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> Belletristik > Der Frosch, die Spinne und die Happ
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Buch Leseprobe Der Frosch, die Spinne und die Happ, Happ, Wassermann, Zingerle
Happ, Wassermann, Zingerle

Der Frosch, die Spinne und die Happ


Eine Reptilienexpertin erzählt

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Verlag Johannes Heyn GesmbH & Co KG, Friedensgasse 23, 9020 Klagenfurt,%
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Winklern ist ein Dorf, das zwar vor den Toren Klagenfurts liegt, sich aber so geschickt zwischen



zwei bewaldeten Hügeln versteckt, dass wirklich nur diejenigen hinfinden, die auch dort hin


wollen. In Winklern steht der Wirtitsch-Hof, der mir die ersten zwölf Lebensjahre ein Zuhause


war.


Meine Großeltern waren lange vor meiner Geburt gestorben. Meine Mutter war damals erst 17


Jahre alt gewesen, dennoch hatte sie gemeinsam mit ihren jüngeren Geschwistern Rudi und Emmi


den Hof übernehmen müssen. So wuchs ich in einer Großfamilie auf, mit meinen Eltern, meiner


jüngeren Schwester Hildegard, meiner Tante Emmi, meinem Onkel Rudi und dem Knecht Seppl.


Wir alle lebten auf dem Wirtitsch-Hof.


Tante Emmi, die jüngste der drei Geschwister, hatte einen pädagogischen Beruf erlernt, den sie in


Klagenfurt ausübte, in der Stadt. Sie war wie ein schillernder Stern an meinem Kindheitshimmel.


Sie hatte die Haare abwechselnd blond und rot gefärbt, trug lange, rot lackierte Fingernägel und


war immer nach der neuesten Mode gekleidet. Auf uns Bauernkinder wirkte sie, als wäre sie


einem Märchen entstiegen, weil die meisten Frauen im Dorf - von meiner Mutter bis hin zu


meinen Lehrerinnen - das Färben von Fingernägeln und Haaren als schamlos empfanden. Erst in


den wilden 68er-Jahren lockerten sich diese strengen Moralbegriffe. Doch ich liebte Tante Emmi


und später, als ich erwachsen wurde, sollte sie meine beste Freundin und Ratgeberin werden.


Als Kind gehörte mein ganzes Herz dem ständig singenden und pfeifenden Onkel Rudi. Der


sonnengebräunte, blonde Mann mit den strahlend blauen Augen war mein großes Idol. Ich werde


nie vergessen, wie Onkel Rudi bei Blitz und Donner durch den strömenden Regen nach Hause


geritten kam, um auf dem Hof nach dem Rechten zu sehen. Er strahlte dabei eine Art von Kraft


und Wildheit aus, die mir schon immer imponierte. Onkel Rudi und ich verstanden uns auf einer


Ebene, die Gespräche oft überflüssig machte. Ein Blick von ihm und ich wusste Bescheid, was zu


tun war. Ich half ihm gerne und ein schlichtes „gut gemacht" aus seinem Mund bedeutete mir oft


mehr, als so manches Geschenk eines anderen Verwandten. Onkel Rudi starb viel zu früh im Alter


von nur 44 Jahren.


Der Knecht Seppl war ein verschrobener, kauziger alter Mann. Er brummte ständig mürrisch vor


sich hin und schien eigentlich nie guter Laune zu sein. Das mochte daran liegen, dass wir Kindern


von Winklern ihn fast ununterbrochen ärgerten: Wann immer Seppl den Heuboden gekehrt hatte,


rutschten


wir wie die wilde Jagd von den hohen Heuhaufen herunter, sprangen durch die Heuluke nach


unten und verschwanden im Stall. Hinter uns war wieder alles voll Heu und Seppl musste erneut


zu kehren beginnen. Seppl schimpfte uns hinterher und stieß die wildesten Drohungen aus - doch


instinktiv wussten wir, dass er diese nicht ernst meinte, und deshalb nahmen wir sie auch nicht


ernst.


Wir kletterten in den hohen Dachstuhl und sprangen in das tief darunter liegende Heu, egal, wie


oft er uns in einer Mischung aus Besorgnis und Drohung zurief, wir würden uns den Hals brechen.


Im Winter stopften wir Schneebälle in den kleinen Rauchfang, der vom Ofen seines Zimmers


nach draußen führte, und spielten ihm allerhand andere Streiche. Doch Seppl konnte nicht aus


seiner Haut heraus, auch wenn er es nicht zugeben mochte: Er liebte uns Kinder.


Einmal ging er mit mir zum Zirkus Prechtl, der am Kreuzbergl sein Winterquartier bezogen hatte.


Dort zeigte er mir 22 schneeweiße Araberhengste, deren Schönheit mir in Erinnerung geblieben


ist wie eine Fata Morgana. Und obwohl der Weg von Winklern zum Kreuzbergl nur über einen


Höhenzug führte, war er wie eine Weltreise für mich an der Hand des alten Mannes. Am


Bauernhof hatte Seppl niemandem gesagt, wohin wir gehen würden, so dass sich Onkel Rudi bald


voller Sorge auf die Suche nach uns machte. Es war bereits Abend, als er uns im Gasthof „Zur


Sonne" in Feschnig fand. Seppl trank zufrieden sein Bier - und ich war dicht an seine Seite


geschmiegt eingeschlafen ...


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