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Belletristik
Buch Leseprobe Eternity, Amanda Frost
Amanda Frost

Eternity


Vergessene Liebe

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Prolog


 


Pompeji - 79 nach Christus


 


Chronos


 


Ein Sonnenstrahl stiehlt sich durch die Ritzen der hölzernen Fensterläden und lässt mich blinzeln. Überrascht erhebe ich mich von meiner Liege und spähe hinaus.


Tatsächlich! Nach tagelanger Dunkelheit, verursacht durch die beiden katastrophalen Ausbrüche des Vesuvs, ist ein Großteil der Vulkanasche letztendlich aus der Atmosphäre verschwunden.


Ich öffne die Fensterläden und atme die kühle Morgenluft ein. Der nächtliche Regen scheint sie reingewaschen zu haben, selbst der Schwefelgeruch ist kaum mehr wahrnehmbar.


Aus meiner hoch gelegenen Villa eröffnet sich mir ein atemberaubender Blick über das glitzernde blaue Mittelmeer. Ruhig und friedlich liegt es zu meinen Füßen, vermittelt den Eindruck, es wäre nie etwas geschehen. Erst als ich die Küstenregion ins Visier nehme, erkenne ich das wahre Ausmaß der Zerstörung.


Die blühende Stadt Pompeji existiert nicht mehr. Ein wütender Vulkan hat sie in einem Anfall von Raserei unter einer meterhohen Schicht aus Asche und Schlamm begraben und dabei Tausende von Menschenleben ausgelöscht.


An und für sich sollten mich diese Ereignisse nicht sonderlich belasten. In meinem langen Dasein habe ich bereits Unmengen von Katastrophen miterlebt, viele sogar selbst herbeigeführt. Doch ich kann nicht leugnen, dass ich dieses Mal einen Hauch Nervosität verspüre. Denn ich habe zugelassen, dass die Frau, die ich liebe, in den Lauf der Zeit eingreift. Etwas, das der Olymp gar nicht gerne sieht.


„Chronos!“, unterbricht in diesem Augenblick eine glockenhelle Stimme meine Gedanken. „Sie befinden sich alle in Sicherheit.“


Ich wende mich vom Fenster ab. Zutiefst aufgewühlt hüpft Sophia auf mich zu. Ihr glänzend schwarzes Haar, das einen imposanten Kontrast zu der weißen Tunika bildet, tanzt um ihren Kopf wie reine Seide. Um sie aufzufangen, gehe ich ihr entgegen. Ihre Ringe und Goldketten klirren, als sie mir die Arme um den Nacken wirft und mich stürmisch küsst.


Ich packe sie an der Taille und ziehe sie näher an mich. Wir versinken in einem leidenschaftlichen Kuss. Erst das Trippeln kleiner Hufe auf dem Marmorboden reißt mich in die Realität zurück. Mein Blick fällt auf die abgemagerte Ziege, die sich zitternd an Sophias Beine schmiegt.


Ein unterdrücktes Seufzen entfährt mir. Mit ihrem großen Herzen zieht diese Frau verwaiste Tierbabys geradezu magisch an.


Mit einer Hand pflücke ich Sophia ein paar Flocken Vulkanasche aus dem Haar. „Das bedeutet, deiner Familie geht es gut?“


Sie nickt eifrig. „Nicht nur meiner Familie. Es ist mir gelungen, Hunderte weitere Leben zu retten.“


Ich erstarre. „Wie bitte?“


Aus großen Augen blinzelt sie mich an. „Chronos, bitte, du darfst jetzt keinen Groll gegen mich hegen. Vergiss niemals, ich liebe dich.“


Wenngleich ich normalerweise nicht genug von Sophias Nähe bekommen kann, bringe ich durch einen Schritt zurück Distanz zwischen uns. „Sag, dass das nicht dein Ernst ist!“


Sie zuckt entschuldigend mit den Schultern. „Ich konnte doch all diese Menschen nicht sterben lassen.“


Ungläubig schüttle ich den Kopf. „Sophia, ich hätte es aller Voraussicht nach verschleiern können, wenn du einzig deine Familie vor dem sicheren Tod bewahrt hättest. Aber ich kann nicht zulassen, dass weitere Personen verschont bleiben, deren Lebenszeit abgelaufen ist. Dir ist bewusst, dass ich wohl oder übel die Zeit zurückdrehen muss, nicht wahr?“


Sie wirft mir einen schmachtenden Blick zu, während sie nach dem Gürtel meiner Tunika greift und ihn mit flinken Fingern öffnet. Klackernd geht er zu Boden. Sekunden später kratzen Sophias Fingernägel über meinen Oberschenkel.


