu Gast. Es waren Franzosen und sie wollten
damals in den nächsten Jahren wieder nach Südfrankreich
gehen, auf eine andere Plantage.
Als ich wieder nach Deutschland zurück ging und sie
vorher nochmals besuchte, wollten sie mich dort behalten
und schlugen vor, mir aus dem auf der Plantage stehenden
Sommerhäuschen eine richtige Wohnung einzurichten. Die
Kinder waren noch klein und ich hätte nur die Aufgabe
gehabt, während ihrer Abwesenheiten auf sie aufzupassen.
Ansonsten hätte ich für einige Zeit ein schönes Leben
gehabt, denn es gab für den Rest ja immer eine Fatima, die