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> Belletristik > Ein Freund sieht für zwei
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Belletristik Bücher
Buch Leseprobe Ein Freund sieht für zwei, Udo Fehring
Udo Fehring

Ein Freund sieht für zwei



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Es war wieder ein deprimierender Tag für Joey gewesen. Er merkte, dass seine früheren Freunde sich kaum noch für ihn interessierten. Mit Sicherheit hatte das mehrere Gründe: er traf sie nicht mehr so häufig wie früher, was einfach mit dem Umstand zusammenhing, dass er nun eine andere Schule besuchte; daneben konnte er nun mit seinen schlechten Augen viele Dinge nicht mehr tun, die er früher mit ihnen unternommen hatte. Aber sonst war er doch der gleiche Mensch geblieben und in einer Freundschaft sollte doch nur das wichtig sein!!!


 


Joey merkte auch, dass die Doppelbelastung für seine Mutter, die sich nun verstärkt um ihn kümmern musste, gleichzeitig aber auch noch länger arbeiten gehen musste wie früher, auf Dauer nicht gut gehen konnte. Sie liess es sich zwar nicht anmerken, aber Joey merkte, dass diese Belastung hart an ihre physischen Grenzen ging.


 


Dann fasste er seinen Mut zusammen und sagte: „Du hast mir letztens erzählt, was Du über Blindenhunde gelesen hast...". Joey stockte ein wenig der Atem.


Barbara drehte sich zu ihm um.


Joey sprach weiter: „Ich weiß, dass wir gar kein Geld dafür haben. Und ich weiss auch, dass unser Whealer gar nicht in die Beschreibung dieser Hunde passt. Aber können wir es nicht doch mal mit ihm probieren."


Barbara machte nur eine hoffnungslose Handbewegung, so, als wollte sie Joey helfen, aber konnte es doch nicht. „Aber Joey!" versuchte sie an seine Vernunft zu appellieren. „Ich dachte, wir waren uns einig, dass das für uns nicht in Frage kommt. Man kann Menschen nicht verbiegen und Hunde erst recht nicht. Und das ist das, was wir machen würden und was einfach nur aussichtslos wäre!"


„Aber...". Joey wollte etwas dagegensetzen, aber er fand wieder keine Worte.


Dann setzte er noch mal an: „Aber wir haben es doch gar nicht versucht!"


Barbara merkte, dass Joey nicht so schnell locker lassen wollte.


„Und wie hast Du Dir das vorgestellt?" fragte sie ihn nun mit energischer Stimme.


„Viele meiner Mitschüler haben auch einen Blindenhund. Jeden Samstag finden an unserer Schule zwei Übungsstunden für diese Hunde statt. Wir könnten doch einfach mit Whealer auch mal dorthingehen. Zu verlieren haben wir doch nichts oder?!" Joeys Stimme klang unglaublich hoffnungsvoll.


Barbara wollte Joey eigentlich nicht im Wege stehen. Sie hatte allerdings Angst, dass er sich hier falsche und übertriebene Hoffnungen machte. Allerdings überraschte es sie auch, dass er sich dennoch weiter mit dieser Sache befasst hatte, denn es zeigte ihrer Meinung nach, dass er sich nicht ohne weiteres seinem Schicksal fügen wollte, sondern aktiv mitarbeiten wollte, die Umstände zu verbessern.


Barbara entgegnete: „Ich werde es mir überlegen."


Joey war ein wenig enttäuscht über diese Antwort, aber irgendwo hatte er auch Verständnis für das Zögern seiner Mutter, denn eine Zustimmung würde eine weitere Verpflichtung für sie bedeuten bei der wenigen Zeit, die sie noch für sich hatte und einer wohl objektiv nicht sehr grossen Chance auf Erfolg dieser Aktion.


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


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