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Belletristik
Buch Leseprobe Berta und das schnurrende Schloss, Bibi Rend
Bibi Rend

Berta und das schnurrende Schloss



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Kapitel 1

Der Junge blickte keuchend zum Himmel. »Verdammt, das gibt gleich etwas.«


Ein dunkles, gefährlich klingendes Grollen ertönte aus den anthrazitfarbenen Wolken, durch die sich rötliche Schleier zogen. Mit seinen sechzehn Jahren war er in einem schwierigen Alter, weder Kind noch Erwachsener, irgendetwas dazwischen, das von vielen Älteren ›Jugendlicher‹ genannt wurde. Genau das war der Grund, warum er hier spät abends durch das aufkommende Gewitter seinen Weg ging. Der Jugendliche wurde Toni gerufen, das gefiel ihm besser wie Anton – sein richtiger Name.


Toni war von zu Hause abgehauen, nachdem er sich mit seinen Eltern gestritten hatte. Es ging mal wieder um seine Zukunft. Sein Vater bestand darauf, dass er eine Ausbildung beginnen sollte, während er lieber weiter zur Schule gehen und seinen Abschluss machen wollte. Seine Mutter hatte, wie so oft bei solchen Streitigkeiten, weinend auf dem Sofa gesessen und ihre Lieblingsworte vor sich hin gemurmelt: »Was habe ich verbrochen, dass ich so bestraft werde?«


Seit einem Jahr gab es immer wieder diese Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn. Der Vater vertrat die Einstellung, dass man keinen guten Schulabschluss bräuchte, es würde reichen, wenn man acht Jahre die Schulbank gedrückt hätte.


Toni war gut in der Schule, in seinem Zeugnis gab es nur eine Note und das für jedes einzelne Fach – eine Eins! Dabei brauchte er sich noch nicht einmal anstrengen, wenn er einen Text gelesen hatte, prägte sich das gleich ein. Seine Lehrer hätten ihn am liebsten auf die höher führende Schule geschickt - auf das Gymnasium, aber sein Vater verweigerte die Unterschrift.


»Ich bin auf der Hauptschule glücklich geworden, dann wird es für meinen Herrn Sohn auch ausreichend sein. Hält sich für etwas Besseres, der Nachwuchs.« Solche Worte gehörten zu jedem Essen, wie das Amen in die Kirche.


Heute hatte es Toni gereicht und er hatte seine Sachen gepackt. Seit Wochen beherrschte die Hitze das Land, nur heute – ausgerechnet heute musste es regnen!


Ein greller Blitz blendete Toni, als es auch schon knallte. Er warf sich zu Boden und hielt sich die Ohren zu, das Gesicht auf den Boden gepresst. Nachdem der Knall verhallt war, konnte man ein zischendes, knisterndes Geräusch hören, so als wenn Holz anfängt zu brennen. Toni hob vorsichtig den Kopf und blickte in die Richtung, aus der das Geräusch kam.


Eine stattliche Eiche stand ungefähr zehn Meter von ihm entfernt in Flammen. Fasziniert beobachtete er die kleinen züngelnden Lichtkegel, die von Blatt zu Blatt hüpften und die ganze Baumkrone einnahmen.


»Junge! Junge, ist dir etwas passiert? Steh doch auf!« Toni hörte eine dunkle, dröhnende Stimme, die immer näherkam. Mit seinen Blicken suchte er den Körper zu dieser dröhnenden Stimme, wagte es aber noch nicht aufzustehen.


Ein weiterer Blitz erhellte die Umgebung und schemenhaft konnte er eine Gestalt erkennen. Die Gestalt schob irgendwas vor sich her, vielleicht einen Karren?


Toni konnte es noch nicht genau identifizieren und blieb weiterhin reglos liegen.


 


Die Gestalt kam schnell näher und Toni wunderte sich über die Geschwindigkeit, als er die Person erkannte.


Eine grauhaarige Frau, die sich auf einen Rollator stützte, stand neben ihm und sprach ihn an: »Junge, fehlt dir etwas? Steh doch auf.«


Die Angst war deutlich herauszuhören und Toni beschloss, sich langsam aufzurappeln. Mit angewinkelten Armen schob er langsam seinen Oberkörper hoch, bis er sich auf den Knien hocken konnte.


Sein Blick wanderte zu der alten Dame, als sie erleichtert ausrief: »Dem Herrn sei Dank, dir ist nichts passiert. Ich hatte befürchtet, der Blitz hätte dich erschlagen. Komm, Junge, wir gehen zum Haus. Du bist ja komplett durchnässt.«


Bisher hatte Toni geschwiegen, aber nun musste er etwas sagen, er wollte die verängstigte Frau nicht länger im Ungewissen lassen.


