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Belletristik Bücher
Buch Leseprobe Das Kalte Herz des Mandinka, Veronika B. Geiger
Veronika B. Geiger

Das Kalte Herz des Mandinka


Die wahre Geschichte einer trügerischen Liebe

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Die Maschine landete pünktlich in Banjul und auch die


Passkontrolle bei der Einreise verlief reibungslos. Sofort war


einer der Kofferträger mit einem Trolly bei ihr. Sie fanden


einen guten Platz direkt am Anfang der Gepäckausgabe. Aber


dann musste sie sehr lange warten, bis sie ihre beiden Koffer


auf dem Laufband entdeckte. Der junge, muskulöse Mann hievte


einen nach dem anderen auf den Trolly und sie konnten endlich


auf den Ausgang zusteuern. Wie immer warteten schon viele


Einheimische am Gate, um die gerade angekommenen Passagiere


zu begrüßen. Aus dem Stimmenwirrwarr drangen einzelne


Wortgebilde in unterschiedlichen Sprachen zu ihr herüber. Da


ein Lachen, dort ein Weinen, hier von einer Frau und dann


wieder von einem Mann. Dazwischen helles Kindergeschrei, das


einen nicht erkennen ließ, ob es sich hier um Freude, Hunger,


Schmerzen oder nur um Ungeduld handelte. Plötzlich dachte sie,


ihr Herz blieb stehen. Nein! Das konnte nicht sein. Es musste


sich um eine Verwechslung handeln. So etwas passierte doch


nur in Kitsch-Romanen. Nein! Nein! Und doch, es gab keinen


Zweifel. Der junge Mann mit der grauen Wollmütze auf dem


Kopf, der dort erwartungsvoll am Gate stand und ihr für einen


Moment direkt in die Augen sah, war kein anderer, als Amir!


Mein Gott, sie musste den Impuls unterdrücken, nicht auf ihn


zuzugehen, um ihn zu umarmen und zu küssen. Aber sie wusste


ja, dass nicht sie es war, auf die er wartete. ´Nein, lieber Gott´,


dachte sie, ‚das kannst du mir doch nicht antun. Bitte, bitte nicht!´


Es schien so, als würde er sie nicht erkennen. Oder wollte er sie


nicht erkennen? Sie konnte nichts in seinen Augen lesen. Er tat


wirklich so, als wäre sie eine Fremde. Aber was wäre, wenn er


nicht nur so tat, sondern sie es in seinen Augen tatsächlich schon


war? Victoria war wie gelähmt und sie wusste nicht was sie tun


sollte. Für einen Moment wollte sie diese unerträgliche Situation


verdrängen, einfach ignorieren. Sie schloss kurz ihre Augen.


Aber als sie ihre Augen wieder öffnete, stand er immer noch an


der gleichen Stelle und schien durch sie hindurchzusehen. Es tat


so weh.


Sie hatte ihm ja nicht erzählt, dass sie an diesem Tag in Banjul


landen würde. Sie machte einen Schritt in die Richtung, wohin


der Kofferträger schon den Trolly geschoben hatte, aber dann


drehte sie sich wieder um. Nein! So konnte und wollte sie es


nicht machen. Zumindest „Hallo" musste sie zu ihm sagen, ganz


egal warum er hier war. Vielleicht stellte sich ja doch noch alles


als ein Irrtum heraus. Er hatte doch erst noch vor kurzem wieder


am Telefon gesagt, dass er sie liebe und sie so vermisse. Sie


drehte sich wieder um und machte ein paar Schritte auf ihn zu.


Als er das sah, versuchte er zu flüchten. Aber sie rief seinen


Namen. Da er ja kein Aufsehen am Flughafen erregen wollte,


drehte er sich dann doch um und schaute sie an ohne ihr dabei


in die Augen zu sehen. „Hallo Amir", sagte sie traurig. Und sie


fragte ihn, auf wen er denn warten würde. Ohne die geringste


Gefühlsregung im Gesicht behauptete er, dass er hier öfter sei,


um mit Freunden zu ‘chatten.' Warum log er denn sogar jetzt? In


dieser so offensichtlichen Situation? Warum? Als sie sagte, dass


sie ihm das nicht glauben würde, zuckte er nur mit den Schultern,


als hätte er damit nicht das Geringste zu tun. In diesem Moment


wurde ihr Name ausgerufen. Der Transferbus wartete bereits auf


sie. Sie sah ihm in die Augen und ohne die Spur eines schlechten


Gewissens hielt er ihrem Blick stand. Sein Blick war eiskalt und


sein Mund, den sie einst so sexy fand, erschien ihr auf einmal


hart und hässlich. ‘Amir', dachte sie, ‘Bitte, sag etwas. Du kannst


noch alles gut machen. Noch ist es nicht zu spät. Sag' dass du


mich liebst, bitte, bitte.' Obwohl sie wusste, wie sinnlos dieses


innere Flehen war, hoffte sie, er würde ihre Worte verstehen und


sie aus diesem Albtraum befreien, der ihr regelrecht die Kehle


zuschnürte.


Mit zitternden Händen suchte sie nach ihrem Asthmaspray,


welches sie sich glücklicherweise noch in Amsterdam in der


Flughafenapotheke besorgt hatte. Sie drehte ihm nun den Rücken


zu, versuchte ruhig zu bleiben und tief durchzuatmen. Aber es


war kein Albtraum. Es war die Wirklichkeit, die ihr in diesem


Moment wieder einmal zeigte, dass sich in nur einem kurzen


Moment alles verändern konnte und man die Zeit nicht mal für


den Bruchteil einer Sekunde wieder zurückdrehen konnte.


Zum zweiten Mal wurde ihr Name ausgerufen und sie sah wie


ein Mann unweit von ihr mit einem Pappschild in der Luft


herumwirbelte.


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