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Belletristik
Buch Leseprobe Das Konto, die Bank und die Erben, Karin S. Richter
Karin S. Richter

Das Konto, die Bank und die Erben


Eine wahre Geschichte

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Leseprobe


 


Das Konto, die Bank und die Erben


 


von Karin S. Richter


 


Die Leseprobe beginnt auf Seite 94:


 


Am 22. November fuhren wir, Eva und ich in den frühen Morgenstunden nach Prag. Am Fenster sitzend und aus dem fahrenden Zug die Landschaft betrachtend, überfiel mich ein eigenartiges, wehmütiges Gefühl in diesem Land einmal, viele Jahre zurück, zu Hause gewesen sein. Die Tatsache aber war, ich war hier nicht mehr zu Hause! Ich war Staatsbürgerin zweier Länder, Kanada und Deutschland, nur nicht des Landes meiner Geburt. Unglaublich, wie kompliziert manchmal das Leben eines Menschen sein kann, ohne dass er es selbst wollte! Ich musste wieder an ihn denken. An meinen Vater dachte ich. Fuhr er auch, nachdem ihn die Gestapo verhaftet hatte diese Zugstrecke, nicht wissend wohin? Er befand sich zwischen verzweifelten Menschen in einem Viehwaggon eingepresst, seinem Martyrium entgegen fahrend. Was hatte er wohl gefühlt? Angst, Schmerzen, Hunger und Durst, und eine endlose Sehnsucht, zurück zu mir und zu meiner Mutter zurück, nach seinem Zuhause in der Freiheit; nur der Zug fuhr ihn näher und näher seinem Tod entgegen. Mein Vater! Er befand sich in den Krallen seiner zukünftigen Mörder. Nun saß ich im Zug und fuhr der Spur eines Mannes nach, der den gleichen Namen wie mein Vater hatte, mir aber trotzdem fremd und unbekannt war. Wie auch. Beide Männer umhüllt ein Geheimnis, das ich enträtseln wollte. Das des fremden Otto Eisners. Und das meines Vaters. Eva las vertieft in ihrem Buch; nur ich hing meinen Gedanken nach. Vielleicht nie mehr von hier fortgehen zu müssen und die Zeit zurückdrehen können in der mein Vater am Leben geblieben wäre. Wie anders wäre mein Leben verlaufen! Kurz nach neun Uhr in Prag angekommen, besuchten wir zuerst das, in der Mitte der Stadt befindliche Prager Staatsarchiv. In dem riesig großen alten Gebäude, es könnte einmal ein Herrschaftshaus gewesen sein, ohne einer anwesenden Person am Informationsschalter, spazierte ich einfach im ersten Stock in die Tür eines Büros hinein. Eva blieb in der Eingangshalle wartend stehen. Wir konnten uns nicht entscheiden, ob sie mitkommen sollte. Womöglich würden die Angestellten des Archivs nicht willig sein, eine Auskunft in Anwesenheit eines Zeugen zu geben. Eva meinte, die Sache sei zu heikel! In der Tat war sie es auch. Am Schreibtisch saß eine Frau. Ich stellte mich mit meinem Namen vor und erklärte, dass ich Unterlagen über einen Otto Eisner, wohnhaft im Jahr 1947 in Prag, Na Cihlářce 16 sehen möchte. Ob es möglich sei, diese mir zur Einsicht vorzulegen. „Sind Sie seine Verwandte?“ fragte mich die Frau. „Nein! Nur sein Name ist der gleiche meines Vaters.“ „Und weshalb wollen Sie amtliche Eintragungen über seine Person sehen?“ klang ihre Frage leicht abweisend. Ich zögerte mit der Antwort. Anzunehmen war, die Frau war nicht dumm, um ein unlautes Vorgehen nicht zu vermuten. Sie musterte mich aufmerksam während ein Unbehagen in mir aufstieg. Bewusst war mir, was ich auch tat, mein Verhalten dem ländlichen Gebräuchen angepasst zu haben und schlicht wie möglich angezogen zu sein,, trotzdem war etwas fremdartiges an mir während ich perfekt tschechisch sprach. Nach so vielen verbrachten Jahren im Ausland, ein Muster eines tschechischen Bürgers war ich nicht. Ich hatte keine andere Wahl als die Wahrheit zu sagen. Schließlich wollte ich etwas von ihr, und nicht sie von mir. „Mir wurde ein Dokument übergeben, wo seine Unterschrift der meines Vaters ähnelt. Ich möchte die Unterschriften vergleichen.“ „Leben die beide Männer noch? Ihr Vater und der anderer Mann?“ „Mein Vater nicht! Ob der anderer Mann noch lebt, weiß ich nicht! Ich nehme aber an, dass auch er nicht mehr am Leben ist“, entgegnete ich. „Ja, wissen Sie, das ist nicht so einfach“, berührte die Frau verlegen ihre Stirn. „Warten Sie, diesbezüglich muss ich meinen Chef anrufen“, sagte sie und langten nach dem Telefonhörer. Das Telefon klingelte lange Zeit bevor es abgenommen wurde. „Herr Doktor“, titulierte die Frau ihren Chef, „kommen Sie bitte in mein Büro, hier ist jemand in einer Angelegenheit, die ich allein nicht erledigen kann.“ Herr Doktor kam in wenigen Minuten. Die Archivangestellte schilderte ihm mein Anliegen. „Warum ist es Ihnen so wichtig Informationen über einen für Sie unbekannten Mann zu bekommen?