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> Belletristik > Blond - aber nicht blöd
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Belletristik Bücher
Buch Leseprobe Blond - aber nicht blöd, Michaela Thanheuser
Michaela Thanheuser

Blond - aber nicht blöd


Seelenbogen einer Frau

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Mein ganzes Leben war ich auf der Suche nach Liebe.
Nach Geborgenheit und nach einem zu Hause, dem Ort meiner Zugehörigkeit.
Als ob meine Erinnerung ein einsamer Sand¬strand wäre, zogen Menschen durch mein Le-ben und hinterließen ihre Spuren in ihm.
Der Klang ihrer Stimmen und der Ausdruck ihrer Augen, der Sinn ihrer Worte wurden fort-gespült von den wiederkehrenden Gezeiten, und versanken langsam im Meer des Verges-sens.
Momente, so kostbar und scheinbar unvergess-lich, wurden wie Fußspuren im Sand immer flacher und flacher und ausgelöscht, bis der Sand in all seiner oberflächlichen Gleichmäßig-keit nichts mehr davon ahnen ließ - von der Tiefe jenes erlebten Augenblickes.
Manchmal taucht dich die Erinnerung kurz in ihr freudiges Licht, es ist als sei es gestern gewe-sen, so nah, so real und schon ist es wieder fort. Nur in deinem Herzen kannst du ein be-stimmtes Gefühl wahrnehmen; die Erinnerung lässt sich beschneiden, deine Gefühle nicht.
Du schaust in den Spiegel, siehst dein Gesicht, siehst sein Reifen und sein Altern.
Dabei hast du dich noch nie in deinem Leben gesehen, wie dich alle anderen sehen. Selbst im Spiegel bist du nur eine Spiegelung deines Selbst. [...]
Im Alltag erscheinen Bilder und Vorgaben, die man meint, erfüllen zu müssen.
Man stelle sich den Prototyp einer intakten Fa-milie vor: Mutter, Vater, ein Sohn, eine Tochter, ein Haus und ein gepflegter Garten, ein großes und ein kleines Auto, ein guter Job, der die Basis all dessen ist. Die Kinder haben Freizeit-stress in all den Clubs und Vereinen, singen, tanzen, spielen Instrumente und werden auf Bühnen wohlwollend beklatscht. Der Hund macht nicht in Nachbars Garten und an den Wochenenden grillt man mit den Freunden oder Geschäftskollegen.
Perfektes Spießbürgertum unter dem Maßstab des Wunderbaren.
Der dich als alleinerziehende Mutter völlig ins Abseits und in die Defensive drängt.
Der Schein harmonischer Ehen wird gewahrt, auch wenn der Mann schon Jahre fremdgeht. Das Schweigen der Frauen wird erkauft, indem sie mit ein klein wenig Luxus das Gefühl haben, sich etwas mehr als die Freundin oder Nachba-rin leisten zu können.
Die Kinder empfinden es als Normalzustand, dass die Familie ihnen das Beste hinten rein-schiebt, und letztlich hat nur der Ernährer zu bestimmen, und die Frau hat zu funktionieren.
Die Männer gehen in ihren Berufen auf, leiden unter Stresssyndromen, die Frauen ertragen es, den Kindern und ihrer selbst zuliebe. Als Trostpflaster fährt man Sommer und Winter auf Urlaub, ans Meer, in die Berge zum Skifahren. Man ist schließlich eine heile Familie und gönnt sich etwas.


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