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> Belletristik > Die Schakale der Inquisition:
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Belletristik
Buch Leseprobe Die Schakale der Inquisition: , Mirjam Wyser
Mirjam Wyser

Die Schakale der Inquisition:


Eine Liebe aus karmischer Sicht

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Fahrt in die Spiegelwelt Hoch und nüchtern ragt die Bahnhofshalle aus Glas und Stahl inmitten des Dunstes der großen Stadt heraus. Wie eine Sonnenuhr wacht die Bahnhofsuhr über dem unendlichen Getümmel des Bahnhofsalltags. Ihre schwarzen Zeiger rücken unerbittlich, wie der Wille der Götter, vorwärts. Was sie zeigt, ist nicht die unendliche Zeit, sondern das Schicksal selbst. Hier treffen sich Ereignis, Entscheidung, Hoffnung, Verzweiflung und Ergebenheit im überquellenden Markt des Lebens. Wir kommen an, wir fahren ab. Wenn ein Mensch das Traumland der Jugend verlässt, ist es der Pfiff der Lokomotive, die ihn in die unbekannte Ferne bringt. Und die Stationen des Lebens sind die Bahnhöfe. Im letzten Augenblick hat Marcy den Zug erreicht. Die Türen schlagen zu, die Menschheit wird in zwei Teile gespalten: die Einen, die gehen müssen, und die anderen, die bleiben müssen. Die Bahnhöfe des Lebens sind umgeben vom geheimnisvollen und erwartungsreichen Glanz des Unbekannten. Marcy verstaut das Gepäck in der Ablage und nimmt am Fenster Platz. Sie lehnt sich zurück und schaut gedankenverloren durchs Fenster. Die Fahrt beginnt, der Schnellzug rollt sein eintöniges Lied durch die trübe Landschaft. Über einem See fliegen hunderte von Schwalben. Ihr Vögel fliegt mit mir. Mit dem Wind ganz nahe am Himmel durch das Land der Zärtlichkeit. Dorthin, wo die Sonne die Herzen wärmt und keine Träne mehr fließen kann. Ein eigenartiges Gefühl überkommt sie bei diesem Anblick. Ihre Gedanken schwelgen ständig in Erinnerungen, Sehnsucht und Hoffnung. Eigentlich ist es ein Tag wie jeder andere auch. Eine Stunde wie viele. Ein Moment wie jeder andere und doch liegt etwas Unfassbares in der Luft. Es ist eine Spurensuche zwischen den Gefühlen, zwischen den Zeilen des Lebens. Zwischen Liebe, Wut und Frustration. Ich muss zwischen diesen Gegensätzen den Königsweg finden. Vinzenz, ich schicke dir einen Engel durch Zeit und Raum, er soll dich mit meinen Tränen der Wehmut sanft berühren. Ich vermisse dich und warte auf dich, denkt Marcy. Draußen regnet es fein. Der monotone Rhythmus des Zuges befreit ihren Geist. Sinnend schaut sie den glitzernden Tröpfchen zu, die zitternd an den Fensterscheiben hängen und schließlich in einem schmalen Bächlein hinabfließen. Das stille Beobachten ist wie eine Meditation. Wir Menschen sind alle so klein und weniger als ein Tropfen im Meer der Ewigkeit. Aber viele Tropfen machen das Meer und können stürmen wie Ozeane. Wir sind alle nichtig und wichtig zugleich. Wir tragen Kultur und Fortschritt, tragen Blüte, Größe und Untergang in uns. Das Geheimnis der Liebe ist irgendwie unser aller Geheimnis, die wir leben und vergehen. Ach, ich weiß nicht, wer ich bin, träumt Marcy vor sich hin. Schwer liegt der milchweiße Nebel über der Landschaft. Plötzlich hat sie das Gefühl, als schwebe eine weiße Gestalt mit dem Nebel mit. Marcys Blicke hängen sich an ihr fest. Sie ist wie vom realen Leben ausgeklinkt in einem Zustand zwischen Schlafen, Träumen und Wachsein. Sie durchdringt die Nebelwand. Der Moment schwebt glitzernd bunt daher. Unzählige Flimmerpunkte kommen auf sie zu, eine Art Lichtband am Horizont. Marcys Augen glänzen. Sie durchlebt einen aufleuchtenden Augenblick voller Schönheit. Die weiße Nebelgestalt zieht den Schleier weg und sie taucht in die verborgene Welt ein. Ein fantastisch schöner Lichterbaum von noch nie gesehener Schönheit, mit silbern gespeicherten, zarten Blättern, durchsichtig wie Seifenblasen, wird vor ihren Augen sichtbar. Der Stamm ist umgeben von rötlichem Mohn. Die Blumen öffnen ihre Blüten. Bienen fliegen umher, landen auf dem Kelch und tragen den Nektar in die Welt. Der Himmel erhellt sich. Die Gottheit sät Sterne in die Welt. Die Stimme der Nebelgestalt hinter der verborgenen Welt meldet sich wie eine Symphonie, wie ein flammender Sonnenaufgang, begleitet von einer Sehnsucht nach den Geheimnissen des Lebens. Einen Regenbogen hält sie in der Hand, der groß und rund ist wie die Welt, unendlich groß wie die große runde Welt. Schön ist er, so siebenfarben bunt. Und dazwischen wehen so flügelhaft Gedanken der Liebe wie sieben Sterne voller Kraft. Wenn wir vergehen, sind wir wie Winde, die über den Hügeln mit großen Flügeln auferstehen und wir atmen wieder die selige Lichtluft in den Höhen. Es ist ein Lied, das in der Stille klingt und beim Lärm verstummt. Das sich im Traum, in der Vision offenbart und beim Erwachen zurückzieht.


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