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> Belletristik > Die Elfe im Garten
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Belletristik Bücher
Buch Leseprobe Die Elfe im Garten, Margaretha Main
Margaretha Main

Die Elfe im Garten


Band 1 der Elfen-Reihe

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Ich kann mich noch genau an meinen ersten Kontakt mit der Schule erinnern. Mutter und ich wurden zu einem ersten Kennen lernen bestellt. So trabten wir zwei die dreihundert Meter zum Schulgebäude und warteten geduldig, bis man uns einließ. Mutter war viel aufgeregter als ich und so waren wir mindestens eine halbe Stunde zu früh da. Erst nach und nach gesellten sich andere Mütter und deren Kinder zu uns. Dann marschierten wir alle in ein Klassenzimmer. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich solch einen Raum betrat. Es war ziemlich warm darin und es stank tierisch nach Íl. Rechts und links der Schiefertafel standen die Verursacher dieser Affenhitze. Zwei riesige Íl÷fen strahlten ihre Hitze bis in die letzte Bank. Ich war nur froh, dass wir in dem ganzen Gedränge etwas vom Wege abgekommen waren und so etwas weiter hinten standen. Vorn muss eine Backofenglut geherrscht haben. Alle hatten sehr schnell rote Gesichter und Schweißperlen auf ihren Stirnen. Hatte ich draußen noch etwas gefr÷stelt, war mir hier drin in sehr kurzer Zeit sehr warm geworden und mein Strumpfhalterhemd klebte mir am K÷rper. Was aber noch viel schlimmer war, war das Gekratze meiner niegelnagelneuen Wollstrümpfe. Dieses furchtbare Gejucke brachte mich fast um den Verstand. Auch mein neuer Pullover begann, mich zu ärgern. Auch er juckte mich an den Armen und am Hals. Immer wieder musste ich mich kratzen, um nicht den Verstand zu verlieren. Dafür erntete ich immer wieder strafende Blicke von meiner Mutter. Na, das konnte ja noch heiter werden. Wenn jeder Schultag so werden würde, dann würde ich ausreißen und lieber dumm bleiben. Ich wusste genau, dass ich mir das nicht antun würde. Lieber wollte ich als alte Jungfer in einer kalten nassen H÷hle enden, als hier den Kratzetod sterben. Ich wusste zwar damals noch nicht, was eine alte Jungfer ist, deren Schicksal wollte ich aber gern teilen, wenn ich dafür schulfrei bekam. Ein älterer Mann, der nur einen Arm hatte, stellte sich vor uns allen auf und hielt eine Rede. Ich verstand kein Wort von dem, was er da von sich gab. Meine Aufregung legte sich von Minute zu Minute und pl÷tzlich schreckte ich hoch. Ich war doch glatt eingenickt und mit dem Kopf auf die Tischplatte geknallt. Ich bekam sofort einen roten Kopf und guckte verschämt nach unten. Hätte ich mir sparen k÷nnen, da meinen Absturz sowieso kein Mensch bemerkt hatte. Alle h÷rten immer noch gebannt auf die Worte des Einarmigen. Also begann ich damit, in der Gegend herumzugucken. Die Wände waren voller Tuschebilder. Häuser, Sonnen, Bäume, Tiere und sonst noch so allerlei waren da von den Schulkindern gemalt worden. Pl÷tzlich spürte ich eine Hand auf meinem Kopf. Meine Mutter schaute b÷se zu mir herab und drehte mein Gesicht dem Einarmigen zu. Na gut, dachte ich, ich verstehe zwar nichts, kann ja aber so tun, also würde ich etwas verstehen. Mutter und die anderen starrten ganz gebannt nach vorn. Aber nein, da, eine Reihe vor mir, war ebenfalls ein Mädchen eingeschlafen. Dann wurde ich jäh aus meinen Gedanken gerissen. Eine Frau ging durch die Reihen und verteilte Zettel. Auf der linken Hälfte des Zettels waren Bilder dargestellt. Auf der Rechten fehlte immer irgendetwas. Die Frau, sie stellte sich uns als unsere Lehrerin vor, erklärte, dass wir uns die Bilder auf der