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> Belletristik > Der tanzende Elch
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Belletristik
Buch Leseprobe Der tanzende Elch, Walter Uwe Weitbrecht
Walter Uwe Weitbrecht

Der tanzende Elch


Fabeln und andere Geschichten

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Das Spinnennetz Eine dicke, große Kreuzspinne spann ein ausgedehntes Netz zwischen die Äste von zwei Bäumen im Buchenwald. Sie dachte sich: „Je weiter ich das Netz spanne, desto mehr fange ich.“ Kein schlechter Gedanke, aber es kam ein kräftiger Wind auf, sodass das Schwanken der Äste das Netz zerriss. So blieb sie an diesem Tag hungrig. Am nächsten Tag dachte sie: „Ich nehme heute zwei dicke Äste, die können nicht so schwanken.“ Gesagt, getan! Sie warf erneut den Faden aus und spann ein riesiges Netz etwas tiefer zwischen zwei mächtigen Ästen. Der Wind konnte das Netz etwas zum Schwingen bringen, es zerriss jedoch nicht mehr durch eine Bewegung der Äste. Nach mehreren Stunden verfing sich eine Fliege im Netz, sodass die Kreuzspinne schon überglücklich die Beine kreuzte. Kurze Zeit später sprang ein Reh durch das Netz und zerstörte es erneut. Die Kreuzspinne baute es an derselben Stelle wieder auf, da ihr nichts Besseres einfiel. Es verfingen sich einige kleine Fliegen, die den nötigsten Hunger vertrieben. Dann flog ein Vogel mitten durch das Netz, nahm einen Teil mit, sodass nur der Randring, auf dem die Spinne saß, stehen blieb. Sie hatte großes Glück, dass der Vogel sie nicht erwischt hatte. Die Kreuzspinne aber dachte traurig, warum ist er nicht hängen geblieben, dann hätte ich genug für Tage. Am Nachmittag des Tages stieg sie den Baum hinunter und besuchte ihre kleine Schwester, die ein relativ kleines Netz im Unterholz zwischen zwei Heidelbeerbüschen über die Blätter hinweg gespannt hatte, in dem sich schon massenhaft Ameisen und einige dicke Schmeißfliegen verfangen hatten. Sie war etwas dicker geworden. Beim letzten Besuch war sie sehr viel kleiner gewesen. „Dir geht es gut. Du bist ja richtig fett geworden.“ „Ich habe genug zu essen. Aber du siehst hungrig aus. Du bist herzlich eingeladen. Schau dich in meinem Netz um.“ Die Kreuzspinne zögerte nicht und begann, sich satt zu essen. „Du warst immer kleiner als ich und hast ein viel kleineres Netz, aber dennoch bist du erfolgreicher.“ „Keiner ist zu klein, ein Meister zu sein“, antwortete ihre Schwester und begann im Netz fröhlich zu wippen. Die Schwingungen waren der Kreuzspinne unangenehm, sodass sie sich rasch verabschiedete und zu ihrem großen Netz zurückkehrte, in dem sich so häufig zu große Tiere verfingen, die sie nicht nutzen konnte. Ein wenig neidisch war sie auf ihre erfolgreiche Schwester, aber ihr großes Netz aufgeben, wollte sie nicht. Das eitle Krokodil und der Goldhamster Ein Krokodil lag unter Wasser und lauerte. Nur die Augen und die Nasenlöcher waren über Wasser, sodass man es nur bei genauem Hinsehen wahrnehmen konnte. Plötzlich wurde es unter Wasser von der Seite angestoßen, sodass es abrupt auftauchte und das Maul aufriss. Es war die Nachbarin, die mit einem Lachen fragte: „Sehe ich nicht toll aus? Ich habe in einem Bergwerksee gebadet. Seither schillern mein Schuppen türkis und rot.“ Sie wendete sich am Ufer hin und her, sodass man sie von allen Seiten betrachten konnte. Sie sah unvergleichlich aus. Die Schuppen schillerten im Sonnenlicht wechselnd grünlich oder rötlich, wobei sich die Farben je nach Lichteinfall veränderten. „Sag mir, wo der See ist, damit ich auch darin baden kann?“ „Aber es ist doch langweilig, wenn du genauso aussiehst wie ich. Vielleicht kannst du dir deine Schuppen vergolden lassen?“ Die Nachbarin dachte, das wird sie nie hinbekommen. Das Krokodil überlegte. Es wäre tatsächlich unmöglich, wenn sie sich von ihrer Nachbarin nicht unterscheiden würde. Sie wollte ja noch toller aussehen. Am Abend fragte es den Marabu, der am Ufer stand und nachdachte. „Du könntest dich vielleicht an den Goldhamster wenden“, sagte er und klapperte weise mit dem Schnabel. Am nächsten Morgen trottete das Krokodil zum Goldhamster auf einem Feld neben dem Ufer des Sees. Der Goldhamster erschrak, als das riesige Krokodil auftauchte und wagte nicht, sich zu rühren. „Kannst du mir meine Schuppen vergolden?“, fragte das Krokodil und riss die Schnauze auf, weil der Geruch des Goldhamsters seinen Appetit anregte. Dann siegte die Eitelkeit über die Gier und es tat so, als ob es gähnen wollte. „Du musst morgen wieder kommen“, sagte der Goldhamster mit zitternder Stimme, „ich muss erst die Farbe besorgen.“ Ihm war eingefallen, dass er seine Freundin die Hausmaus fragen konnte, ob sie ihm aus ihrer Wohnung Goldfarbe mitbringen könnte. Das Krokodil zog brummend ab und kam am nächsten Tag wieder: „Klappt es heute?“ Die Maus hatte Farbe und Pinsel gebracht, sodass der Goldhamster loslegen konnte. „Halte ruhig“, piepste der Goldhamster, kletterte auf das Krokodil und lackierte jede zweite Schuppe des Krokodils mit Goldfarbe. Das Krokodil gähnte noch einige Male heftig, dann gewöhnte es sich an den Goldhamsterduft und die Fressgier verschwand. Zufrieden sah es beim Blick zurück das Gold auf seinen Schuppen schimmern. Als das Krokodil am nächsten Tag seine Nachbarin traf, wurde diese grün vor Neid, denn ihre schillernden Farben waren durch das Lauern im See längst ausgewaschen. „Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung“, dachte das Krokodil und grinste.


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