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Faustdick hatte es die Gastwirtstocher hinter den Ohren. Direkt und unsentimental erzählt die pensionierte Wirtin und Malerin, Martha Regli, wie Sie sich im Leben durchgesetzt hat. Ein Mädchen, das sich in der Schule prügelte, an der Reckstange besser turnte als jeder Knabe und sich selbst gegen Achtklässler durchzusetzen vermochte. Ihre Kapriolen erinnern zuweilen an die rote Zora und ihre wilde Bande. Martha Regli schildert frei von der Leber, wie sich berufliche und persönliche Rückschläge meistern lassen - was nur einer der vielen Gründe ist, das Buch zu lesen. Ein Buch, das den Leser zum Schmunzeln und Staunen bringt. Eine Lektüre, die manchmal nachdenklich stimmt und auch anregt und inspiriert.
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Im Nahkampf mit der Rockerbande Eines schönen Sommerabends - es war schon recht spät und die Rôtisserie war bis auf den letzten Platz besetzt – hörte ich ungewohnte Geräusche, ein lautes Rasseln von der Bar her. Ich war gerade am Tranchieren und Servieren an einem der Tische. „Was um Gottes Willen ist da los?“, fragte ich mich. Ich lief nach hinten und begriff vorerst nicht, was sich vor meinen Augen abspielte. Die Barmaid kauerte auf dem Boden und musste hilflos zusehen, wie eine wild gewordene Rockerbande mit ihren Ketten auf die Spiegel, Gläser und Flaschen einschlug und einen Riesenscherbenhaufen anrichtete. Eine Gruppe von acht Rockern war mit ihren schweren Harley-Davidson über die Brücke gefahren, hatte ihre Fahrzeuge in Sichtweite der Rôtisserie abgestellt und war zu Fuss in die Bar einmarschiert, um Radau zu machen. Wieso sie unsere Bar so überfallmässig heimsuchten, konnte ich leider nie herausfinden, aber ich wollte sie nicht ungeschoren davon kommen lassen. Meine bereits in der Kindheit erprobte Wehrhaftigkeit zahlte sich diesmal aus. Obwohl mir der Schrecken in den Knochen sass, öffnete ich fast reflexartig den Notfallkasten mit dem Feuerwehrschlauch und den zwei Gloria-Feuerlöschern und schnappte mir einen der Feuerlöscher. Damit besprühte ich die Rocker, einen nach dem anderen. Damit hatten sie offensichtlich nicht gerechnet. Im Nu sah ich nur noch ihre Absätze. Die Rocker stürmten ins Freie. Sie verschwanden fluchtartig mit ihren brennenden, tränenden Augen. Obwohl sie kaum etwas sahen, schwangen sie sich auf ihre Harleys und fuhren wie auf Raketen davon. Nur einer der Missetäter konnte mit den verklebten Augen nicht sofort wegfahren. Er musste sein Fahrzeug noch eine Weile schieben. Die Bar sah ziemlich zerstört aus, überall hing der weisse Schaum aus dem Feuerlöscher in den Scherben. Die Gäste erholten sich wieder von ihrem Schrecken und beglückwünschten mich zu meinem beherzten Eingreifen. Ich war heilfroh, dass die Bande weg war und nicht noch mehr Schaden anrichtete. Ich erstattete Anzeige bei der Polizei gegen die Rocker, aber man konnte sie nie fassen. Es gab kein Nachspiel für sie. Aber immerhin liessen sie die „Chämihütte“ von da an in Ruhe. Die schwierige Suche nach einem Nachfolger für meinen Küchenchef Nachdem mein guter Küchenchef Blüemli weggegangen war, erlebte ich eine schwierige Zeit. Es dauerte viele Monate, bis ich einen geeigneten Nachfolger für ihn fand. Sechs der Kandidaten, die bei mir Küchenchef werden wollten, erwiesen sich als zu wenig qualifiziert oder als charakterlich ungeeignet für die anspruchsvolle Aufgabe. Erst der Siebte schien ein Glücksfall. Wenigstens am Anfang! Er verfügte über genügend psychologisches Geschick, um ein Team zu motivieren und zu führen. Nach den vielen Rückschlägen mit seinen Vorgängern setzte ich meine ganzen Hoffnungen auf ihn. Er kam sehr gut mit der Brigade zurecht, aber leider verstand er es nicht, den Warenvorrat professionell zu bewirtschaften. Er musste ständig alle Ware parieren, weil er sie nicht richtig behandelte. Ich beobachtete ihn, wie er am laufenden Band am Käse und an den Filets ein Stück abschnitt und wegwarf. Ich wies ihn immer wieder darauf hin, er solle die Ware doch richtig verpacken. Käse müsse man nicht immer parieren, wenn man ihn gut einpackte und versorgte. Es ärgerte mich, dass er so fahrlässig mit den teuren Lebensmitteln umging. Es war schliesslich mein Geld, das da buchstäblich weggeworfen wurde. Als ich eines Tages ein ganzes angebranntes Roastbeef im Abfalleimer fand und herausfischte, stellte ich meinen Küchenchef zur Rede. „Was ist los mit diesem Roastbeef?