Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern

zurück zum Buch

Der Mondgartentraum


von Claudia Lampert

belletristik
ISBN13-Nummer:
9783902612199
Ausstattung:
Gebunden mit Schutzumschlag, ca. 140 Seiten
Preis:
18,50 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Kontakt zum Autor oder Verlag:
mail[at]claudialampert.de
Leseprobe
(In Klammern) eine Anmerkung zu dieser Leseprobe: Es gibt da ein Problem. (Gut, ich gebe zu, es gibt mehrere...) Aber auf eines habe ich für mein Teil noch keine zufriedenstellende Antwort gefunden: Wann (und vor allen Dingen wie) sage ich jemandem, dass ich ihn liebe? (Und das auch noch glaubwürdig!) David Lavaret und Johanna "Emma" Fuchs haben dasselbe Problem... (Komisch eigentlich;-) *** Irgendwo, mitten drin... *** „Du hast mir nie gesagt, dass du mich liebst", sagte Emma, als sie Lavaret im Treppenhaus begegnete. Es war eine Feststellung, kein Vorwurf.„Doch. Andauernd habe ich das gesagt. Mit jeder Geste, mit jeder Berührung und mit jedem Blick habe ich es gesagt. Ich habe die ganze Zeit nichts anderes gesagt."Er hätte seinen Worten gerne mit einer entsprechenden Handbewegung mehr Nachdruck verliehen. Die beiden Kaffeetassen, die er vor sich hertrug, hinderten ihn daran. Steif stand er auf den Stufen und sah Emma eindringlich an.„Das meinte ich nicht, und das weißt du genau."„Du meinst mit Worten?"„Ja, genau, ich meine mit Worten. Mit drei ganz einfachen Worten!"„Das sind keine einfachen Worte." Er fühlte sich angegriffen und ging zum Gegenangriff über. „Du hast es auch nie gesagt." Ein Vorwurf, keine Feststellung. Emma hob nur die Augenbrauen. „Und außerdem habe ich es sehr wohl gesagt. Du hast es nur nie gehört."Nun gestikulierte er doch, der heiße Kaffee schwappte über und verbrühte ihm die Hand. Fluchend ließ er die Tasse los. Klirrend zerbrach sie auf den Treppenstufen, und der Kaffee spritzte ihm auf Schuhe und Hosenbeine. Er bückte sich, um die Scherben aufzuheben, und verschüttete dabei auch die zweite Tasse.Emma sagte nichts, sah nur auf ihn hinab, spöttisch, fast verächtlich, wie ihm schien, und ließ ihn wieder einmal stehen. Er blieb neben den Scherben und der Kaffeepfütze zurück, sah ihr nach und fühlte sich vollkommen lächerlich.„Hexe", murmelte er, wartete, bis sie außer Hörweite war und fügte dann hinzu: „Ich liebe dich." „Nicht aus Überzeugung, sondern nur der Vollständigkeit halber", versuchte er sich selbst erfolglos einzureden. Seine Bemerkung hatte Emma überrumpelt. „Das sind keine einfachen Worte". Wieder sprach er mit unglaublicher Leichtigkeit aus, was sie dachte und nicht sagen wollte. Sofort zog sie sich in ihr bewährtes Versteck zurück: spöttisches Schweigen. Sie verabscheute sich dafür und floh. Nicht vor ihm, sondern vor sich selbst. *** „Ich liebe dich". Johanna drehte die Worte in ihrem Kopf hin und her. Sie klangen abgedroschen und kitschig. Literarisch überstrapaziert. „Ich hab dich lieb", versuchte sie es. Besser, aber es war leider etwas ganz anderes. „Du bist mir das Liebste auf der Welt". Noch kitschiger. „Ich liebe dich mehr als alles andere". Nein, der Zusatz behob das Problem überhaupt nicht. Im Gegenteil. Also doch „Ich liebe dich". Eine schlichte Feststellung, gelassen und mit ruhigem Blick ausgesprochen, so dass David es glauben konnte. Vielleicht ging es doch.Johanna seufzte. Nein, es ging ganz und gar nicht. „Ich liebe dich" - auf Hochdeutsch klang es aufgesetzt und fremd. Regelrecht theatralisch und ausgesprochen gestelzt. Und im Dialekt? „I liab di", sagte sie laut, um den Klang auszuprobieren. Um Gottes willen, das war ja noch schlimmer als erwartet! Lieber hätte sie sich die Zunge abgebissen.Sie seufzte noch einmal und griff nach ihrem Buch. „Ich liebe dich" kam definitiv nicht in Frage. „Wie war dein Tag?", fragte Johanna ihn jedes Mal, wenn er von der Arbeit im Krankenhaus nachhause kam. „Ich liebe dich", dachte sie insgeheim.„Mein Tag beginnt erst jetzt", gab er jedes Mal zur Antwort, dachte dasselbe, war mit seinen Worten aber eine Spur näher dran.Jedes Mal entstand eine winzige Pause, in der ihre Augen sie verrieten. Ein scheues Lächeln auf beiden Seiten, und sie redeten über andere Dinge. Der kurze Dialog, immer gleich, war Frage und Rückversicherung, Geständnis und Bestätigung zugleich. Ein Ritual. Magie, die ihre Nahrung in der Wiederholung fand und das Band nach der kurzen Trennung des Tages aufs Neue wieder anknüpfte.
Klappentext
Warum bist du hier? Nicht hier in meinem Büro, sondern hier in meinem Leben." „Um es zu Ende zu bringen." Lavaret fröstelte. „Große Liebe endet immer tragisch. Denk an Orion und Artemis." „Nein," widersprach sie lächelnd. „Große Liebe endet nicht tragisch. Sie ist tragisch, weil sie genau das nicht tut: enden." Die Geschichte Emmas ist eine alltägliche Geschichte. Und doch eine besondere. Eine Geschichte über Liebe, Verlust und Verrat. Die Auseinandersetzung mit der Faszination des Fremdartigen. Die Abrechnung mit der Unmöglichkeit und der Angst vor der großen Liebe. Und der Versuch, in Worte zu fassen, was eigentlich nicht fassbar ist.
Rezension
"Sie fühlen sich wie durch einen Zauber zueinander hingezogen: David und Johanna. Doch die Liebe zwischen Ihnen scheitert an ihrer Unaussprechlichkeit. Geschickt verknüpft die österreichische Autorin Claudia Lampert in ihrem Debütroman Gegenwart und Vergangenheit, um die eigentlich ernste Geschichte einer unerfüllten Liebe mit einer faszinierenden Leichtigkeit zu erzählen, die den Leser fesselt und ihn ahnen lässt, um wie viel schöner die Welt sein könnte, wären mehr Menschen fähig, sich selbst einen 'Mondgartentraum' zu schaffen." Ralf Ott, Alb Bote, Südwestpresse "Der Text besticht durch enorme sprachliche Treffsicherheit, durch exakte, unmissverständliche Formulierungen. Dass die Geschichte auf unterschiedlichen zeitlichen Ebenen spielt, macht sie spannend und lesenswert; der Übergang von einer zur anderen Ebene gelingt meisterhaft... Du machst deinen Text an der Idee fest, dass große Liebe nicht tragisch endet, sondern tragisch ist, weil sie nicht endet. Ein absolut geeigneter Aufhänger für deine durchaus beklemmende, aufwühlende Geschichte. Glücklich all jene, die die Liebe in einer so großen Radikalität und Intensität erfahren dürfen; eine magische Liebe." M. B., Lektorat