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Belletristik
Buch Leseprobe Engelhorn, Stephan Rossmann
Stephan Rossmann

Engelhorn


Die wunderbare Sinnlosigkeit der Jugend

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Mein Hausarzt, Nächstenliebe und giftspuckende Vorzimmerdrachen Ich war entschlossen meinen Hausarzt zu konsultieren, den Weißen unter den Göttern. Ein kleiner Umweg, mehr auch nicht, parkte ich den Admiral direkt vorm Eingang seiner Praxis in der Fußgängerzone. So viel Fürst muss sein. Ich stolzierte in seine Kathedrale, ignorierte souverän die weißgekleidete Dienerschaft und marschierte zielstrebig in den reichverzierten Thronsaal. Ein kurzes „Servus!“ musste reichen. „Das ist doch abnormal, dass ich unter der Liebe zu meinen Mitmenschen leide! Einer wie ich, der zu Höherem berufen ist!“, regte ich mich auf, machte staatsmännische Gesten und lief im Kreis. Mein Hausarzt blieb ruhig und sagte vorerst nichts. Geschickt wartete er ab. „Wer ist denn jetzt verrückt? Ich oder die? Die oder ich?“, legte ich nach. Gierig nach einer Diagnose, mit anschließender Therapie. Ich brauchte das komplette Programm. Der weiße Gott glotze interessiert, eventuell wegen meiner Aufdringlichkeit, vielleicht weil er Arzt war und schlau genug, den Ernst der Lage zu erkennen. Souverän beruhigte der Herr Doktor die giftspuckenden Vorzimmerdrachen, die im Türrahmen Position bezogen. Verwöhnte Biester, die vor Wut kochten, bereit mir einen tödlichen Cocktail zu spritzen. Ruhig und sachlich beförderte er die Aufregung nach draußen. „Alles in Ordnung!“, versicherte er dem aufgebrachten Personal mit beschwichtigenden Gesten. Nachdem dies geklärt war, widmete er seine Aufmerksamkeit der Beantwortung meiner Fragen. „Rossi! Ich muss dir sagen, so was ist durchaus üblich.“ Mit genau der überheblichen Fresse, die ich so an ihm schätzte, begann er seinen Vortrag. „Verdammt, die nutzen meine Liebe aus. Sowas ist doch pervers! Oder etwa nicht? Wer autorisiert so was?“, unterbrach ich den weißen Gott. Mein Arzt blieb ganz der Alte. Sobald die Lage kompliziert wurde, veranstaltete er nichtssagende Gesten und starrte zu einem imaginären Punkt, irgendwo hinter meinem Rücken. „Nächstenliebe!“, kam aus seinem verfaulten Maul gefallen. Ein Schlagwort, ausnahmsweise nicht Latein und der Laie soll wissen, um was es geht. Musste ich mich mit Krankheiten auskennen? „Was ist das jetzt wieder für ein Rotz - Nächstenliebe?“ Ich benötigte Hilfe und der kam mit seiner Ich-weiß-was-was-du-nicht-weißt-Fassade, die ihm irgendwann das Genick bricht. Einer der Mordwerkzeuge offen rumliegen lässt, sollte vorsichtiger hantieren und sich weniger in Selbstzufriedenheit suhlen. So oder so kostete mich sein Getue schier unmenschliche Überwindung. Liebend gern hätte ich ihm eine der Spitzen direkt ins Auge gejagt. Da hatte ich irgendwie Bock drauf. „Du leidest unter Nächstenliebe!“, antwortete er, knapp vor der Hinrichtung. „Aha“, sagte ich. „Nächstenliebe wurde dir in die Wiege gelegt. Dafür gibt es kein Medikament, Therapie oder Kur, die ich verschreiben könnte. In diesem speziellen Fall musst du dir selbst helfen. Du glaubst … Nein! Du bist der festen Überzeugung, du hättest eine Verpflichtung gegenüber jedem, der sich in dein Leben drängt. Du hilfst diesen Menschen und tust alles für sie. Du opferst dich, so gut du kannst, bis sie dich verlassen, wenn sie selbst stark genug sind. Kraft saugend, leben sie von deiner Energie, bis nur noch ein ausgedrückter Schwamm übrigbleibt“, sagte der Onkel Doktor, mit einer ungewohnt besorgten und väterlichen Stimme. Der alte Mann glotzte mich an, als wäre er mein Vater. „Du leidest an Nächstenliebe! Eine ernüchternde Diagnose, aber so verhält sich diese Krankheit. Anfangs versuchst du den Schwachen zu helfen, verschwendest irrsinnig viel Zeit und Energie, nur um festzustellen, dass du selbst zum Schwächling wurdest. Ein Teufelskreis, aus dem sich nur die wenigsten befreien.“ Schlimme Diagnose und wahrscheinlich meinte es der Mann nur gut mit mir. „Verdammt nochmal! Was kann ich machen?“, bat ich um Rat, den er großzügig verteilte. „Ruhe! Du brauchst Ruhe! Ich schreib dich vier Wochen krank.“


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