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Belletristik
Buch Leseprobe Aljona, Michelle Klemm
Michelle Klemm

Aljona


Eine unerfüllbare Liebe

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Aljona


 


England zu Beginn des Jahres 1138


 


Leise fielen zarte Flocken und bedeckten Stück für Stück die frische Erde mit einer dünnen weißen Schicht, ebenso die Spuren all derer, die diesen Ort bereits verlassen hatten. Nur sie beide waren geblieben, denn allmählich schwand das letzte Licht des Tages, wurde verschluckt von dem aufziehenden Nebel. Die gesamte Umgebung war trüb und grau wie ihr Inneres. Richards Blick schweifte aber nicht umher, sondern ruhte auf der schlanken Frauengestalt, die ganz in schwarz gehüllt stumm und starr in der klirrenden Kälte verharrte. Die filigranen Eiskristalle blieben in den Flechten ihres langen braunen Haares hängen. Wie ein natürlicher Schmuck verliehen sie ihr einen feenhaften Glanz und Schimmer, so als wäre sie nicht von dieser Welt. Doch selbst wenn in diesem Moment trotz der Trauer ein friedlicher Ausdruck auf ihrem Gesicht lag, war sie ab jetzt mit ernsthaften irdischen Problemen konfrontiert. Er wusste das und sie wusste es auch. Warum nur hatte der Herrgott kein Erbarmen mit ihr? Warum befahl er immer wieder genau jene Menschen zu sich, die ihr am Herzen lagen?


Ihre Mutter war bei der Geburt des zweiten Kindes gestorben. Trotz aller Fürsorge und Pflege konnte man ihr Brüderchen nicht retten. Bald nach der Geburt hörte sein kleines Herz schon auf zu schlagen. Ihr Vater, der einerseits seine Frau verehrt und sich andererseits stets einen männlichen Nachkommen und Erben gewünscht hatte, verfiel hernach in Trübsinn, nahm seine Umwelt immer weniger wahr, seine Tochter war ihm schlichtweg egal geworden, er hörte auf zu essen und zu schlafen. Das konnte nicht lange gut gehen – binnen eines Jahres folgte er seiner Frau und seinem Kind. Das Mädchen war damals gerade fünf Jahre alt und eine Waise. Sie wurde von ihrem Oheim aufgenommen, der, nachdem er ebenfalls einen seiner beiden Söhne schon früh an den Tod verloren hatte, sie liebte wie ein eigenes Kind. Es folgten glückliche Jahre: Die beiden etwa gleichaltrigen Kinder wuchsen auf wie Geschwister, spielten, tobten, übten sich gemeinsam mit dem Holzschwert und wagten wilde Ausritte zu Pferd, wobei die grünen Augen des Mädchens zu leuchten begannen und ihr langes blondes Haar im Wind flatterte. Ihrer Tante missfiel es zwar, dass die Kleine sich wie ein Junge benahm, aber das störte den Ohm nicht im Mindesten. Sie waren unzertrennlich, bis Jacob im Zuge seiner Ausbildung zum Ritter als Page, später als Knappe, die elterliche Burg verließ. Diese Laufbahn blieb ihr leider verwehrt. Stattdessen wurde sie fortan von ihrer Tante in höfischem Benehmen, Tanz, Handarbeiten sowie anderen fraulichen Tätigkeiten unterrichtet und später auf ihre Pflichten als Ehefrau vorbereitet. Da sie sich in all diesen Dingen geschickt anstellte, Talent zeigte und so zu einer jungen, wohlerzogenen Frau reifte, entwickelte sich auch zu ihrer Tante ein vertrauensvolles Verhältnis. Mehr oder weniger insgeheim trainierte ihr Onkel sie aber weiter.


Dann kam der Tag, an dem Jacob zum Ritter geschlagen wurde. An jenem Tag stellte er ihr seinen besten Freund Matthew vor. Für beide war es Liebe auf den ersten Blick, die mehr und mehr wuchs und schon bald bat er ihren Onkel um ihre Hand. Er war nur ein einfacher Ritter und konnte ihr nicht viel bieten, doch er behandelte sie als eine ihm ebenbürtige Partnerin. So willigte er gern in die Vermählung ein. Zu selten kam es vor, dass eine Ehe aus Liebe geschlossen wurde. Obgleich das Paar eine harmonische und liebevolle Beziehung führte, wollte sich lange Zeit kein Kind einstellen. Endlich wurde die junge Frau schwanger und ihr Glück schien sich zu vervollkommnen. Leider war dieses Glück nur von kurzer Dauer, denn sie verlor das Kind. Matthew stand ihr zur Seite und tat alles, um sie wieder aufzubauen, und schaffte letztlich mit seiner starken Liebe, sie aus ihrem Tal heraus zu führen. Dennoch lastete die Sehnsucht nach einem Kind mit jedem Monat, der verging, schwerer auf ihrer Seele, selbst wenn sie sich stets bemühte, sich nach außen hin nichts anmerken zu lassen.


Das größte Problem ihrer Zeit waren jedoch, neben dem Krieg sowie gelegentlich verheerenden Feuersbrünsten, Krankheiten und Seuchen. Der harte Winter forderte seinen Tribut und so ließen die nächsten Schicksalsschläge nicht lange auf sich warten. Erst vor wenigen Wochen hatten sie ihre Tante zu Grabe getragen und nun war nach langem Todeskampf auch ihr geliebter, seelenverwandter Mann dem Fieber erlegen. Nun stand sie hier mit knapp 24 Jahren in Trauer gehüllt am Grab ihres Gatten.


Ein eisiger Wind erhob sich und machte Richard frösteln. Inzwischen war es fast ganz dunkel und das Schneetreiben dichter geworden. Im letzten fahlen Tageslicht betrachtete er noch einmal die schöne Gestalt seiner Nichte. Das einst strohblonde Haar war im Laufe der Jahre immer dunkler geworden und ihre strahlenden grünen Augen waren tränenschwer. Trotzdem war für jeden Mann ein erfreulicher Anblick, eine begehrenswerte junge Witwe, ein Beuteobjekt für all jene, die es mit der ritterlichen Ehre nicht so genau nahmen. Richard wusste, der beste Schutz wäre, sie so schnell wie möglich wieder zu verheiraten. Aber er kannte sie viel zu gut und wusste, dass sie dazu nicht bereit war. Niemals würde er sie zwingen, einen Mann zu heiraten, den sie nicht liebte, dafür liebte er sie wiederum viel zu sehr. Kurzzeitig hatte er mit dem Gedanken gespielt, sie seinem eigenen Sohn zu geben. Doch er hatte sich dagegen gesträubt, genauso wie sie sich sträuben würde. Die beiden waren nun einmal mehr wie Bruder und Schwester als Vetter und Base für einander. Also gab es nur noch eine Möglichkeiten: er musste sie wieder mit nach Hause nehmen und sie so lange unter seinen persönlichen Schutz stellen, wie eben nötig.


„Aljona“, wagte er endlich das Schweigen zu brechen, „du wirst noch erfrieren hier in der Kälte. Lass uns Heim gehen.“


Wie aus einem tiefen Traum gerissen, drehte sie sich zu ihm um und nickte, warf dann einen letzten Blick auf das von Schnee bedeckte Grab, bevor sie sich von ihm nach Hause führen ließ.


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