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Belletristik Bücher
Buch Leseprobe Azalea, Kevin Winterberg
Kevin Winterberg

Azalea


17 Sekunden Leben

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»Ihre Tochter ist tot.«
Als wenn dies nicht schon die absolut schlimmsten vier Wörter für
ein junges Elternpaar wären. Worte, die sich gnadenlos ins Hirn
brennen, auf Lebzeiten stetig Schmerzschübe ins Herz pumpen und
jegliches temporäre Glück zu zerstören vermögen. Nein, sie sind noch
unerträglicher, wenn sie von einem betagten, schon längst emotional
abgestumpften Polizeichef locker und trocken, lauwarm einem
direkt ins Gesicht genuschelt werden. Ohne Frage, jeder noch so einfühlsame
und sympathische Mensch würde, wenn er oder sie dazu
auserkoren, eine dermaßen schreckliche Nachricht zu überbringen,
in den Augen der Empfänger das größte Arschloch auf Lebzeiten sein
und diesen Titel als Brandzeichen direkt auf der Stirn tragen, aber
dieser besagte Polizist ließ nun wirklich nichts anbrennen und versuchte
nicht einmal, leichtes Mitgefühl zu heucheln.
»Sie wurde in einem Straßengraben nahe der B9 gefunden. Zu diesem
Zeitpunkt war sie bereits tot. Unsere Gerichtsmediziner haben
die Vermutung, dass Ihre Tochter hoch alkoholisiert Auto gefahren
ist und so den Unfall geradezu provoziert hat.« Bevor der Polizeichef
seinen Monolog fortführte, machte er eine kleine, dramatische Pause,
die von der Zeit her locker einen Schluck aus einer imaginären Kaffeetasse
hätte bedeuten können.
»Meine Kollegen werden sich um Sie kümmern, eine psychologische
Begleitperson ist auch auf dem Weg. Ich muss leider weg. Weitere
Pflichten rufen.« Die verdutzten Blicke von Herr und Frau Mozart
verdeutlichten, dass sie der Situation bisher keinen Glauben
geschenkt hatten, als wären sie in einem schlechten Traum gefangen.
Einem verdammt schlechten Traum.
»Ach ja, mein Beileid«, fügte der nette Polizist im Vorbeigehen
noch hinzu und verschwand in der Dunkelheit.


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