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Belletristik Bücher
Buch Leseprobe Brummbär und Zuckerschnecke, Ella Jakob
Ella Jakob

Brummbär und Zuckerschnecke


das totale Chaos

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„Herrlich", aus glücklichen Augen blickte Andrea Reimers sich in dem kleinen, aber gemütlichen Hotelzimmer um.


     Seit einigen Jahren war sie wie vom Pech verfolgt. Zuerst hat ihr Mann sie wegen einer um viele Jahre jüngeren Frau verlassen. Danach verlor sie, dank Restrukturierung, nach zwanzig Jahren harter Arbeit, auch noch ihren gut bezahlten Job als Chefsekretärin. Obwohl sie sich unermüdlich um einen neuen Arbeitsplatz bemühte, hagelte es nur Absagen, da sie mit ihren knapp Fünfzig auf dem Arbeitsmarkt absolut nicht mehr gefragt war. Mittlerweile war sie eine von vielen Hartz IV Empfängern, die nach jahrelangem engagierten Arbeiten buchstäblich aufs Abstellgleis deportiert wurde, von dort aus, nie wieder frischer Fahrtwind um ihre Nase wehen würde. Nach vielen Entbehrungen hatte Fortuna mitleidvoll, wenn auch nur für ein paar Tage, ihr Füllhorn über die schlanke, hübsche, sehr distanzierte Frau ausgeschüttet. Andrea hatte eine Reise nach Italien gewonnen!


     Nachdenklich stand sie vor ihrem Gepäck. Sollte sie zuerst den Koffer auspacken oder eine Dusche sich genehmigen? Andrea entschied sich für Letzteres. Schließlich hatte sie Urlaub, das Gepäck konnte warten. Eilig schlüpfte sie aus der schwarzen Stoffhose und dem beigen Top. Die schlichten Teile stammten noch aus der Zeit, als sie die rechte Hand ihres Chefs war. Etwas Neues konnte sie sich ohnehin nicht leisten, da sie mit den Almosen, die sie vom Amt erhielt, kaum über die Runden kam. Achtlos ließ sie die Sachen auf dem Boden liegen, nur noch in BH und Slip gehüllt, huschte sie ins Badezimmer.


     Sich pudelwohl fühlend, ihren schlanken Körper nur in ein Badetuch gehüllt, kam sie ins Zimmer zurück. Sie nahm ihren Koffer vom Boden hoch und legte ihn aufs Bett, damit sie sich in aller Ruhe ihre Kleidung auswählen konnte. Endlich hatte sie das Passende gefunden, achtlos ließ sie das Badetuch fallen. Urplötzlich, sie glaubte nicht richtig zu sehen, öffnete sich die Tür und ein großer, dunkelhaariger, attraktiver Mann kam ins Zimmer spaziert. Mit einem spitzen Schrei angelte sie nach dem Badetuch, um ihre Blöße zu verdecken. „Sorry", sprach der südländische Typ lässig, „ich muss mich wohl mit der Tür vertan haben." Bevor Andrea ihm antworten konnte, war er auch schon wieder verschwunden. Fassungslos ließ sie sich aufs Bett sinken. Sie fragte sich, wie das passieren konnte, denn sie war sich sehr sicher, dass sie abgeschlossen hatte. Als sich die Tür erneut öffnete und der Unbekannte nochmals das Zimmer betrat, glaubte Andrea einen Schreikrampf zu bekommen. Wie von einer Tarantel gestochen, voller Panik, fuhr sie vom Bett hoch. Sie hätte sich ohrfeigen können, dass sie sich noch immer nichts übergezogen hatte. Nun stand sie schon wieder quasi nackt vor ihm. „Sorry", grinste er verwirrt, „ich bin mit Sicherheit kein Spanner oder einer, der hilflose Frauen vergewaltigt. Es ist nur so, dass mein Schlüssel definitiv zu dieser Zimmertür passt." „Ich bitte sie auf der Stelle das Zimmer zu verlassen", zischte sie ihm warnend zu, „ansonsten schreie ich das ganze Hotel zusammen." „Nur keine Panik", sprach er entsetzt, „ich werde mich auf der Stelle bei der Rezeption beschweren. Irgendetwas kann doch hier nicht stimmen." „Tun sie das", erwiderte Andrea mit bebenden Lippen, „bestimmt wird sich die Sache gleich aufklären." „Es wäre mir sehr angenehm", entgegnete er geschafft, „wenn ich für einen Moment mein Gepäck hier lassen dürfte. Langsam wird mir die Schlepperei doch zu viel." „Kein Problem", antwortete Andrea, schon etwas beruhigter, „ich hoffe nur, dass ich dann endlich meinen ersten Urlaubstag genießen kann."


         


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