„Bitte, Chronos, es muss doch eine andere Lösung geben.“


Mein Herz klopft wild in meiner Brust. Was nicht allein Sophias geschickten Händen geschuldet ist, nein, in diesem Moment wird mir erbarmungslos klar, in welcher Zwickmühle ich stecke. Denn Sophias Selbstlosigkeit ist einer der Gründe, warum ich diese Frau über alles liebe.


Ich hole tief Luft. „Liebste, versteh doch! Solange ich dein eigenmächtiges Handeln nicht rückgängig gemacht habe, schwebst du in großer Gefahr.“


„Aber ich bin unsterblich und darüber hinaus die Herzdame eines der mächtigsten Götter der Welt. Was soll mir schon geschehen?“ Der flehentliche und gleichzeitig begehrliche Ausdruck in ihren Augen geht mir bis ins Mark.


Nein, ich darf jetzt nicht schwach werden, zu allererst muss ich die Welt wieder ins Gleichgewicht bringen. Ich bin gezwungen, die mir von Geburt an zugedachte Aufgabe zu verrichten.


Als Sophias Hand jedoch zärtlich mein Bein hinaufwandert und spielerisch über mein Becken streift, erbebe ich vor Lust.


„Begehe niemals den Fehler, die Macht des Olymp zu unterschätzen“, ermahne ich sie. „Selbst deine Unsterblichkeit bietet dir keinerlei Schutz vor Zeus.“ Das Timbre meiner Stimme klingt rau, lässt erkennen, wie sehr ihre Berührungen mich erregen.


Ein sanftes Schmunzeln zuckt um ihre Lippen, während sie blitzschnell ihre Hand unter meinem Gewand hervorzieht und aus ihrer Tunika schlüpft. „Liebe mich!“, haucht sie.


Gierig wandern meine Blicke über ihre Rundungen. Sophia ist die schönste Frau, die ich jemals kennenlernen durfte. Seit Jahrzehnten bin ich ihr verfallen. Leider ist es mir verboten, eine Halbgöttin zu meiner Gemahlin zu machen. Zum Ausgleich habe ich ihr bereits vor sehr langer Zeit Unsterblichkeit verliehen, denn ein Dasein ohne Sophia kann und will ich mir nicht mehr vorstellen.


Fatalerweise besitzt sie die seltene Gabe der Vorhersehung. Als sie des drohenden Vulkanausbruchs gewahr wurde, bat sie mich, ihre Familie in Sicherheit bringen zu dürfen. Widerwillig stimmte ich zu.


Doch jetzt ist sie zu weit gegangen.


Da mir allerdings gerade Lust die Sinne vernebelt, entscheide ich, dieses mühsame Gespräch auf später zu vertagen.


Rasch entledige auch ich mich meiner Tunika, hebe Sophia auf meine Arme und trage sie in eins der Schlafgemächer. Während ich auf sie sinke, schmiegt sich ihr sinnlicher Körper an meinen.


„Chronos“, haucht sie. „Bitte!“


Ich weiß, worum sie mich bittet, und ich werde keine weitere Sekunde zögern, ihr diesen Wunsch zu erfüllen.


Mit meiner Hüfte spreize ich ihre Schenkel und dringe mit sanfter Gewalt in sie ein. Wie jedes Mal, wenn unsere Körper verschmelzen, erfasst mich ein Taumel des Glücks, der mir nahezu den Verstand raubt.