linken Seite des Zettels genau ansehen sollten. Dann sollten wir diese mit den verstümmelten Bildern auf der rechten Seite vergleichen und das Fehlende ersetzen. Ich guckte mir das Ganze also genau an und dann schoss mir die Erleuchtung wie ein Blitzschlag durch mein Gehirn. Jetzt hatte ich die große Chance bekommen, nicht in die Schule gehen zu müssen! Auf dem linken oberen Bild war eine Lokomotive zu sehen. Aus deren Schornstein quoll dicker Rauch. Auf dem rechten Bild war dieselbe Lok noch einmal abgebildet. Allerdings fehlte bei der der Rauch. Wir sollten also diesen Rauch mit einem Bleistift nachzeichnen. Ich hatte die Unterschiede auf den Bildern natürlich sofort gesehen, zeichnete aber keinen Rauch über den Schornstein der rechten Lok, sondern tat nur so als ob. Ich dachte so bei mir, wenn ich mich jetzt dumm stelle, brauche ich nicht zur Schule gehen. Und da ich ja nichts dafür kann, dass ich nun mal dumm bin, brauche ich auch nicht als alte Jungfer in eine feuchte H÷hle ziehen. Vielleicht konnte ich ja von Omma das Stricken lernen und so meinen Lebensunterhalt verdienen. Recht schnell wurden die Zettel wieder eingesammelt und wieder redete jemand auf uns ein. Und dass es doch wichtig sei, dass auch wir Mädchen eine solide Ausbildung bekommen würden, um uns selbst ernähren zu k÷nnen und dass … Ich schaltete mal wieder ab. Wozu sollte ich überhaupt etwas lernen. Ich würde später sowieso meine Tante heiraten und dann würde die schon für uns sorgen. Der Gestank im Raum wurde immer schlimmer und ich verspürte ein riesengroßes Verlangen danach, einfach raus zu rennen. Das hätte ich mich natürlich im Leben nicht getraut, aber darüber nachzudenken war ja nicht verboten. Endlich ging diese langweilige Prozedur ihrem Ende entgegen. Unsere, nein eigentlich die Lehrerin der anderen Mädchen, ich war ja zu dumm, erklärte uns zum Abschluss, dass wir uns alle in drei Wochen hier zur offiziellen Einschulung wieder treffen würden. Das interessierte mich nicht so sehr, da das ja für mich nicht gelten konnte. Erleichtert trottete ich meiner Mutter hinterher nach draußen. Mein Gott, war das ein Unterschied. Diese frische Luft brachte meine Lebensgeister wieder in Gang. Ich wollte gerade davon stürmen, als ich den harten Griff meiner Mutter am Arm spürte. äKind, du weißt doch, dass du mit den neuen Sachen nicht spielen sollst! Zuerst mal wird sich umgezogen!ô Dann geschah etwas, das ich überhaupt nicht verstehen konnte. Ich hatte zwar im Kreise meiner Freundinnen sehr viel Neid damit ausgel÷st, als ich ihnen erklärt hatte, wie ich mich vor der Einschulung gedrückt hatte, musste dann aber zu meinem Schrecken feststellen, dass ich mich wohl zu früh gefreut hatte. Stellt euch doch bloß mal vor: die haben mich trotz des von mir verpatzten Eignungstests genommen. Auch ich musste nun mit Mutter zum Einschulungstermin erscheinen. Ich hoffte inständig, dass das Ganze ein Irrtum war. Nach so einem schlechten Testergebnis konnten die mich gar nicht nehmen, oder hatten die vielleicht meinen Testzettel mit dem Testzettel eines anderen Mädchens verwechselt? Das alles würde sich schon noch aufklären und dann würden sie mir mitteilen, dass ich von der Schulpflicht befreit bin. Leider war die Einzige, die sich irrte, ich selbst. Es ging kein Weg für mich an der Schule vorbei. Gott sei Dank brauchte ich aber auch nicht jedes Mal die Kratzesachen anzuziehen. Und mit der Zeit fand ich dann die Schule auch gar nicht mehr so schlimm. Die Lehrerin war auch nicht so einschläfernd wie der Einarmige und so fing die ganze Sache sogar an, Spaß zu machen.


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