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Ab Seite 28 - 31
Nach einem Tag harter, körperlicher Ertüchtigung gibt es nichts schöneres, als sich den Bauch zum späten Abendbrot bei Muttern ordentlich voll zu stopfen. Wir drängten uns allesamt in die Essküche der Ferienwohnung. Meine Wangen glühten hochrot und zum ersten Mal nach vielen Wochen fühlte ich mich trotz des Ski- Desasters ausgeglichen. Auf dem Tisch standen noch die Reste vom Hackigel, als Onkel Harald seine Schnapsrunde einberief.
»Burschi hol mal die Literflasche Bärwurz aus dem Oberschrank. Hab ich gestern für uns besorgt. Den ersten Urlaubstag sollte man gebührend begießen!«
Unter giggelnder Zustimmung stand Jost auf und öffnete besagten Oberschrank. Er griff die Flasche und nicht damit rechnend, dass diese so groß und schwer war, flutschte sie ihm aus den Fingern und direkt, aus gut einem Meter Höhe, auf das soeben von Mutter polierte Ceranfeld des Herdes.
Krawomms! Es krachte erbärmlich. Die Platte zerbarst mittig und Entsetzen machte sich breit. Der Kenner weiß, das Bärwurzflaschen aus schwerem Steingut bestehen und dass Cerankochfelder dem niemals standhalten können. Mutter raufte ihre Haare und rotierte durch die Ferienwohnung. Selbst Onkel Harald kämpfte mit seiner Beherrschung, »Potzdonner Junge, der Bärwurz!«
Mutters Stimme drang in keifende Höhen, »zum Teufel mit dem Zeug! Harald, diese Platte kostet mindestens zweitausend Euro. Wir müssen diesen Moser holen! Vater, sind wir versichert?«
»Hmbrrlm ...« grummelte Vater Paschke und tippte auf seinem Handy rum, »ich versuch unseren Versicherungsfritzen zu erreichen.«
Nachdenklich blickte Harald zur Terrasse, »heute ist Sonntag und da sind die Läden zu, so ein Pech aber auch.«
»Vielleicht hat ´ne Tanke auf?«, warf Jost ein. Nebenbei versuchte er Scherben sicherzustellen und die streng riechende alkoholische Flüssigkeit aufzuwischen. Mittlerweile hockte Mutter zwischen Oma Beck und Tante Isa auf der Eckbank und ließ sich die schweißigen Hände halten, derweil Oma Lindholm ihr Luft zufächelte.
»Wie kann man in dieser Situation noch an Schnaps denken? Oh, meine Nerven ... Heini, nun mach schon!«
»Jaja!«
»Wenn da keiner rangeht, hole wenigstens den Moser!«
»Ist ja gut ...«
»Ja muss ich denn hier alles selber machen?«
»Beruhige dich Ingekind.« Während Oma Beck Ingekinds Oberarm massierte, trotteten Heinrich Paschke und Roman hinüber zum Haupthaus, um die Wirtsleute zu verständigen.
»Ja sauber!« Kommentierte Ernst Moser den Schaden und blickte Kopfschüttelnd auf den Zentimeter tiefen Sprung des Kochfeldes. Onkel Harald nuschelte etwas von Versicherung und Schadensübernahme, schließlich war Jost sein Ziehsohn. Letzterer stand auch eifrig bedröppelt und gesenkten Hauptes neben dem Herd.
»Mei, dös regeln mia über euer Versicherung, aber so schnell hat´s koa Ersatz hier mit oa Platten. Die muss i aus Salzburg ordern. Kochen könnt´s da vorerst net. Tja, der Bärwurz steht a noch guat im Raum, gell?«
Harald Paschke strich über seine Leber, »besser er würde hier stehen!«
»Ah geh´, dann kimmst nachher in die Stuben, auf den Schreck genehmigen mia uns oan oder zwoa!«
Nachdem der Schock mit der Kochplatte überwunden beziehungsweise fort getrunken war, ging es tags darauf zurück auf die Piste. Melle und Jost waren bereits mit ihrem Snowboardlehrer unterwegs, als auch wir das erste Mal mit der Ikarus- Gondelbahn in wenigen Minuten die 1800 Höhenmeter zur Bischlinghöhe überwanden.
Der Panoramabergblick war überwältigend. Wir hatten direkte Sicht auf den Hochkönigstock, der sich wuchtig gen Himmel hob. Gleich daran zog sich das Hagengebirge entlang. Rechterhand trotzte das Tennengebirge herabhängenden Wolken, derweil hinter uns unübersehbar die Dachsteingruppe aufwartet. Staunend standen wir inmitten einer zauberhaft verschneiten Märchenwelt der Berge und die wenigen Worte an dieser Stelle können der Wirklichkeit weder gerecht werden, noch widerspiegeln. Man muss es gesehen haben! Verzückt über die geologischen Aufwerfungen der Bergwelt, verlor sich Torsten in wissenschaftlichen Ausführungen. Mehr der Höflichkeit halber hörten wir zu. Fotos wurden geschossen, Harald filmte die Bergwelt und irgendwann sagte Torsten, »seht nur, diese Spitzen und Wölbungen dort drüben! Wenn ihr jetzt eure Köpfe so dreht, dass ihr die Berge horizontal vor euch habt, dann könnt ihr anhand der Auffaltungen erahnen, was für unwahrscheinliche Kräfte gewaltet haben seit der Trias vor 240 Millionen Jahren! Und als sich später die Gletscher darüber wälzten ...«
»Aha«, quietschte Isadora und ahmte Torstens Bewegungen nach. Dabei versuchte sie ein möglichst intelligentes Gesicht zu machen, so als würde sie alles verstehen.
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