Während ich diese wunderbare Frau voller Hingabe nehme, blicke ich ihr tief in die Augen. „Sophia, ich liebe dich und werde dich mit all meiner Kraft beschützen. Du weißt, ich würde jederzeit mein Leben für deins geben.“


Sie seufzt glücklich. „Ich danke dir. Du wirst für alle Ewigkeit mein Held sein.“


Ein wohliges Stöhnen kommt über ihre Lippen, als ich mich tiefer in sie hineinschiebe. Dann ein abgehackter Schrei, der sich allerdings von ihren üblichen Lustbekundungen unterscheidet.


Überrascht halte ich in der Bewegung inne.


Sophias Gesichtsausdruck wirkt angespannt. „Chronos, was geschieht mit mir?“, krächzt sie, ehe ihre Stimme bricht.


„Wovon sprichst du?“ Voller Besorgnis mustere ich sie. Ihre leuchtenden Augen verdunkeln sich, während sie mich verängstigt anstarrt. In dieser Sekunde scheinen die Konturen ihrer feinen Gesichtszüge zu verschwimmen.


Schlagartig begreife ich, was hier gerade passiert.


Hastig reiße ich sie an mich und lasse all meine göttliche Kraft in sie hineinfließen – ohne jeglichen Erfolg. Gegen diese vom Olymp entfesselte Urgewalt bin selbst ich machtlos.


Mit Entsetzen nehme ich zur Kenntnis, dass der Widerstand ihres Körpers unter mir verschwindet. Ihrer Kehle entfährt ein letztes gequältes Jammern, ehe sie in meinen Armen zu Staub zerfällt.


Sekundenlang bin ich wie gelähmt, starre auf die feinen Körnchen, die lautlos aufs Bett rieseln. Ein paar winzige Staubpartikel tanzen vor meinen Augen, während ein Sturm der Emotionen meinen Körper zum Vibrieren bringt.


Ich springe auf und schaue suchend um mich. Doch die große Liebe meines Lebens ist und bleibt verschwunden, besteht nur mehr aus einer Handvoll Dreck.


Glühende Lava scheint jäh durch meine Venen zu fließen, saugt jedes menschliche Gefühl in sich auf und spült es sintflutartig aus meinem Körper. Letztendlich herrscht in meinem Kopf einzig Finsternis, während ein unbeschreiblicher Schmerz in meinem Inneren explodiert.


In diesem Augenblick entgleitet mir die Kontrolle über meine göttlichen Kräfte. „Neiiin!“ Mein Schrei erschüttert die Villa gleich einem heftigen Erdbeben. Bilder krachen von den Wänden, Vasen und Kerzenleuchter gehen klirrend zu Boden.


Ich werfe den Kopf in den Nacken, schaue nach oben und recke eine geballte Faust in die Luft. „Zeus, ich schwöre dir, das wirst du mir bis in alle Ewigkeit büßen“, verkünde ich mit bedrohlich leiser Stimme.


Keine Sekunde später stürzt das Gebäude um mich herum in sich zusammen.


Kapitel 1


 


Washington, D.C. - Sommer 2017


 


Abigail


 


Heute werde ich sterben!


Ich weiß es in der Sekunde, als ich in die Augen des Mannes sehe, der seine Waffe auf mich gerichtet hat. Er wirkt völlig entspannt, doch in seinem Blick erkenne ich kaltblütige Entschlossenheit.


Hilfe suchend spähe ich um mich. Zu solch später Stunde ist die Tiefgarage des Apartmenthauses menschenleer. Mit Unterstützung kann ich demzufolge nicht rechnen.


Ich spiele mit dem Gedanken, meine Waffe zu ziehen. Doch ich bezweifle, dass ich flink genug bin.


Kapitulierend recke ich daher beide Arme in die Luft. Meine Erfahrung als Psychologin und FBI-Agentin sagt mir, dass dieser Kerl nicht auf Geld aus ist. Er wirkt auch nicht, als wäre er an meinem Körper interessiert.


Er will definitiv meinen Tod!


Ich zermartere mir den Kopf, ob ich ihm jemals zuvor begegnet bin, komme aber zu keinem Ergebnis. Mir bleibt einzig der Versuch, ihn von seinem Vorhaben abzubringen.


