Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern



Kategorien
> Belletristik > Es geschah an Weihnachten
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Belletristik
Buch Leseprobe Es geschah an Weihnachten , Evelyne Kern
Evelyne Kern

Es geschah an Weihnachten


Eine wahre Geschichte aus Tunesien

Bewertung:
(32)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
276
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
Im Buchhandel und bei Alaria.de
Drucken Empfehlen

Ihre Augen lagen seltsam tief in den Augenhöhlen. Das eine Auge zierte eine blau-rote Umrandung. Das Auge selbst war geschwollen, sie konnte es nicht öffnen. Wir hoben sie auf und setzten sie auf eine Bank, die vor dem Geschäft nebenan stand. Erst hier im Schein einer Straßenlaterne sahen wir das ganze Ausmaß ihrer schweren Verletzungen.
Ihr ganzer Körper war mit blauen Flecken und roten, blutunterlaufenen Striemen übersät. Ihr linkes Handgelenk war ebenfalls dick geschwollen und am Hals sahen wir geronnenes Blut über einer Wunde. Ihr langer, bunter Baumwollrock war zerrissen, ihre dünne, langärmelige Bluse, die wohl mal weiß war, hing nur noch in Fetzen an ihr. Sie war barfuß. Ihre Füße waren zerschunden und bluteten.

Unsere wartenden Freunde auf der anderen Straßenseite wurden ungeduldig. Wir schickten sie schon mal nachhause und blieben bei der Frau, die nur langsam begriff, dass ihr jemand helfen wollte, denn sie wehrte sich zuerst, als wir sie vorsichtig an den Schultern fest hielten.
Mehrmals fragten wir sie, was denn passiert sei. Dann kamen ganz zaghaft leise Worte aus ihrem Mund.
„Sind Sie Deutsche?“
„Ja, wir sind Deutsche“, antwortete ich.
„Können Sie mir helfen?“, kam zögernd über ihre aufgerissenen Lippen.
„Sicher können wir Ihnen helfen, aber erzählen Sie was passiert ist. Wer hat Sie so zugerichtet?“
„Mein Mann, es war mein Mann.“
Aus ihren Augen quollen Tränen und sie schüttelte mit dem Kopf.
„Ich habe das Haus ohne seine Erlaubnis verlassen. Ich wollte weglaufen.“
„Und er hat Sie erwischt und so misshandelt?“
„Ja, wie immer wenn ich etwas tue, was ihm nicht gefällt.“
Meine Bekannte und ich sahen uns nur an und wussten, was zu tun ist.

Da wir an diesem Abend kein Auto dabei hatten, warteten wir bis ein Taxi vorbeifuhr und hielten es an. Wir wickelten die junge Frau in das große Tuch, das meine Freundin um die Schultern trug, setzten sie in den Wagen und fuhren mit ihr zum Krankenhaus. Wir konnten nicht riskieren, dass der Taxifahrer merkte, dass es sich um eine Deutsche handelte oder er sie womöglich kannte. Er hätte es sofort weitererzählt.


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2018 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 2 secs