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Belletristik Bücher
Buch Leseprobe Bodypacker, Petra Katz
Petra Katz

Bodypacker



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Das Ehepaar war schon seit einer Woche ziemlich aufgeregt. Thomas bekam seine geschäftlichen Termine kaum noch geregelt. Seine Gedanken weilten immer bei dem bevorstehenden Rennen. Selbst sein Partner Bob konnte seine Ungeduld kaum verbergen.


Auch im Rennstall herrschte eine angespannte Atmosphäre. Joshua und Paul kümmerten sich die letzte Zeit besonders um Brany. Der alte Stallmann erlaubte auch Ricky zurzeit nicht den Hengst wie sonst zu reiten. Der Junge war zwar enttäuscht, aber verstand die Sorgen der Männer. Nichts durfte vor dem großen Tag mit dem Hengst passieren. Alle Hoffnungen der Farm lagen in diesem Rennen. Brands Hatch ließ sich von dem nervösen Getue um seine Gesundheit nicht irritieren. Er blieb genauso cool und gelassen wie immer. Mit seinen gerade mal drei Jahren entwickelte er sich zu einem prächtigen, eindrucksvollen Hengst. Seine ganze Erscheinung spiegelte seine innere Kraft und Nervenstärke wieder.


Sein Fell, die Mähne und der Schweif glänzten in der untergehenden Sonne wie schwarzes Gold. In seinen Augen sah man das leidenschaftliche, kämpferische Feuer eines Vollbluthengstes. Nur wenn der Hengst mit seinem kleinen zweibeinigen Freund spielte, erkannte man in seinen Augen den sanften, liebevollen Charakter von ihm. 


Am Vortag des großen Rennens herrschte hektische Betriebsamkeit auf der Farm. Das Ehepaar Foulten reiste zusammen mit ihrem Geschäftspartner Bob an. Die Pferdepfleger kümmerten sich um das nötige Gepäck für die Rennbahn am nächsten Tag.


Brands Hatch wurde von den beiden Pflegern am Nachmittag von oben bis unten mit Shampoo gewaschen. Brany liebte Wasser über alles und genoss die Prozedur sichtlich. Ricky schaute sich das Treiben auf der Farm aus einem sicheren Versteck an. Erst als endlich Ruhe einkehrte, schlich er sich zu seinen Freunden. Joshua saß vor Branys Box und putzte an dessen Halfter herum. Er blickte kurz angespannt auf, doch als er den kleinen Jungen erkannte lächelte er beruhigt.


»Na, Ricky. Auch schon aufgeregt? «, fragte er den Kleinen amüsiert.


»Klar doch. Ich kann es gar nicht erwarten, bis es endlich morgen früh losgeht. Brany will auch endlich wieder Rennen laufen. Ihm wird es langsam zu langweilig«, meinte Ricky altklug. Der Alte lächelte bei diesen Worten. Dann wurde sein Gesicht ernst und er hielt in seiner Arbeit inne. »Hör mal Ricky. Es wäre vielleicht ganz gut, wenn du morgen nicht mit zur Rennbahn fährst«, meinte er vorsichtig zu dem Kleinen. Bevor er weiter sprechen konnte unterbrach ihn Ricky voller Empörung.


»Aber Joshua, ich kann Brany doch nicht alleine lassen. Der geht ohne mich nicht in die Startmaschine. Weshalb sollte ich nicht mitgehen? «, fragte er erregt. Joshua winkte ab, legte das Halfter zur Seite und blickte ihn fest an.


»Junge, morgen ist ein ganz großer Renntag. Wir haben dann alle Hände voll zu tun. Die Pferde bekommen noch außer uns extra Sicherheitsleute zum Aufpassen. Brands Hatch wird lernen müssen, ohne dich zu laufen. Bleib zuhause, mir zuliebe. Mh«, entgegnete der Alte mit forderndem Blick. Doch der Junge schüttelte den Kopf mit trotzigem Mund.


»Bitte Joshua. Wenn du mir nicht erlaubst mit zu fahren, dann komme ich mit dem Bus nach. Aber ich möchte, dass du mich gerne dabei haben möchtest. Ich verspreche dir, mich wird niemand zu Gesicht bekommen und ich werde euch auch nicht im Weg stehen. Aber glaub mir, Brany rennt ohne mich nicht«, erklärte der Junge. Seine Stimme klang beschwörend und bittend. Joshua hatte sich fest vorgenommen, nicht nachzugeben. Doch wer konnte sich solchen hartnäckigen Einwenden verschließen. Er winkte resigniert ab und lachte dann leise.


»Also, gut! Du hast gewonnen, mein Junge. Sei aber pünktlich hier morgen früh. Denn alle sind ziemlich nervös und werden bestimmt früher verladen als geplant. Ich kenne doch meine Kollegen und den Trainer«, stimmte er doch zu. Ricky strahlte übers ganze Gesicht und umarmte ihn glücklich.


»Aber du musst dir darüber im Klaren sein Junge, dass du nicht bei jedem Rennen dabei sein kannst. Sollte Brany das nächste Rennen wirklich in den Preakness Stakes laufen, fahren die mindestens zwei Tage vorher schon hier weg und bei den Belmont Stakes das Gleiche. Diese Rennbahnen liegen viel zu weit von uns entfernt, als dass wir dort am selben Tag wie die Rennen stattfinden, hinfahren. Hast du das verstanden? «, forschte er nach. Ricky blickte ihn jetzt mit geweiteten Augen entgeistert an. Darüber hatte er sich vorher nie Gedanken gemacht.


 »Ja, aber was mache ich denn dann, Joshua? Ich kann Brany doch nicht alleine lassen«, entfuhr es dem Jungen stockend. Der alte Stallmann wusste keine Antwort darauf. Der Kleine tat ihm jetzt leid. Er winkte ab und lachte aufmunternd.


»Ach was, Ricky. Darüber werden wir uns zu gegebener Zeit Gedanken machen«, beruhigte er das Kind. Der nickte und betrat die Box seines Freundes. Brany schnupperte an ihm herum und suchte in Rickys Hosentasche nach Leckereien. Dieser reichte ihm eine Mohrrübe, die der Hengst sich schmatzend schmecken ließ. Danach zupfte er den Jungen liebevoll an den Haaren und leckte ihm über die Wange.


Nach einiger Zeit ging Ricky nach Hause und auch Joshua begab sich zur Ruhe. Er übernachtete auf einer Liege vor der Box des Hengstes. Gegen Mitternacht löste ihn dann  einer der anderen Stallleute ab. Ab dem heutigen Tag würde Brands Hatch bis nach dem Start nicht mehr unbeaufsichtigt sein.


 


Am nächsten Morgen waren auf der Farm alle schon zeitig auf und warteten ungeduldig darauf, dass der Transporter endlich vorfuhr. Paul und Joshua bereiteten die Starter des heutigen Tages für den Transport zur Rennbahn vor. Auch an diesem Tag verließ Ricky wieder heimlich das Waisenhaus. Aber genau wie beim letzten Mal hinterließ er ein Schreiben, in dem er Betty und Mr. Webster mitteilte, dass er am Abend wieder zurück kommen würde. Schnell begab er sich zu den Stallungen. Er beobachtete das Treiben dort und wartete wie die anderen auf die Ankunft des Transporters. Zur vereinbarten Zeit fuhr der Wagen vor. Jetzt waren alle mit ihrer Arbeit beschäftigt. Ricky wartete einen geeigneten Moment ab, als sich niemand außer Joshua in der Nähe des Wagens befand. Der Alte sah ihn an der Ecke des Stalles stehen und winkte ihn heran.


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