“ „Der Lehrling liess es anbrennen und man kann es nicht mehr verwenden“, antwortete er. „Wieso nicht? Gerade dieses Stück Fleisch könnte man sehr wohl parieren und daraus noch ein Stroganoff fürs Personal machen.“ „Sicher nicht, dafür haben wir keine Zeit“, entgegnete er mir schnippisch. Daraufhin flippte ich aus und sagte ihm laut und wütend meine Meinung. Das liess sich der Beschimpfte nicht gefallen. „Kommt „Gielen“, wir gehen, wir haben hier bei dieser alten Schachtel nichts mehr verloren“, rief er seine Brigade zusammen. „Wir gehen nach dem Mittagessen.“ Ich antwortete: „Also gut, Ihr könnt nach zwei Uhr zu mir ins Büro kommen. Ich zahle jeden aus.“ Sie erschienen einer nach dem anderen und liessen sich den Lohn auszahlen und verschwanden. Einzig ein Lehrling blieb mir erhalten. Des einen Pech - des andern Glück Es war Samstag und das ganze Haus war für den Abend und den darauf folgenden Sonntag längst ausgebucht. In meiner Not rief ich meinen Vater und meinen Bruder Erhard an. „Ihr müsst kommen und mir dabei helfen das Mise en place für den Abend zu machen. Ich habe kein Personal mehr.“ Vater erwiderte in vorwurfsvollem Ton: „Was hast du jetzt schon wieder angestellt? Warum verträgst du dich nicht mit deinen Leuten?“ Als ob ich diejenige wäre, die so kompliziert und schwierig wäre! Vorwürfe waren das Letzte, das ich an jenem Tag hören wollte. Aber die beiden liessen mich nicht im Stich und standen bald in der Küche, um alles für den Abendservice vorzubereiten. Erhard musste zwar anschliessend wieder auf den Mutschellen zurück, um in seinem eigenen Restaurant zu kochen. Vati erklärte sich jedoch bereit, noch etwas zu bleiben, falls ich ihn brauchen könnte. Er gab jedoch zu bedenken, dass er die Spezialitäten auf unserer Speisekarte nicht zubereiten könne.“ „Das brauchst du auch nicht. Es kommt schon alles gut heraus“, beruhigte ich ihn. Nach all dieser Aufregung wollte ich mich in der Wohnung oben für den Abend frisch machen. Ich stellte den Fernseher an und auf dem Weg zur Dusche sah ich in den Nachrichten, dass der Luzerner Bahnhof abgebrannt war. …….. Pfenniger, der Direktor des Bahnhofbuffets, wurde zu diesem spektakulären Brand interviewt. Ausgerechnet an diesem Tag brannte der Bahnhof! Das bedeutete, dass Pfennigers Köche ab sofort ohne Arbeit waren, schoss mir durch den Kopf. Ich griff also unverzüglich zum Telefonhörer und rief Pfenniger an. Ob er mir ein Auto voller Köche schicken könne, fragte ich ihn und erzählte ihm von meinem Pech. Er bejahte und fragte, wie viele ich den brauchte. Am Abend kam dann ein Citroen mit vier guten Köchen. Das war wie mein Weihnachtsgeschenk, ein schicksalhafter Zufall, der mich rettete! Nach einigen Tagen mit dem neuen Küchenteam besprach ich mit den Köchen meine Zukunftspläne: „Ich schlage vor, dass der Beste von euch mein neuer Küchenchef wird. Wer das sein wird, kann ich jedoch erst in ein paar Monaten entscheiden.“ So gab sich jeder viel Mühe, um zum Küchenchef ernannt zu werden. Als ich mich für einen Kandidaten entschieden hatte, gab es unter den andern einige Enttäuschungen und deswegen auch wieder einen Wechsel im Team. Der Küchenchef musste Führungsqualitäten haben und nicht zu machthaberisch sein. Und einer der vier ehemaligen Bahnhofbuffet-Köche konnte das besonders gut. Der Zweitbeste avancierte zum Sous-chef, die anderen zwei zogen weiter. Aber es blieb mir genügend Zeit, um die Küchenbrigade wieder zu organisieren und aufzubauen. Von da an lief es in der Küche wieder rund.
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