Ich räuspere mich. „Wer sind Sie? Und was genau wollen Sie? Bitte reden Sie mit mir!“ Meine Stimme klingt gefasst und eindringlich. Ich appelliere an den gesunden Menschenverstand meines Gegenübers.


Während der Ausbildung in Quantico habe ich gelernt, selbst in einer solch ausweglosen Situation die Ruhe zu bewahren. Dass meine Herzfrequenz sich momentan im oberen Bereich befindet, würde kein Außenstehender bemerken.


Der blonde Typ verzieht das Gesicht. „Reden! Dass ich nicht lache! Oh nein, Agent Edwards, ich bin ganz sicher nicht zum Reden hier. Ich möchte lediglich verhindern, dass Sie mir erneut in die Suppe spucken.“


Ich begutachte den Mann genauer, studiere seine Mimik und Körperhaltung. Mit der Jeans und dem verschlissenen T-Shirt wirkt er unauffällig. Außer den Sommersprossen und dem stechenden Blick aus grauen Augen fallen mir keine offenkundigen Merkmale auf.


Immerhin weiß ich jetzt, dass er über meine Identität im Bilde ist.


„Wollen Sie mir nicht erklären, wovon genau Sie sprechen?“, unternehme ich den Versuch, Zeit zu schinden. „Es wäre wahrlich eine Schande, wenn ich nicht einmal wüsste, warum ich sterben muss.“


Der Anflug eines Grinsens zuckt um seine Lippen. Er genießt meine missliche Lage. „Sie sind clever. Das ist Ihr Fehler. Sie sind mir bereits viel zu nahegekommen, hätten mich um ein Haar erwischt. Damit haben Sie Ihr Schicksal besiegelt.“


Mein Gehirn arbeitet auf Hochtouren. Eine furchtbare Ahnung steigt in meinem Hinterkopf auf. Schlagartig begreife ich, wem ich gegenüberstehe: weiß, männlich, um die vierzig, völlig unscheinbar. Doch in Wirklichkeit bringt er den Tod.


„Sie sind der Sauna-Killer!“


Er deutet ein zufriedenes Nicken an. „Schlaues Mädchen. Verraten Sie mir zumindest noch, wie Sie mir auf die Schliche gekommen sind?“


Ich zögere keine Sekunde. Womöglich kann mich ja die Wahrheit retten. „Während der Erstellung des Täterprofils fiel mir auf, dass die Morde grundsätzlich an extrem heißen Tagen geschahen.“ Ich lege eine rhetorische Pause ein und fixiere meinen Widersacher. „Letztendlich stellte ich mir die Frage, wem es missfallen könnte, dass Menschen bei solchen Temperaturen eine Sauna aufsuchen. Da Ihre Opfer durchweg alleinerziehende Mütter sind, stieg der Verdacht in mir auf, dass Ihre Mutter Sie womöglich als Kind unerträglicher Hitze ausgesetzt hat.“


Ich zucke mit den Schultern. „Folglich konnte ich erahnen, wann Sie erneut zuschlagen würden und ließ Hotels, öffentliche Bäder und Wellnessbereiche überwachen.“


Er lauscht gebannt meinen Worten, widerspricht nicht, was mir signalisiert, dass meine Einschätzung zutrifft. In der Hoffnung, doch meine Waffe zu erreichen, lasse ich die Arme kaum merklich Stück für Stück sinken.


Ich bombardiere ihn mit einem auffordernden Blick. „Jetzt müssen Sie aber auch meine Neugier befriedigen. Verraten Sie mir, was man Ihnen angetan hat? Wurden Sie als Kind zu Saunabesuchen gezwungen? Lebten Sie in einer extrem heißen Wohnung? Einem Trailer vielleicht, oder …?“


„Hören Sie auf damit!“, schneidet er mir rabiat das Wort ab. „Sie haben ja keine Ahnung.“


Die schlechten Erinnerungen haben ihn aus dem Konzept gebracht. Mit einem Fünkchen Glück könnte es mir gelingen, ihn derart zu irritieren, dass ich meine Pistole zücken kann. „Ich verstehe, dass Sie unter diesen Umständen Hitze zutiefst verabscheuen“, plappere ich eifrig weiter. „Hat Ihre Mutter Sie eingesperrt, Sie alleine gelassen?“


Seine Körperhaltung versteift sich. Ich muss einen wunden Punkt getroffen haben. Allmählich verschwindet die Entschlossenheit aus seinen Augen. Er gerät ins Wanken.


