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Belletristik Bücher
Buch Leseprobe Flüchtige Nähe, Peter Kislig
Peter Kislig

Flüchtige Nähe


Geschichte einer Nacht und andere Erzählungen

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Durch die zusätzlich hineingestellten Tische waren sich


die Gäste so nahe, dass kein intimes Wort unabgehört das


Bestimmungsohr erreichte. Mir schien, als wären wir im


Mango-Grapefruitduft gefangen, wie in einem klebrigen


Spinnennetz, ohne Aussicht dem Gewebe zu entkommen.


Ich setzte auf Romanas Fantasie, erklärte ihr, das Lokal sei


das Jahr hindurch schlicht und behaglich und versuchte


so, mich mit der momentanen Situation zu versöhnen.


Wären wir nur ein bisschen für uns gewesen, oder hätten


die Nachbarn auch nur einmal ein intensives Gespräch


geführt, hätte ich Romana auf besondere Eigenschaften


einzelner Gäste oder auf ausgefallene Kleider aufmerksam


machen können. Auch später, als das ausdruckslose


Gesicht des Nachbarn von Gang zu Gang röter wurde


und seine Krawatte damit endlich Gesellschaft bekam,


hätte ich Romana gerne darauf hingewiesen. Sie hätte mit


feinem Humor sofort verstanden, aber immer, wenn ich


ihr ein Zeichen geben wollte, verstummte der Monolog


der Nachbarin wie auf Kommando. Wie gerne hätte ich


mit Romana über kleine Dinge gelacht; ich wusste, es


hätte uns zu einer kleinen Einheit zusammengeschweißt.


Die wohlige Wärme, die uns, aus der Winterkälte kommend


freundlich empfangen hatte, verwandelte sich


zunehmend in eine viel zu warme und stickige Luft. Ich


spürte, dass sich auch Romana nicht behaglich fühlte.


Der Schwall der Stimmen, das Geklirre von Gläsern und


Besteck trommelte von allen Seiten auf uns ein und mir


schien, ihre immer noch witzigen und strahlenden Augen


hätten etwas an Glanz verloren.


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