»Danke, mir geht es gut. Ich habe mich nur erschrocken, als es knallte, und habe mich auf den Boden geworfen. Wo kommen Sie denn her? Wer sind Sie?«


Die alte Frau winkte kurz ab.


»Das ist jetzt egal, wer ich bin und wo ich herkomme, wichtig ist nur, dass wir ins Trockene kommen. Die schöne, alte Eiche hätte mich einen ganzen Winter lang wärmen können, nun hat der Blitz sie geholt. Schade, echt schade.«


Bevor Toni etwas antworten konnte, drehte die Frau sich um und ging zurück in die Richtung, aus der sie gekommen war. Er musste sich beeilen, hinter ihr herzukommen und wunderte sich, wie schnell die alte Frau auf den Beinen war. Der unebene Wald- und Wiesenboden schien sie nicht zu behindern. Mit einer unglaublichen Geschicklichkeit schob sie den Rollator vor sich her.


Toni begann wieder zu keuchen, als er endlich ein Gebäude sichtete, aus dem spärlich Licht schien.


»Nur noch ein paar Meter, Junge, dann kannst du dich aufwärmen.«


Die Alte schrie ihm die Worte über die Schulter zu und lief unbeirrt weiter.


Er wollte gerade antworten, als es erneut neben ihm knallte. Die Erde bebte leicht. Ein Blick in die Richtung und Toni erstarrte abrupt. Fast wäre er gefallen. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken. Neben dem Gebäude war ein Blitz eingeschlagen, direkt in eine hohe Trauerweide. Wie ein Sternenschauer suchten sich die kleinen Flammen einen Weg und direkt davor hatte er etwas schemenhaft gesehen. Etwas Weißes, Großes.


»Was war das?«


Seine Stimme klang zittrig, seine Zähne schlugen aufeinander. Sein Blick ging in die Richtung, wo er zuletzt die alte Frau gesehen hatte. Sie war weg … einfach verschwunden. Selbst der Rollator war nirgends zu sehen.


Mit eiligen Schritten hetzte er auf das Gebäude zu. Endlich hatte er die Tür erreicht und stieß sie auf. Dunkelheit empfing ihn, während ein warmer, fast heißer Luftzug ihn einhüllte und in den Raum zog.




Kapitel 2

Toni tastete sich vorwärts und hoffte, dass er endlich einen Lichtschalter finden würde. Aber er fand keinen. Einzig und allein drei große Kerzenleuchter standen auf dem Tisch, der in der Nähe der Eingangstür stand, direkt daneben lag eine Packung Streichhölzer.


Mit zittrigen Händen zündete er ein Streichholz an und hielt die Flamme an den ersten Kerzendocht. Kerze für Kerze. Der Raum wurde immer mehr erhellt. Als er an dem ersten Kerzenleuchter alle zwanzig Kerzen angezündet hatte, warf er einen Blick in den Raum. Es schien ein Saal zu sein, denn der Lichtschein erreichte nicht eine Wand. Toni zündete die anderen Kerzen der beiden verbliebenen Kerzenleuchter an, nahm einen und ging in dem Raum umher. Seine Vermutung sollte sich indirekt bewahrheiten.


Er war in der Vorhalle des Gebäudes und diese war sehr groß. An den Wänden hingen Ölgemälde, verziert mit verstaubten Spinnweben. Auch die Möbelstücke verrieten, dass hier schon sehr lange nicht sauber gemacht wurde. Er begutachtete einen alten, riesigen Lehnsessel: dunkelbraunes Naturholz mit feinen, eingeschnitzten Mustern. Im Kerzenschein sahen die Muster aus wie Blütenranken.


Toni strich mit dem Finger über das verstaubte, raue Holz. »Au! Verdammt.«


Ein kleiner Holzsplitter hatte sich in seinen Zeigefinger gebohrt, der direkt unter der Haut abgebrochen war. Er konnte das Holzstückchen im flackernden Lichtschein nicht entfernen.


Der Stuhl war mit einem schweren, dunkelblauen Stoff bezogen, aus goldener Farbe waren Blüten und Schmetterlinge auf der Rückenlehne eingewebt, eine große goldfarbene Katze mit roten Augen saß zwischen den Blüten und blickte ihn an. Es war ein schönes Bild. Behutsam strich Toni mit der Hand über den verstaubten Stoff der Lehne und stellte bewundernd fest, wie warm und weich der Bezug war.