Ich darf ihn jetzt nicht vom Haken lassen. „Sie hatten keinerlei Beistand, haben gelitten wie ein Tier“, knüpfe ich übergangslos an. Ohne den Blickkontakt auch nur eine Sekunde abzubrechen, lege ich den Kopf schief. „Erzählen Sie mir, was Ihnen zugestoßen ist. Bitte! Ich kann mich für Sie einsetzen und Ihnen Unterstützung bieten, um besser damit klarzukommen.“


Er beißt sich gedankenverloren auf der Lippe herum. Hoffnung steigt in mir auf. Noch ist nicht alles verloren.


Doch in dem Augenblick, als ich erneut ansetzen will, nähert sich ein Fahrzeug der Tiefgarage. Ratternd setzt sich das große Rolltor in Bewegung.


Das durchdringende Geräusch reißt den Killer aus seinen Überlegungen. „Ich hasse Sie!“, zischt er.


Mit Entsetzen bemerke ich, wie sich die Muskulatur in seiner Hand mit der Pistole anspannt.


Entschlossen drückt er ab.


Noch ehe ich den Schuss höre, werfe ich mich zu Boden. Im Fallen greife ich nach meiner Waffe. Zeitgleich schlägt die erste Kugel in meinen Oberkörper ein. Von der Wucht des Aufpralls werde ich nach hinten geschleudert. Mit einem lauten Poltern krache ich gegen die Fahrertür meines Wagens, der hinter mir steht.


Ein brennender Schmerz durchfährt mich, dennoch gelingt es mir, meine Pistole zu ziehen. In diesem Moment trifft mich der zweite Schuss. Adrenalin flutet jede Vene meines Körpers, lässt mich die Verletzungen kaum mehr spüren.


Ich vernehme einen dritten Knall. Mit einem weiteren dumpfen Schlag gegen meine Brust dringt die nächste Kugel in mich ein.


Auf diese Art hat er seine Opfer getötet, drei gezielte Schüsse in den Oberkörper.


Das war es dann wohl!


Während mir die Waffe aus der Hand rutscht, höre ich Schritte, die sich eilig entfernen.


Aller Voraussicht nach lässt er von mir ab. Doch das wird mir jetzt auch nicht mehr helfen. Ich habe in meiner Laufbahn beim FBI einige Menschen sterben sehen. Auch für mich wird jegliche Hilfe zu spät kommen.


Man liest ja häufig, kurz vor dem Tod würde das ganze Leben an einem vorbeiziehen. Ich kann das nicht bestätigen. Mein Gehirn hat sich offenbar noch nicht mit dem Sterben abgefunden. Verzweifelt sucht es weiterhin nach einer Möglichkeit des Überlebens, denn mein Bedarf an dieser Welt ist noch lange nicht gedeckt.


Ich liebe mein Leben, meine Familie und meine Freunde. Ich werde auf gar keinen Fall gehen, ohne mich von ihnen verabschiedet zu haben.


Die jungen Mädchen, die ich trainiere, kommen mir in den Kopf. Tweeties, nenne ich sie liebevoll. Sie sind auf mich angewiesen. Ich kann sie nicht kampflos sich selbst überlassen. Ein Teil ihrer Zukunft liegt in meinen Händen.


Mit einem letzten Aufbäumen zerre ich mein Handy aus der Jackentasche. Doch ich wähle nicht den Notruf, sondern presse eine der Kurzwahltasten.


„Audrey, du musst mir helfen“, flüstere ich. „Bitte, du bist meine einzige Chance.“


 


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