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> Belletristik > Der Stalker im Nacken
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Belletristik Bücher
Buch Leseprobe Der Stalker im Nacken, Ulrike Mahlknecht
Ulrike Mahlknecht

Der Stalker im Nacken


belästigt bedroht verfolgt

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Der 20. Jänner 2000 war ein kalter, düsterer Wintertag. Es war ein Donnerstag - ich erinnere mich genau. Morgens um sechs Uhr war es noch stockdunkel. Nicht unbedingt ein Tag, an dem man sich gerne aus dem warmen Bett wälzt.


Seit mehreren Wochen arbeitete ich nun schon für das Grafikstudio in Bozen. Der lange Weg zur Arbeit und abends wieder nach Hause sowie das mehrmalige Umsteigen und Wechseln der Verkehrsmittel wurde allmählich zur Routine.


Es war 18.50 Uhr und bereits dunkel, als ich aus dem Kleinbus stieg. Nur wenige Meter trennten mich noch von meinem Zuhause, wo meine Familie bereits auf mich wartete, um gemeinsam zu Abend zu essen. Als ich an jenem Abend aus dem Bus steigen wollte, sagte unser Buschauffeur Franz Reich, den ich von meinen bisherigen Fahrten flüchtig kannte und wie alle anderen „Franzl" nannte, mit einem breiten Grinsen zu mir:


„Warte mal!", und drückte mir einen Brief in die Hand. „Du scheinst einen heimlichen Verehrer zu haben. Ich habe aber versprochen, nicht zu verraten wer er ist." Er zwinkerte mir noch zu, bevor ich aus dem Bus stieg.


Später berichtete Franz Reich der Polizei, dass ihn auf der Fahrt ein kleiner, glatzköpfiger Mann angesprochen hatte, der ihn gefragt hatte, ob er ihm einen Gefallen tun könne. Reich bejahte. Der Mann, der laut Aussage von Reich ein ständiger Benutzer des Kleinbusses war, übergab ihm einen Briefumschlag ohne Anschrift und ohne Absendermit dem Auftrag, ihn mir noch am selben Abend zu übergeben. Dies war der erste Brief an mich.


Da stand ich nun, völlig perplex. Überrascht betrachtete ich den Briefumschlag. Was sollte denn das jetzt? Gab es einen heimlichen Verehrer? Nein danke, den brauchte ich nicht! Es stand kein Absender drauf. Ich widmete mich nun intensiv diesem ominösen Brief, drehte und wendete ihn. Es war kein Absender angegeben, wie komisch. Ich ahnte nicht, dass der Brief mein Leben verändern würde.


Ein mulmiges Gefühl machte sich breit. Schließlich siegte meine Neugier. Und so riss ich den Umschlag bereits auf dem Heimweg auf und begann zu lesen. Zeile für Zeile wurde mein Schritt langsamer. Mich fröstelte, es war stockdunkel, meine Gedanken überschlugen sich, während ich das Geschriebene wieder und wieder überflog.


Was sollte das? Ich blieb stehen und schaute mich nochmals um. Keine Menschenseele war weit und breit zu sehen, nur absolute Stille und Dunkelheit. Heute bin ich mir sicher, dass der Verfasser dieses Briefes mich damals verfolgt und mir beim Lesen zugeschaut hatte.


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