Eine wohlige Wärme durchzog seinen Körper, die erst erkaltete, als er seine Hand von dem Stoff nahm. Sofort legte er die Hand wieder auf die goldfarbene Katze und genoss die durch seinen Körper fließende Wärme.


Ihm war, als hörte er ein leises Schnurren und blickte sich um, konnte aber keine Katze entdecken, die das Geräusch von sich gab.


Sein Interesse wurde geweckt und er folgte dem quälenden Wunsch, das Gebäude mit seinem ganzen Inventar zu entdecken. Mit dem Kerzenleuchter in der linken Hand begab er sich auf Entdeckungstour.


Die Eingangshalle war nur spärlich möbliert, der große Tisch stand in der Nähe der Eingangstür, der große Lehnstuhl stand ungefähr zehn Meter davon entfernt mittig an der rechten Wand. Toni konnte an der Wand keine Tür entdecken, dafür einen Wandbezug. Anfangs hatte er das Motiv für ein Ölgemälde gehalten, beim näheren Betrachten stellte Toni fest, dass ein großes dunkelblaues Tuch über die ganze Wand gespannt war. Mitten auf diesem Wandbezug stand majestätisch ein weißer Tiger, der aus weit aufgerissenen roten Augen auf ihn herabblickte. Ihm war, als wenn die Spitze des einen Reißzahns kurz aufblitzen würde. War es nur eine Lichtreflexion?


Er schüttelte den Kopf und setzte seine Tour fort. Mit langsamen Schritten ging er an der Wand entlang in Richtung Eingangstür, als erneut ein Schnurren erklang. Wieder blickte er sich suchend um, konnte aber nichts entdecken. Er ging vorsichtig weiter, an der Tür vorbei, die Wand entlang und entdeckte in der anderen Ecke des Raumes, ungefähr fünf Meter von der Eingangstür entfernt, eine Kommode. Für seine bescheidenen Verhältnisse war es ein mittlerer Schrank. Die Kommode ging ihm bis zum Kinn, und da er mit einem Meter zweiundachtzig nicht unbedingt klein war, konnte man schon Schrank dazu sagen. In seinem Zimmer hätte er diesen nicht stellen können, da er viel zu lang war. Sieben große Schritte zählte Toni beim Vorbeigehen, seine linke Hand berührte immer das Holz. Er spürte viel Staub und kleine Unebenheiten, aber auch hier empfand er eine wohlige Wärme in seinem Körper. Die Kommodentüren, zehn an der Zahl, waren alle mit feinen Blütenranken verziert, die hell aus dem dunklen Holz hervorstachen.


Direkt neben dem Schrank war eine Flügeltür. Er entschied sich, erst die Halle weiter zu erkunden und ging daran vorbei.


Im weiteren Wandverlauf entdeckte er richtige Ölgemälde, die er bereits vom Tisch, der neben der Eingangstür stand, aus gesehen hatte. Gesichter von alten, grauhaarigen Frauen und Männern sahen auf ihn hinab und auf jedem Bild waren Katzen zu sehen. Mal eine Schwarze, mal eine Graugetigerte, mal eine Weiße. Mit kurzem Fell oder auch mit langem Fell. Alle Katzen hatten eines gemeinsam: Leuchtend rote Augen starrten ihn an. Es schien ihm, als wenn die Blicke ihn verfolgten. Nicht mit böser Absicht, sondern wohlwollend. Die Bilder hingen zu hoch an der Wand, sonst hätte er seinem aufkeimenden Wunsch, die Bilder zu berühren, nachkommen können. So musste Toni sich damit begnügen, die Gemälde nur anzublicken.


Ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht, als ein lautes Maunzen durch die Halle erklang. Blitzschnell drehte er sich herum und sah gerade soeben noch einen weißen, schemenhaften Umriss eines Tieres – eines großen Tieres. Er konnte aber nicht sagen, ob es eine Katze, ein Hund oder ein anderes Tier war.


Sich immer wieder umschauend, ging er weiter, seine linke Hand immer an der Wand, damit er weiterhin die Wärme des Hauses spürte.


»Ah!«


Da er immer wieder zu den Gemälden hochblickte, übersah er ein großes Körbchen aus Weidengeflecht, stolperte über dessen Kante und lag mittendrin. Der Kerzenleuchter fiel ihm aus der Hand und auf den Fußboden. Die Kerzen verloschen.


 


Im dunkelblauen Webgeflecht, welches weich und flauschig war, spürte er plötzlich Hitze durch seinen Körper schießen. Er fing an zu keuchen, sein Puls raste und eine bleierne Müdigkeit überfiel ihn. Toni versuchte dagegen anzukämpfen, aber er verlor den Kampf und schlief ein.


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