“ wandte sich Herr Doktor an mich und überreichte mir seine Visitenkarte. Ich las: PhDr. Jaroslav Wágner. Leiter der 7. Abteilung des Staatlichen Zentralen Archiv, Prag. Gewiss hatte ich einen wichtigen Mann vor mir stehen. „Weil an einem Dokument einer Schweizer Bank, in der ein Mann namens Otto Eisner ein Konto eröffnet hatte, seine Unterschrift aber seltsamerweise zu sehr der Unterschrift meines Vaters ähnelt, und das fünf Jahren nach seinem Tod“, wiederholte ich etwas ausführlicher meine Gründe in der Hoffnung, der Chef würde meinem Ansuchen zustimmen. „Ich möchte herausfinden“, setzte ich fort, „ob nicht ein unbefugtes Vorgehen in Namen meines Vaters von der Bank, oder von diesen Mann stattgefunden hatte“, sprach ich im festen Ton und legte eine Pause ein, um den Angestellten des Archivs Zeit zum Überdenken meiner Argumenten zu geben. Dann erläuterte ich: „Ich habe nämlich in der Bank nach dem Holocaustkonto meines Vaters gefragt. Nun aber legte man mir ein fragwürdiges Dokument eines anderen Mannes aus Prag vor, wo aber mein Vater in Brünn wohnhaft war.“ Die Frau und der Mann waren im gegenseitigen Blick versunken. „Wissen Sie“, sagte Doktor Wágner schließlich, „es ist ein neues Gesetz in Kraft getreten. Wir dürfen Informationen nur an die nächsten Verwandten herausgeben. Das heißt nur an die Kinder, dem Ehemann oder Ehefrau, oder deren Geschwister. Nicht aber an fremde Personen. Die dürfen keine Auskunft bekommen!“ „Ja, das verstehe ich“, gab ich mich einsehend, „nur in diesem Fall geht es um ein Vorgehen das sich im Ausland abgespielt hatte und nicht hier im Lande“, beharrte ich an der Wichtigkeit meines Arguments. „Ich möchte nur seine Unterschrift, oder seine Schrift sehen, um beurteilen zu können, ob ein Betrug im Gange war. Möglicherweise benutzte die Bank nur einen Strohmann mit der Unterschrift meines Vaters, um sein Konto manipulieren zu können“, versuchte ich die Schuld des Prager Mannes taktisch abzuwälzen. „Wir möchten Ihnen gerne helfen“, erwiderte Doktor Wágner, \"aber wir sind leider nicht befugt zu entscheiden, ob man Ihnen Unterlagen über den Bürger Otto Eisner vorlegen darf. Rufen Sie doch morgen unsere Direktorin an, sie ist diejenige, die es ausnahmsweise erlauben darf.“ „Das werde ich tun“, befürwortete ich Doktors Wágner seine Entscheidung. Immerhin war es eine Hoffnung, schließlich war mein Fall ein Ausnahmefall. Die Telefonnummer der Direktorin hat inzwischen die Archivangestellte auf ein Stück Papier notiert. Sie reichte es mir und ich las, dass die Direktorin gleichfalls eine titulierte Doktorin ist und Frau Danešová. heißt. Ihren Vornamen hatte sie nicht aufgeschrieben. „Ich habe auch meine Telefonnummer beigefügt“, sagte freundlich die Bürofrau. „Falls es zu einer Vereinbarung zwischen Ihnen und unserer Direktorin kommen soll und Sie mich brauchen würden.“ „Vielen Dank“, bedankte ich mich freundlich. „Sie haben mir trotzdem geholfen, auf Wiedersehen“, verabschiedete ich mich und ging zur Tür. Eva erwartete mich ungeduldig. „Also, was hast du erledigt?“ fragte sie. Ich wiederholte das stattgefundene Gespräch. „Weißt du Bescheid über das neue Gesetz, dass keine Informationen an fremde Personen, außer an Familienangehörige gegeben dürfen?“ Eva überlegte kurz. „Ja, ja, ich erinnere mich“, nickte sie, „ich habe in den Zeitungen darüber gelesen. Aber sage mir, hoffentlich hast du ihnen nicht gesagt, dass du in Deutschland lebst?“ blieb sie für eine Sekunde stehen, mich fragend anschauend. „Nein, das habe ich nicht! Ich habe sogar vergessen es vorzubringen.“ „Tue es nicht, wenn es nicht notwendig ist! Möglich würde man dir dann überhaupt keine Auskunft geben.“ Anzunehmen war es. Bewusst war mir auch, dass ich in so einer heiklen Angelegenheit als Ausländerin, die ich dokumentarisch war, einen schweren Stand haben würde. „Komm“, sagte ich nachdem wir das Archivgebäude verlassen haben. „Es ist Mittag, wir gehen erst etwas essen bevor wir die Straße Na Cihlářce suchen. Wir haben doch keine Ahnung wo sie ist.“ Eva bahnte den Weg zwischen den vorbei eilenden Menschen, während mich Fragen über Otto Eisner beschäftigten. Lebt er noch und wenn nicht, wer war er? Was für einen Beruf hatte er? War er vermögend? Bestand vielleicht eine Verbindung zwischen ihm und meinen Vater? Warum fuhr mein Vater im Mai 1940 mit dem Zug nach Prag? Haben sich vielleicht die zwei Männer persönlich gekannt? Und die Direktorin Danešová, würde sie es erlauben mir eine Auskunft zu geben? Existieren überhaupt über diesen Otto Eisner Unterlagen im Archiv als einen Mann von beinahe einer Million Menschen, die in dieser Stadt leben, war eine andere Frage.


 


Ende der Leseprobe


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