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Belletristik Bücher
Buch Leseprobe Bapogana, Dieter Janz
Dieter Janz

Bapogana


Roman

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Im weiteren Verlauf des Abends kamen sie nicht mehr darauf zu sprechen. Das Auffinden der Leiche Carters war dagegen ein bei weitem ausgiebigeres Thema. Daila erklärte David in diesem Zusammenhang, was für Blüten der Aberglaube ihrer Landsleute treiben konnte. „Nach unseren Vorstellungen sucht sich die Seele eines jeden Verstorbenen einen konkreten Platz auf der Erde, um dort zu ruhen. Jemand, der eines natürlichen Todes verblichen ist, findet ihn sehr schnell und hat dann seinen Frieden. Das sieht bei gewaltsam Getöteten völlig anders aus. Deren Seelen irren umher und können dabei allerlei Unheil anrichten. Erst wenn der Tod gesühnt wird, kommen auch diese Geister zur Ruhe." Sie machte eine kurze Pause, die David für eine Frage nutzte: „Glaubst du selbst auch an diese Geschichte?" Sie schaute ihn einen Moment lang nachdenklich an. „Ja, das tue ich. Man darf vieles in unserem Glauben nicht zu naiv betrachten. Manche unserer Landsleute konstruieren regelrechte Grusel- und Gespenstergeschichten daraus, in denen verfluchte Seelen als Skelette oder schwarze Wolken, um nur ein paar Beispiele zu nennen, umhergeistern, um im harmlosesten Fall Menschen zu erschrecken. Das gehört natürlich in den Bereich der Märchen und Fabeln. Aber dass sich unsere Seelen einen Ruheplatz suchen, glaube ich schon, ebenso wie die Vorstellung, später irgendwann einmal in den Körper eines Menschen zurückzukehren. Hältst du das für kindisch?" Kopfschüttelnd erwiderte er: „Nein, keineswegs. In unserer Religion geht man davon aus, dass die Toten Auferstehen und in den Himmel fahren. Das ist nicht weniger naiv als eure Vorstellung und hat meiner Meinung nach keinen höheren Anspruch auf die Wahrheit." Zufrieden lächelnd nahm sie seine Antwort zur Kenntnis. Dann fuhr sie fort: „In den Augen der Bapos irrt also General Carters Seele umher. Da er keinen guten Charakter zu seinen Lebzeiten hatte, wird er auch als Geist zu Missetaten neigen. Manche glauben sogar, dass es in der Macht solcher üblen Geister steht, die Seelen noch lebender Manschen zu rauben. Es gibt Geschichten, die erzählen, solche auf diese Weise entseelte Menschen würden wie in Trance durch ihre Umwelt schreiten, unheimlich und Angst einflößend. Von blutender Haut und leeren Augen ist die Rede, ihre Sprache sei monoton und emotionslos, der Gesichtsausdruck starr. Andere erzählen, die Körper dieser entseelten Menschen wären tot, würden aber nicht verwesen. Deren Geister fänden erst Ruhe, wenn man ihre Leichen verbrennt. Das ist natürlich alles Unsinn. Doch der Aberglaube sitzt tief. Danach können die Seelen Ermordeter vorübergehend wieder ihre frühere körperliche Gestalt annehmen und als Erscheinung auftreten, natürlich meist nachts, wenn die Fantasie der Menschen sowieso schon leicht angeregt ist. Es gibt in dieser Richtung unzählige Gruselgeschichten. Da bleibt es natürlich nicht aus, dass manche Zeitgenossen solche Schauermärchen aus dem einen oder anderen Grund systematisch erfinden. Selbst Priester sind davor nicht gefeit, ihren Mitmenschen solche Geschichten aufzutischen.


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