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> Belletristik > Die Farbe des Kraken
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Belletristik Bücher
Buch Leseprobe Die Farbe des Kraken, Volker König
Volker König

Die Farbe des Kraken


Novelle

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Intermezzo III


Der Vollständigkeit halber muss ich erwähnen, dass nach dem Tumult zuvor immer noch nicht alle der wenigen noch anwesenden Mitglieder unserer Familie der Erzählung entspannt gelauscht hatten. In Wahrheit hatte sich ein anderer meiner Onkel ziemlich unwohl bei der ganzen Sache gefühlt. Dieser Onkel war angeheiratet und ein eifriger Verfechter der christlichen Glaubenslehre. In seinen Augen könne man den Papst nicht als Kirmesbudenschreier sehen, stieß er jetzt hochrot hervor, und auch die Sache mit den Dogmatikern empörte ihn.


Aber es sei doch die Geschichte von Kurt, und in dessen Vorstellung sei der Papst ein Kirmesbudenschreier. Da könne man nichts machen. Außerdem habe der Junge (das war ich) diese Geschichte weiterhören wollen und nicht die des Onkels, die speziell an dieser Stelle sicher anders ausgefallen wäre.


Ja, der Junge, hatte er gebrüllt. Immer gehe es nur nach diesem Jungen. Andere hätten auch Kinder, aber dieser spezielle Junge könne ja sogar auf den Tisch kacken, und trotzdem würde ihm das nachgesehen. Seine Kinder, die er mit in die Ehe gebracht habe, seien von niemandem hier angenommen worden, brüllte er, jedenfalls nicht so, wie er es sich vorgestellt habe. Der zeitweilig raue Ton in unserer Familie würde ihm auch nicht gefallen, nur seine Frau würde ihm gefallen, alle anderen aber könnten ihm den Buckel runterrutschen. Er wisse selbst, dass er derzeitig keinen Job habe, aber das liege an der Konjunktur. Sie könnten sich der Kinder wegen gar nichts mehr leisten.


Aber sie würden doch immerhin noch leben, ergriff jetzt ein Kurt-Sympathisant das Wort. Wenn man Kinder in die Welt setze, ohne genug Kohle dafür zu haben, dann brauche man sich nicht zu wundern. Und hinterher sein Dilemma auf das Ergebnis der paar Sekunden Geilheit zu schieben, sei ja wohl die Höhe!


Da vergoss er Tränen, und meine Tante hielt es für das Beste, die Feier mit ihm und den Kindern zu verlassen. Später soll er sich bei allen Anwesenden entschuldigt haben. Er habe das alles gar nicht so gemeint, und er sei bestimmt auch ungerecht dabei gewesen. Aber die Erzählung habe ihn an die Grenze seiner Toleranz geführt.


Nun ja, Familientreffen.


 


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